Aggertalbahn

Deutsche Bahn legt Strecke in Siegburg still

SIEGBURG. Schon seit zwei Jahren wird das Gleis der Aggertalbahn zwischen dem Siegburger Bahnhof und dem Siegwerk nicht mehr genutzt. Nun wird das letzte Stück der Aggertalbahn in Siegburg still gelegt.

Die Deutsche Bahn legt das letzte Stück der Aggertalbahn in Siegburg still. Das ergaben Anfragen des GA bei der Bahn und bei der Firma Siegwerk. Der Druckfarbenhersteller hat als letzter Nutzer den Gleisanschluss gekündigt. Damit geht in Siegburg ein Stück Bahngeschichte zu Ende: Die im Volksmund „Luhmer Grietche“ genannte Strecke wird aus dem Stadtbild verschwinden. Zugleich schrumpft die Zahl der Unternehmen im Kreis, die überhaupt noch einen Bahnanschluss nutzen: Ganze vier sind es noch.

Vor zwei Jahren stellte das Siegwerk den Bahnbetrieb ein, zunächst vorübergehend. Hintergrund waren Gespräche mit der Deutschen Bahn über die fällige Sanierung einer Anschlussweiche und die Kosten. 2015 hatte das Unternehmen noch 17 000 Tonnen Material in insgesamt 319 Zügen erhalten. Nun stellte es auf Lkw-Transport um. Dabei bleibt es. Die Umstellung habe sich bewährt, erklärt Siegwerk-Sprecherin Nathalie Müller-Samson. Man achte auf eine effiziente Nutzung der Lastwagen. „Der Schienenverkehr ist für uns nicht wettbewerbsfähig“, so die Sprecherin. „In Gesprächen mit der Deutschen Bahn haben wir alle zur Verfügung stehenden Optionen abgewogen und uns dazu entschieden, den Gleisanschluss endgültig stillzulegen.“ Der Vertrag mit der Bahn sei gekündigt worden, das Unternehmen ist nur noch für die Gleise auf dem eigenen Grundstück zuständig.

Damit wird die 900 Meter lange Strecke vom Bahnhof über die Frankfurter Straße zum Siegwerk nicht mehr benötigt. „Wir sind dabei, ein Stilllegungsverfahren in Gang zu setzen“, sagte Bahnsprecher Dirk Pohlmann. Die Entscheidung liege dann beim Eisenbahnbundesamt. Anschließend würden die Gleise abgebaut. Hintergrund: Auch wenn eine Strecke stillgelegt ist, liegt die Verkehrssicherungspflicht weiter bei der Bahn.

„Der Stilllegung dürfte nichts im Wege stehen“, so Rainer Bohnet, Eisenbahnexperte und früherer Geschäftsführer der Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE), auf Anfrage. „Wenn kein Zugverkehr mehr besteht, ist so eine Strecke natürlich als unwirtschaftlich anzusehen.“ Außerdem hätte eine Stilllegung wohl kaum Auswirkungen auf das Gesamtnetz. Dennoch bedauert Bohnet die Entwicklung: „Verkehrspolitisch ist das ein falsches Signal.“ Inzwischen sei der Gütertransport über die Schiene politisch gewollt, doch fehle es an regionalen Initiativen, die den Worten Taten folgen lassen. Nur noch vier Unternehmen im Kreis greifen auf die Schiene zurück: Evonik in Niederkassel, Klöckner-Mannstaedt in Troisdorf, Hayes Lemmerz in Königswinter und gelegentlich der Transformatorenhersteller ABB in Bad Honnef. Umschlagplätze wie in Troisdorf oder in Euskirchen seien leider verschwunden, so Bohnet. In der Region betreibe die für den Frachtverkehr zuständige Bahn-Tochter DB Cargo überhaupt keine Akquise.

Stadt denkt an Weiterbau des Radwegs

Bleibt die Frage, was aus der historischen Bahntrasse in Siegburg wird. Durch die Baumfällaktion der Stadt am Osthang des Michaelsbergs wurde der Gleiskörper am Siegwerk freigelegt. Die 1884 in Betrieb genommene Aggertalbahn führte früher eingleisig von Siegburg über Lohmar nach Overath, daher auch der Kosename „Luhmer Grietche“. Die Bahn stellte den Personenverkehr 1954 mangels Wirtschaftlichkeit ein. Der Güterverkehr lief noch weiter, wurde aber immer sporadischer und endete 1994. Jahrelange Bemühungen des Eisenbahnclubs Rhein-Sieg und der RSE für den Erhalt der Strecke – auch für einen möglichen Stadtbahnbetrieb – waren nicht von Erfolg gekrönt. So wurde die Trasse ab Siegwerk bereits in den 90er Jahren stillgelegt und später zum Radweg umgebaut. Nur im Wald zwischen Siegburg und Lohmar blieben die Gleise liegen.

Die Stadt wusste bislang noch nichts von der angestrebten Stilllegung. „Das hören wir zum ersten Mal“, so Bürgermeister Franz Huhn. Er sei davon ausgegangen, dass das Siegwerk den Gleisanschluss offen lasse, um ihn bei Bedarf wieder nutzen zu können. „Wenn die Strecke stillgelegt und entwidmet wird, entsteht eine neue Situation. Dann greifen wir noch einmal unsere Überlegungen auf, den Radweg auf der Bahntrasse weiterzubauen. Das liegt ja in der Natur der Sache.“