Hilfsangebote im Tausch

Die Währung beim Troisdorfer Tauschring ist der Siegtaler

Die Währung für den Tauschring: Karin Wacker (links) und Silke Over mit den neuen Siegtalern, die für das Jahr 2018 gelten.

Die Währung für den Tauschring: Karin Wacker (links) und Silke Over mit den neuen Siegtalern, die für das Jahr 2018 gelten.

Siegburg. Im Troisdorfer Tauschring bieten die Mitglieder ihre Hilfe für eine Gegenleistung an. So kann eine geübte Näherin Klamotten flicken, während ihr ein anderes Mitglied in der Zeit die Gartenhecke schneidet. Jedes neue Mitglied zahlt 20 Euro Beitrag und erhält im Gegenzug fünf sogenannte Siegtaler.

„Ich tausche Hausaufgabenbetreuung gegen eine Fahrradreparatur.“ Solche Angebote sind keine Seltenheit beim Troisdorfer Tauschring. Alle zwei Monate treffen sich die Mitglieder und Interessierte des Tauschrings im Denkraum in Siegburg. Hintergrund dieser Treffen ist in erster Linie das Kennenlernen der Mitglieder untereinander. „Es fällt einem deutlich leichter, auf eine andere Person zuzugehen und einen Tausch vorzuschlagen, wenn man die Person bereits kennt“, erklärt Mitglied Dieter Neumann.

Das Konzept hinter dem Tauschring ist schnell erklärt. Die Mitglieder können angeben, welche Dienstleistung sie anbieten und was sie im Gegenzug benötigen. „Um einen Ausgleich zu schaffen, wird der Aufwand in Arbeitszeit und schließlich in unsere eigene Währung umgewandelt. Ein Siegtaler steht für eine Stunde Arbeit“, erläutert Tauschring-Gründerin Silke Over. So kann etwa eine geübte Näherin Klamotten flicken, während ihr ein anderes Mitglied in der Zeit die Gartenhecke schneidet.

Zu Beginn zahlt jedes neue Mitglied 20 Euro Mitgliedsbeitrag und erhält im Gegenzug fünf sogenannte Siegtaler, um in den Tauschring einsteigen zu können. Bei den Angeboten sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Neben Tauschgeschäften richtet der Tauschring auch regelmäßig Flohmärkte und Weihnachtswichteln aus.

Silvia T. (Nachname soll nicht genannt werden) ist neu im Tauschring und kann sich vorstellen, bei ihrer nächsten Gartenparty die Hilfe von Mitgliedern in Anspruch zu nehmen. „Letztes Jahr hat mein Pflegesohn die Salate für meine Gartenparty vorbereitet, aber dieses Jahr würde ich im Tauschring nachfragen“, erzählt sie. Die Deutschlehrerin bietet im Gegenzug Korrekturlesen und Hilfe bei Tapezierarbeiten an. Am wichtigsten sind ihr aber die Kontakte, die sie knüpfen kann. Auch für die anderen Mitglieder ist der Tauschring gleichzeitig eine Kontaktbörse. Eine Problematik, die zum Vorschein kommt, ist das Fehlen junger Mitglieder. „Häufig wird Hilfe für Umzüge benötigt, und das können die meisten Mitglieder körperlich nicht mehr leisten. Dafür braucht man junge, kräftige Männer, und die fehlen uns“, erklärt Neumann. Ein weiteres Problem stellt das große Verbreitungsgebiet des Tauschrings dar.

Dadurch, dass er für den ganzen Rhein-Sieg-Kreis zuständig ist, haben die Mitglieder teilweise sehr lange Anfahrtswege. Da diese auch in Siegtaler umgerechnet werden, haben es die Mitglieder, die außerhalb wohnen, schwerer, Hilfe zu bekommen.

„Es wäre toll, wenn sich mehr Menschen für das Konzept Tauschring begeistern würden und sich kleine Ableger davon in den Städten und Dörfern bilden“, wünscht sich Friederike Röthlein. Aktuell besteht der Tauschring aus 40 Mitgliedern. An diese verschicken Klaus und Silke Over Listen mit den Tauschangeboten und Kontaktdaten der Mitglieder. „Es liegt dann an jedem Einzelnen, die Initiative zu ergreifen und sich an die anderen zu wenden. Bei vielen neuen Mitgliedern ist die Hemmschwelle hoch, auf andere zuzugehen, wenn sie nicht genau das leisten können, was auf den Listen verlangt wird“, sagt Röthlein: „Dann muss man den Mut aufbringen und etwas anderes anbieten. Es findet sich fast immer eine Lösung, mit der dann alle zufrieden sind.“