Beratung für Rückkehr in die Heimat

Caritas unterstützt Geflüchtete bei Rückkehr

RHEIN-SIEG-KREIS. Der Caritasverband des Rhein-Sieg-Kreises berät seit einem Jahr Geflüchtete, die in ihre Heimat zurückkehren wollen. Knapp 40 Menschen konnten so einen Neuanfang in ihrem Heimatland starten.

Seit drei Jahren lebt die Familie in Flüchtlingsunterkünften, ein Ende ihres Asylverfahrens ist nicht in Sicht. Eine Situation, die der Vater seinen drei minderjährigen Töchtern nicht mehr länger zumuten möchte. Daher will die Familie nun in ihre russische Heimat zurückkehren, die sie aus gesundheitlichen Gründen verlassen hat. Auf dem Weg zurück helfen ihr Esther von Tottleben und Paulina Logroño. Sie arbeiten seit einem Jahr für die Ausreise- und Perspektivberatung des Caritasverbands Rhein-Sieg. Ein Programm, das über Mittel des Landes Nordrhein-Westfalen finanziert wird.

„Viele, die uns aufsuchen, sind unfassbar verzweifelt“, sagt Esther von Tottleben. Die Gründe für eine Ausreise seien so heterogen wie die Herkunftsländer. Meist seien es strukturelle Zwänge, die Menschen aus Ländern wie Irak, Afghanistan, Rumänien, Indien oder Russland über eine Rückkehr in die Heimat, aus der sie fliehen mussten, nachdenken lassen: Neben einer fehlenden Perspektive im Asylverfahren sei das in den überwiegenden Fällen die Situation zurückgelassener oder kranker Familienmitglieder.

„Unsere Beratung ist freiwillig und ergebnisoffen und wir arbeiten unabhängig von der Ausländerbehörde“, betont Kirsten Liebmann, die den Caritas-Fachbereich Integration und Migration leitet. Es werde niemand zur Ausreise überredet. Es gehe vielmehr darum, Menschen, die zurückkehren wollen, dabei zu begleiten, sie zu unterstützen, die Rückreise selbstbestimmt zu gestalten, und ihnen eine neue Perspektive zu geben.

Lieber freiwillig gehen, als abgeschoben werden

„Die Angst vor einer Abschiebung ist bei vielen groß“, sagt Paulina Logroño, die im Meckenheimer „Fronhof“ im Einsatz ist. Nicht wenige würden mitten in der Nacht von der Polizei abgeholt, ergänzt von Tottleben, die im Siegburger Caritashaus erreichbar ist. Die Ungewissheit hielten viele nicht aus und gingen daher freiwillig. „Damit können sie ihre Reise aber auch planen und den Wiederanfang in der Heimat vorbereiten“, hebt Logroño hervor. Angefangen damit, dass sie Angehörigen sagen können, wann sie wo ankommen.

Doch schon die für die Ausreise nötigen Papiere zu besorgen, erfordere Zeit und Geduld. „Das Schnellstmögliche sind drei Wochen, es können aber auch vier Monate vergehen“, sagt von Tottleben. Die Sozialarbeiterinnen helfen dabei, Pässe, Geburtsurkunden, Zeugnisse, Aufenthaltstitel und Arztbriefe zu beschaffen. Und vor allem entwickeln sie zusammen mit ihren Klienten eine neue Perspektive für das Leben in den Herkunftsländern. Wie etwa bei dem Mann aus Marokko, der als Hühnerzüchter neu starten wollte. „Wir haben ihm einen Coach vermittelt, der mit ihm geplant hat“, sagt von Tottleben.

Unterstützung finden sie auch bei sogenannten Reintegrations-Scouts, die es in jedem Bundesland gibt. Für Sachleistungen stünden zudem verschiedene Fördertöpfe zur Verfügung – etwa für den Flug.

Beratung ist auf ein Jahr befristet

Die beiden Beraterinnen teilen sich ihre Stelle im Caritasverband. Das Landesprogramm ist zunächst auf ein weiteres Jahr befristet. „Wir hoffen, dass es 2020 weitergeht“, sagt Liebmann. Es sei gut angelaufen. „Andere freie Träger und die Kommunen leiten Menschen an uns weiter“, sagt von Tottleben, die einmal die Woche zusammen mit ihrer Kollegin auch in die Zentrale Unterbringungseinheit (ZUE) des Landes in Sankt Augustin geht.

200 Beratungsgespräche haben sie bislang geführt und dabei 40 Familien oder Einzelpersonen unterstützt. Bis auf einen Mann seien alle Beratenen inzwischen ausgereist. „Wir sind mit vielen weiterhin per E-Mail in Kontakt“, sagt Logroño. „Sie melden, dass sie gut angekommen und froh sind, dass ihnen die Erfahrung einer Abschiebung erspart geblieben ist.“