Tourismus im Rhein-Sieg-Kreis

Diese Orte sind bei Touristen am beliebtesten

Pause mit Blick auf die Wahnbachtalsperre bei Siegburg: Der Rhein-Sieg-Kreis lockt viele Wanderer an. Die Kreisstadt verzeichnete 2016 bei den Übernachtungszahlen ein Plus.

Pause mit Blick auf die Wahnbachtalsperre bei Siegburg: Der Rhein-Sieg-Kreis lockt viele Wanderer an. Die Kreisstadt verzeichnete 2016 bei den Übernachtungszahlen ein Plus.

Rhein-Sieg-Kreis. Im Jahr 2016 verzeichnete der Rhein-Sieg-Kreis etwas weniger Gästeankünfte und Übernachtungen. Die Tourismusbranche bleibt dennoch zuversichtlich, schließlich gibt es einige attraktive Ziele für Urlauber und Geschäftsreisende.

Malerische Landschaften entlang von Rhein, Sieg und Agger, Siebengebirge, Voreifel, Vorgebirge – und Bonn und Köln direkt vor der Tür: Der Rhein-Sieg-Kreis lockt mit einigen attraktiven und gut angebundenen Orten – sowohl für Urlauber als auch Geschäftsreisende. Dennoch ist die Zahl der Gästeankünfte und -übernachtungen im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen.

Laut der neuesten Erhebung von Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT NRW) kamen im vergangenen Jahr 606.693 Menschen in den Rhein-Sieg-Kreis. Das sind 0,5 Prozent weniger als noch im Jahr 2015. Auch die Zahl der Übernachtungen ging zurück – um 0,7 Prozent auf 1 324 617. Unverändert zu 2015 ist die Zahl der Nächte, die Reisende hier durchschnittlich verbringen, nämlich 2,2. Zunehmend beliebter ist der Kreis bei ausländischen Gästen. Die Zahl der Gäste stieg um zwei Prozent auf 78.661, woraus 182.756 Übernachtungen (plus 1,9 Prozent gegenüber 2015) resultierten.


(Keine Angaben für Neunkirchen-Seelscheid und Ruppichteroth)

Siegburg legt gegen den Trend zu

Besonders stark gingen die Zahlen im rechtsrheinischen Kreisgebiet in Sankt Augustin zurück. 12.162 Gästeankünfte bedeuten einen Rückgang von rund 9,5 Prozent und 22.357 Übernachtungen einen um 7,7 Prozent schwächeren Wert. „Man merkt, dass Sankt Augustin zwischen Siegburg und Bonn liegt und verhältnismäßig wenig Potenzial in puncto Tourismus hat“, sagt Thomas Rosse, Inhaber des Hotels Hangelar.

Eine Erklärung für die sinkenden Zahlen ist für ihn auch eine steigende Zahl an Übernachtungsmöglichkeiten in Bonn. In Rosses Hotel würden sich die sinkenden Zahlen bis dato aber nicht bemerkbar machen. Er weiß, womit er punkten kann: „Hierher kommen nur Geschäftsreisende. Urlaub macht hier keiner.“

Auch Hennef, Niederkassel und Troisdorf verzeichnen Rückgänge bei den Gästeankünften von bis zu 6,5 Prozent. Pano Chalkidis, stellvertretender Direktor des Hotels Clostermannshof in Niederkassel, verwundern die Zahlen: „Zwischen Köln und Bonn und in bester Rheinlage sowie durch eine sehr gute Verkehrsanbindung ist Niederkassel auch weiterhin ein idealer Treff- und Ausgangspunkt für die Region“, sagt er. Die Belegung im Clostermannshof bezeichnet er als gleichbleibend. Axel Kleiber, stellvertretender Betriebsleiter des Troisdorfer Hotels „Kronprinz“ sieht in den Zahlen auch eine Abhängigkeit von Bonn und Köln. „Wenn keine großen Messen steigen, kann sich das durchaus negativ auswirken.“ In seinem Hotel steige die Bettenbelegung. Kleiber sagt aber auch: „Rund 80 Prozent unserer Gäste sind Geschäftsreisende.“

Gänzlich anders sieht die Statistik mit Blick auf Siegburg aus. Die Kreisstadt verzeichnete im vergangenen Jahr 55.468 Gästeankünfte und kann sich damit über ein Plus von 6,3 Prozent freuen. „Die Zahlen verdanken wir vor allem der Naturregion Sieg. Viele Menschen kommen hierher, um von hier aus auf Wanderschaft zu gehen“, sagt Nesrin Göksu von der Siegburger Tourist Information.

Die 55.468 Gäste blieben im vergangenen Jahr 101.198 Nächte, was einen Anstieg um 1,3 Prozent entspricht und zugleich einen Rekord markiert. Dass Siegburg erstmals über 100.000 Übernachtungen verzeichnen konnte, liegt für Göksu an der Attraktivität der Stadt, aber auch an der guten Verkehrsanbindung mit ICE-Bahnhof und der Nähe zu zwei Flughäfen.

