Deutsch-Japanischen Gesellschaft Siegburg

Claudia Bjelke-Holtermann fördert den Austausch mit dem Inselstaat

SIEGBURG. Claudia Bjelke-Holtermann ist von Japan fasziniert. Seit sie das erste Mal den asiatischen Inselstaat bereist hat, begeistert sie die Landschaft, die Kultur, die Freundlichkeit der Menschen dort. So sitzt die heute 74-Jährige seit 1999 der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Siegburg vor und wird nicht müde, für den Austausch zwischen Japan und Deutschland zu werben.

Im kommenden Jahr feiert der Verein sein 20-jähriges Bestehen. Bis dahin wird es wieder Besuch aus Japan gegeben haben, auf den sich Bjelke-Holtermann jetzt schon freut. "Wenn ich nach Japan komme, fühle ich mich sofort wie zu Hause", erzählt sie. Sie liebt die Rituale, die anstehen, sobald sie zum Haus eines befreundeten Paares kommt: "Zuerst einmal ziehe ich meine Schuhe aus, auch die Strümpfe." Die erste Stufe zum Eingang des Hauses sei höher als die anderen, das habe auch eine symbolische Bedeutung. "Dann trete ich sein und sage nur: Tadaimo. Das heiß soviel wie: Hallo Freunde, ich bin wieder da."

Drinnen empfängt sie neben dem Paar eine heute 82-jährige Dame, die sie seit fast 20 Jahren kennt. "Wir haben jedes Mal Tränen in den Augen, wenn wir uns sehen. Es ist eine so schöne Atmosphäre." Dann gibt es Tee, vielleicht später Kobé-Rind, das Bjelke-Holtermann so mag. "Auch gebratener Fisch zum Frühstück schmeckt prima." Der Japaner, so sagt sie, könne kaum allein sein. Er ruhe aber auch in sich, wenn viele Menschen - für europäischen Geschmack vielleicht zu viele Menschen - um ihn herum seien.

Die Wurzeln für die Siegburger Brücke zwischen den beiden Staaten legte 1994 Peter Quadt. Der Landwirt aus Siegburg hatte Ende der 60er Jahre auf einem Versuchsgut in der Präfektur Akita ein japanisches Paar kennengelernt und Freundschaft mit diesem geschlossen. Gemeinsam mit Eltern der ersten deutschen Schülergruppe, die die Siegburger Partnerstadt Yuzawa besucht hatten, gründete er im Haus des Siegburgers Aloys Gilliam die Deutsch-Japanische Gesellschaft. "Familie Quadt wohnte in direkter Nachbarschaft zu uns", erzählte Iris Lindenberg, stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft. Seit 1974 verbindet sie daher mit Japan mehr als Kaiser, Sushi und Autos: "Quadt organisierte schon vor der Gründung der Gesellschaft den Landfrauenaustausch. Wir haben uns mit Händen und Füßen verständigt, das klappte wunderbar."

Den vielen Schülern vom Anno-Gymnasium, aber auch vom Gymnasium Alleestraße und anderen Schulen, die seit 1994 auf Vermittlung der Gesellschaft nach Japan fliegen, gehe es ähnlich. "Aber die Kinder und Jugendlichen sprechen ja alle bestens Englisch, genau wie die Japaner. Das ist heute kein Problem mehr." Durchweg seien die jungen Gäste schwer beeindruckt. "Die merken einfach, dass es eine andere Welt ist, auf die es sich einzulassen lohnt", meint Bjelke-Holtermann.

Leider seien die Reisen nicht für alle zu bezahlen, die gerne mitfahren würden, der Verein selbst ist ebenfalls auf Spenden angewiesen. "Dabei ist das ein Land, das jeder einmal gesehen haben sollte. Wenn es sein muss, gehe ich darum für die Kinder auch mal Klinken putzten", sagt die agile 74-Jährige. Zum Schwerpunkt "Schülerbegegnung" kam 1996 die zweite große Aufgabe, die Kulturarbeit zu japanischen Themen. "Gerade war auf unsere Einladung Kenji Kamino vom Deutsch-Japanischen Freundschaftskreis Hannover-Hiroshima-Yokokai in Siegburg und hielt einen Bildervortrag, in dem es um die japanischen Gottheiten ging.

Ab Montag, 17. Juni, zum Beispiel sind im Siegburger Stadtmuseum Japanische Kreisel zu sehen", erzählt Lindenberg. Peter und Aya Puster stellten Teile ihrer außergewöhnlichen Sammlung zur Verfügung. "Japanische Kreisel sind nicht mit denen zu vergleichen, die wir kennen. Bei diesen Kunstwerken drehen sich oft mehrere Schichten übereinander und in entgegengesetzte Richtungen. Sogar sogenannte Kampfkreisel gibt es." Am Samstag, 29. Juni, findet im Museum ab 14 Uhr ein Workshop zum Kreiselbasteln für jedermann statt.

Natürlich hat Bjelke-Holtermann auch einen solchen Kreisel. Aber vor allem hat sie eine Menge Daruma: "Das sind kleine japanische Glücksgötter, die man ohne Augen geschenkt bekommt. Hat man einen Wunsch, malt man dem Daruma ein Auge. Erst, wenn der Wunsch sich erfüllt hat, darf man das zweite Auge malen. Als ich das letzte Mal in Japan war, stand ein solch einäugiger Daruma bei meinen Freunden - und ein anderer einäugiger bei mir zu Hause."

Der Verein:
1994 gegründet hat die Deutsch-Japanische Gesellschaft Siegburg heute 153 Mitglieder. Ihre Aufgabe ist neben der Organisation von Schülerbegegnungen die Kulturarbeit zu japanischen Themen. Unterstützung bekommt sie unter anderem von der Stadt Siegburg und dem japanischen Kulturinstitut Köln. Die Vorsitzende der Gesellschaft, Claudia Bjelke-Holtermann, erhielt 2009 den "Orden der aufgehenden Sonne, goldene und silberne Strahlen". Mehr Infos www.djg-siegburg.de.