Flüchtlinge

Ein Feldbett als neue Heimat

RHEIN-SIEG-KREIS. Nach Troisdorf und Hennef muss jetzt auch Siegburg eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge schaffen. Die Verwaltung sei darüber Freitagnachmittag von der Bezirksregierung Köln informiert worden, sagte Bürgermeister Franz Huhn am Rande der Kirmeseröffnung in Kaldauen.

Weil die Notunterkunft für 100 Menschen bis Montag bezugfertig sein sollte, habe die Stadt um Aufschub gebeten: Sie sieht kaum eine Chance, diese Aufgabe an einem Wochenende zu bewältigen. Gestern Abend trat unter Leitung Huhns ein Krisenstab zusammen, um die ersten Schritte einzuleiten. Näheres will die Stadt am Montag bekannt geben.

Weil die regulären Erstaufnahmestellen des Landes zurzeit überfüllt sind, müssen verstärkt die Kommunen Räume anbieten. Troisdorf hat bereits vor drei Wochen die Dreifachturnhalle in Sieglar umfunktioniert, als nächstes nahm die Bezirksregierung Hennef in die Pflicht. Die Stadt hat die Turnhalle "Am Kuckuck" hergerichtet - binnen drei Tagen.

Dort kamen am Freitag die ersten 100 Flüchtlinge an. Weitere 50 folgen laut Bürgermeister Klaus Pipke am Mittwoch. Damit leben in Hennef künftig etwa 500 Flüchtlinge, weitere Zuweisungen sind zunächst nicht zu erwarten. "Wir wussten, irgendwann ereilt uns der Ruf", sagt Pipke gestern. "Es ist ein ziemlicher logistischer Aufwand." Den haben die Stadt, das Deutsche Rote Kreuz Rhein-Sieg, das Technische Hilfswerk, die Feuerwehr und viele weitere Helfer gemeinsam unter der Regie von Jochen Breuer vom Hennefer Ordnungsamt und Holger Hammer vom DRK Rhein-Sieg gestemmt.

Rund 100 Helfer im Einsatz

In den vergangenen Tagen waren zeitweise rund 100 Helfer vor Ort, darunter allein 60 vom DRK. "Eine gute Gemeinschaftsleistung", so Pipke. Die Arbeit ist aber noch nicht vorbei: Die Flüchtlinge werden nun in der Turnhalle registriert und von Ärzten untersucht.

Dabei helfen Übersetzer, die aus der Verwaltung kommen oder sich freiwillig gemeldet haben. Die Ärzte schickt das Netzwerk Hennefer Ärzte. Kommende Woche stellt eine Hausärztin ihre Praxis zur Erstuntersuchung zur Verfügung. Weder das Kreisgesundheitsamt noch die Kassenärztliche Vereinigung hätten sich richtig zuständig gefühlt, sagt Pipke. Frühstück, Mittagessen und Abendbrot liefert ein Caterer, dazu bekommen die Erwachsenen 30 Euro Taschengeld pro Woche, die Kinder 15 Euro.

Halle dient als Notunterkunft

Mindestens bis zu den Herbstferien soll die Halle als Notunterkunft dienen. Die Kosten trägt das Land. "Bei der derzeitigen Lage können wir uns aber nicht sicher sein, dass sie danach wieder frei ist", sagt der Bürgermeister. Bis dahin müssen Schul- und Vereinssport ausgelagert werden.

Die Dreifachhalle ist laut Pipke aber am geeignetsten, weil sie separat liegt, genug Toiletten bietet und zur Seite hin geöffnet ist. So können Sicherheitsdienst, DRK und die zwei Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die vor Ort sein werden, gut den Überblick behalten. "Eine Turnhalle ist natürlich nicht optimal. Aber woanders kann man so viele Menschen nicht unterbringen", sagt Holger Hammer.

Die Notunterkunft haben sich Nachbarn und Schulklassen schon angeschaut. Über das Bürgertelefon sind bereits Anrufe eingegangen. Die Reaktionen seien positiv, so Pipke. "Die Leute fragen, wo sie Spenden abgeben können." Die sammelt das DRK zentral an der Josef-Dietzgen-Straße. Allerdings möchte die Stadt zunächst den Bedarf abwarten. Pipke: "Wir weisen aber niemanden ab, der etwas bringen möchte."