Siebengebirge: Tagungsbetriebe wandern ab

Im Siebengebirge ergibt sich ein uneinheitliches Bild. Während in Bad Honnef die Zahl der Gästeankünfte im Jahr 2016 um 4,2 Prozent auf 95 332 zulegte, besuchten Königswinter im gleichen Zeitraum dreieinhalb Prozent weniger Gäste. Die Zahl der Ankünfte ging auf 129 872 zurück. Die schlechteren Zahlen in Königswinter führt Oliver Bremm, Geschäftsführer der Tourismus Siebengebirge GmbH, auf die etagenweise Sanierung des Maritim Hotels mit seinen 462 Betten zurück, die in diesem Jahr ihren Abschluss finden soll. In diesem Jahr werde sich zusätzlich der Beginn der Sanierungsarbeiten im Hotel Steigenberger auf dem Petersberg auswirken. „Der leichte Rückgang geht da schon in Ordnung.“

Positiv bewertet er, dass die Zahl der Gästeankünfte trotz des Rückgangs gegenüber dem Vorjahr (134.000) mit 129.000 in 23 geöffneten Betrieben mit 1806 Betten immer noch höher liege als im Jahr 2014 (126.000). „Und die Zukunft lässt hoffen. Das Jufa-Hotel im Jugendhof Rheinland mit 60 Zimmern, das spätestens im September eröffnen soll, hat jetzt bereits tolle Buchungszahlen“, so Bremm. Für die kommenden Jahre erwartet er deutliche Zuwächse bei den Übernachtungen.

Die „drei Großen“ bei den Hotels, so der Leiter der Tourismus-Information, Thomas Bock, haben Bad Honnef ein „solides kleines Plus“ bei den Gästeankünften und Übernachtungszahlen beschert. Das Seminaris, das Avendi und das Commundo-Tagungshotel halten den Großteil der von insgesamt 14 Betrieben angebotenen 1274 Betten vor. Dazu kommt die Jugendherberge in Selhof. „Das ist erfreulich und spricht für die anhaltende Qualität der Destination Bad Honnef“, sagt Bock.

Zugleich hebt er jedoch warnend den Zeigefinger. Die Honnefer haben kein vorübergehendes Problem mit Sanierungen wie Königswinter, sondern ein nachhaltiges. Das Katholisch-Soziale-Institut (KSI) mit 115 Gästezimmern hat Ende Januar geschlossen. Die Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) zieht Ende des Jahres aus dem Uhlhof aus. Und Ende 2018 schließt das Commundo-Tagungshotel mit 100 Zimmern. „Diese drei Häuser trugen und tragen erheblich zu den Übernachtungszahlen bei. Wir werden viel besser im touristischen Marketing werden müssen, um die zu erwartenden Verluste zu kompensieren“, sagt Bock selbstkritisch. Er rechnet damit, dass Honnef auf diesem Gebiet gegenüber der Nachbarstadt Königswinter erheblich an Boden verlieren wird.

Linksrheiner profitieren von WCCB

Im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis verzeichnen die Kommunen mit Ausnahme von Swisttal (minus 12,4 Prozent) und Wachtberg (minus 2,8 Prozent) ein Plus bei den Gästeankünften. So kann sich Meckenheim mit 15 395 Besuchern über einen Zuwachs von 27,8 Prozent freuen und Alfter mit 14 104 Gästeankünften über ein Plus von 17,1. Auffällig: Vor allem mehr Leute aus dem Ausland suchten sich eine Unterkunft in Vorgebirge oder Voreifel. 44,2 Prozent mehr ausländische Besucher waren es in Meckenheim, 27,3 Prozent mehr in Bornheim und 11,4 Prozent mehr in Rheinbach.

Laut Rolf Schumacher, Bürgermeister von Alfter sowie Vorsitzender des Vereins Rhein-Voreifel Touristik, ist der Trend steigender Übernachtungszahlen im Linksrheinischen zum einen darauf zurückzuführen, dass die Kommunen mehr Kapazitäten anbieten. „Es liegt aber auch stark daran, dass es eine attraktive Gegend ist, und dass der Kongressbetrieb in Bonn Fahrt aufgenommen hat“, so Schumacher: Wir profitieren davon, dass der WCCB-Betrieb richtig losgeht.“ Wenn die Kapazitäten in Bonn erschöpft seien, wichen die Tagungsgäste auch auf die umliegenden, gut angebundenen Kommunen aus – und so erkläre sich auch der Zuwachs an internationalen Gästen. In Alfter selbst seien zudem im Alanus-Gästehaus internationale Besucher vor Ort. Auch Ferienwohnungen im Linksrheinischen seien gut ausgelastet: „Das boomt ohne Ende“, sagt Schumacher.

Auch die Stadt Meckenheim vermutet, dass die steigende Anzahl von Besuchern aus dem Ausland „hauptsächlich auf Geschäftsreisende und weniger den touristischen Bereich“ zurückzuführen sei, wie Pressesprecherin Marion Lübbehüsen sagt. „Wir vermuten, dass das City Hotel da den Bedarf decken kann.“ Denn dieses habe erweitert und biete auch mehr Tagungsräume an.