Hilfe in Notlagen

DLRG Rhein-Sieg immer häufiger an Badeseen im Einsatz

Rhein-Sieg-Kreis. Wenn Menschen an Gewässern im Kreis in Notlagen geraten, werden sie gerufen: Die Retter der DLRG Rhein-Sieg. Ihre Hilfe wird immer häufiger benötigt. Ein Grund: Immer weniger Kinder lernen Schwimmen.

Die Alarmierung ging um 3 Uhr in der Nacht bei der Rettungsleitstelle ein. Ein Anrufer meldete einen 24-jährigen Mann als vermisst. Zeugen fanden seine Jacke am Ufer des Sees im Rheinbacher Freizeitpark. Erst nach dreieinhalbstündiger Suche brachen die Taucher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Rhein-Sieg den Einsatz ohne Ergebnis ab. Später erfahren die Helfer: Der Mann hatte sich in der Zwischenzeit bei Angehörigen gemeldet und war unversehrt.

Immer wieder kommt es gerade an den heißen Tagen an Flüssen und Seen zu Badeunfällen und Rettungsaktionen. In seltenen Fällen enden sie wie im Fall des vermissten Mannes in Rheinbach. Geraten Personen bei Baden in Seen und Flüssen im Rhein-Sieg-Kreis in Not, sind die Frauen und Männer der DLRG Rhein-Sieg gefragt. Insgesamt 70 Einsatzkräfte, darunter speziell ausgebildete Strömungsretter oder Einsatztaucher, setzen sich ehrenamtlich ein, um Menschen aus Notlagen beim Baden oder etwa bei Überschwemmungen zu retten. Daneben sind die Helfer auch bei Veranstaltungen im Einsatz, sichern Sportwettkämpfe wie den Bonn-Triathlon oder Veranstaltungen wie Rhein in Flammen oder Kölner Lichter ab.

Eine feste Badeaufsicht stellt die DLRG nicht

Jetzt in den Ferien hat sich die Lage etwas abgekühlt, denn viele Familien baden zurzeit eher in ihren Urlaubsländern, aber: „Die Wochen vor den Ferien und das erste Ferienwochenende – das war schon eine Hochphase“, sagt Daniel Heuser, Einsatzleiter bei der DLRG. Ein- bis zweimal in der Woche werden die Lebensretter in den Monaten Juni und Juli zu Einsätzen gerufen, meistens gemeinsam mit der Feuerwehr, der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes, dem THW oder der Bonner DLRG. „Es gibt eine hervorragende Zusammenarbeit hier im Kreis. Bei einem Einsatz ist es egal, welche Jacke man trägt“, sagt Heuser.

Eine feste Aufsicht an den beliebtesten Badestellen, etwa am Rotter See in Troisdorf, stellt die DLRG bislang nicht. „Die Stadt toleriert das Baden, kann aber keine Aufsichtspersonen bereitstellen“, heißt es von Seiten der Stadt. Dort gilt wie an anderen Gewässern im Kreis: „Baden auf eigene Gefahr.“ Einen ausgewiesenen Badesee gibt es im Rhein-Sieg-Kreis nicht. Generell verboten ist das Baden in Sieg und Agger, ausgenommen sind freigegebene „gewässernahe Erholungsbereiche“.

Die Retter, die von der zentralen Rettungsleitstelle alarmiert werden und von Zuhause oder von ihrem Arbeitsplatz aus zu einem Einsatz aufbrechen, benötigen in der Regel einige Minuten, bis sie vor Ort sind. „Es gibt häufig Einsätze, da stellt man sich auf das Schlimmste ein – also auch eine Person nur noch tot bergen zu können“, so Stephan Halm, Sprecher der DLRG Rhein-Sieg. Bei Rettungsaktionen zählen Sekunden. Die Stadt Troisdorf weist daher darauf hin, beim Parken am Rotter See unbedingt die Straßenverkehrsregeln zu beachten. Im vergangenen Jahr ertranken in NRW insgesamt 55 Personen, deutschlandweit waren es laut DLRG mindestens 404 Personen. 756 Menschen konnten die Rettungsschwimmer laut Angaben des Vereins vor dem Ertrinken retten.

Rhein und Rotter See bilden Einsatzschwerpunkte

Als besonders gefährlich gelten Binnengewässer wie Badeseen, vor allem aber Flüsse. „Hier bei uns birgt ohne Frage der Rhein die meisten Gefahren“, sagt Halm. Der Rhein sei in den vergangenen 150 Jahren speziell für die Berufsschifffahrt ausgebaut worden. Das mache ihn für normale Schwimmer extrem gefährlich. „Zum Vergleich: Niemand würde sein Kind auf dem Standstreifen der A 3 spielen lassen, über den Rhein geht ungefähr der gleiche Güterumsatz“, so Heuser. Aber auch der Rotter See zählt zu den Einsatzschwerpunkten – „das ergibt sich schon aufgrund der hohen Frequentierung des Sees im Sommer“.

An Flüssen und Seen lauern gleich eine ganze Reihe von Gefahren. Dazu zählen natürliche Risiken wie Temperaturunterschiede, Pflanzenbewuchs, steil abfallende Ufer, Gefahren wie Glasscherben und anderer Unrat im Wasser. Allerdings: „Die meisten Ertrinkungsunfälle, die wir haben, resultieren aus Selbstüberschätzung einerseits und mangelndem Schwimmvermögen andererseits“, sagt Heuser. Immer häufiger sind es gerade junge Menschen unter 25, die bei Badeunfällen ums Leben kommen. Heuser: „In den 90er Jahren erreichten etwa 90 Prozent der Viertklässler das Schwimmabzeichen in Bronze.

Diese Zahl ist drastisch zurückgegangen.“ Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2017 besaßen nur rund 40 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen ein Jugendschwimmabzeichen. „Dadurch, dass immer mehr Bäder, vor allem auch kleinere Lehrschwimmbecken, geschlossen werden, wird weniger Schwimmunterricht angeboten“, so Heuser. Ob Bäder in Oberpleis, Bad Honnef, Troisdorf – Gleiches lasse sich in jüngerer Vergangenheit im Kreis beobachten.

Rund 5000 Mitglieder zählt die DLRG im rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis, verteilt auf elf Ortsgruppen. Anders als viele andere Organisationen gebe es beim Nachwuchs bislang keine Probleme. „Wir haben den Vorteil, dass sich viele Kinder und Jugendliche aus der Schwimmausbildung heraus auch für den Rettungsschwimmer interessieren und so später auch an Einsätze herangeführt werden“, sagt Bruno Schöneberg, Bezirksleiter der DLRG Rhein-Sieg. Finanziert wird die Arbeit der Helfer zum größten Teil aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Land und Kreis unterstützten die Arbeit des Vereins mit weniger als 5000 Euro im Jahr, so Heuser. „Wir sind derzeit in Gesprächen mit dem Kreis und hoffen, da weitere Mittel zu erschließen.“

Die Schwimmkurse der DLRG starten wieder nach den Schulferien. Zeiten und Anmeldungen auf den Internetseiten der DLRG-Ortsgruppen. Mehr Informationen auch unter /bez-rhein-sieg.dlrg.de