Zwischen Swisttal und Windeck

Das Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises konzentriert sich auf Dörfer

Rhein-Sieg-Kreis. Das neue Jahrbuch des Kreises stellt Dörfer und ihre Geschichten in den Fokus. Die Texte beschreiben den Wandel und Perspektiven für die Zukunft, wecken Erinnerungen und machen Heimatgeschichte sichtbar.

Ein klein wenig wie Weihnachten fühlte sich Rainer Land am Donnerstagvormittag. „Das geht mir jedes Jahr so, wenn wir unser Jahrbuch präsentieren“, gestand der Kulturamtsleiter des Rhein-Sieg-Kreises im Kreishaus. Die 33. Ausgabe der 1986 begonnenen Reihe ist seine persönliche Nummer 18, so der federführende Redakteur im Kreise derjenigen, die den Band in den zurückliegenden Wochen mit Leben gefüllt haben. Mit ihren Worten haben 32 Autoren aus dem gesamten Kreis einige der vielen Dörfer zwischen Swisttal und Windeck besonders in den Fokus gehoben und dabei das Leben einst wie heute, den Wandel und die Geschichte niedergeschrieben.

Auch wenn der Kreis in den zurückliegenden Jahren ein eher städtisch geprägtes Gesicht erhalten hat, die alten Dorfstrukturen schimmern vielerorts dennoch immer wieder durch. Sie sind spürbar, greifbar und entfalten ihre Wirkung. Das verdeutlichen die insgesamt 30 Beiträge. Auf 223 Seiten reist der Leser gewissermaßen durch Zeit und Raum. Mehr als 500 Fotos, Zeichnungen und Karten dokumentieren, was die Texte beschreiben: wie es einmal war und wie es heute ist, den Wandel und auch Perspektiven für die Zukunft. Sie wecken Erinnerungen, machen Geschichte sichtbar und liefern ein Stück Heimatgeschichte.

Persönliche Erinnerungen und historische Entwicklungen

Horst Bursch etwa wirft einen liebevollen Blick auf die Menschen im Vorgebirge. Er beschreibt die Eigenarten und Besonderheiten der verschiedenen Ortschaften, die nicht selten auch in Neckereien und Reibereien zwischen Nachbarn gipfelten.

Menschen hatte auch Peter Bouserath zeitlebens im Blick und vor allem im Fokus seiner Kamera. Der Sieglarer Fotograf gilt als Chronist der Nachkriegszeit. Er selbst indes fand bislang weniger Beachtung. Zu seinem 100. Geburtstag widmet Antje Winter ihm einen Beitrag im Jahrbuch und hält so die Erinnerung an einen Mann wach, der das politische Geschehen in Bonn ebenso dokumentiert hat wie die regionale Entwicklung in den Jahrzehnten des Wiederaufbaus.

Neben persönlichen Erinnerungen greifen die Autoren auch historische Entwicklungen sowie zentrale Gebäude auf. Hans Gurgel stellt die Walpurgis-Kapelle in Bornheim-Walberberg vor, Johannes Wilde beschreibt Dorf und Kirche im Wandel am Beispiel von Alfter-Impekoven, und Hermann-Josef Roth zeichnet am Beispiel des Klosters Heisterbach nach, wie sehr Klöster Keimzellen von Dorfstrukturen waren.

Der alten Pfarrkirche Sankt Anna in Sankt Augustin-Hangelar widmet sich Kreisarchivarin Claudia Arndt. Sie zeigt auf, wie architektonisch und kulturhistorisch wertvoll die Vorgängerbauten der heutigen, 1972 eingeweihten Kirche waren und wie sehr sich die Hangelarer mit ihr bis heute identifizieren. Um Vergangenheit und Zukunft geht es in zwei Beiträgen zum Siegburger Michaelsberg und seiner Abtei. Andreas Kaul zeigt ihn als „Leuchtturm des Glaubens“ und neuen Sitz des Katholisch-Sozialen Instituts – nicht ohne einen Blick nach Bad Honnef, wo es vorher zu Hause war. Andrea Korte-Böger blickt zurück auf die Anfänge des klösterlichen Lebens auf dem „Siegberg“.

Strukturwandel der ländlichen Gebiete

Wie sehr sich der Strukturwandel in den eher ländlichen Gebieten des Kreises niederschlägt, verdeutlicht Wolfgang Eimels am Beispiel der Gemeinde Ruppichteroth, die 2016 auf Bundesebene die Silbermedaille im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ gewonnen hat. Von ehedem 26 Kneipen und Gaststätten sind heute noch neun verblieben, statt 26 Tante- Emma-Läden gibt es nur noch einen Lebensmittelmarkt und vier Discounter. Ein Plädoyer für Dörfer hält Wolf-Rüdiger Weisbach am Beispiel Windeck-Herchen, das er gestern, heute und morgen zeigt: Es gelte vorhandene, sinnvolle Strukturen zu stärken und zugleich aber auch neue Wege zu eröffnen.

„Mehr Heimat wagen“, riet Kreiskulturdezernent Thomas Wagner angesichts des bunten und facettenreichen Blicks auf die Dörfer. Willi Wilden ließ den Worten Musik folgen. Der „Waldorfer Jong“ sang von seiner Kindheit im Vorgebirge und resümierte: „Es ist schwierig, so etwas heute noch einmal zu erleben.“

Das Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises ist ab sofort für 13,50 Euro im Handel erhältlich.