Landrat äußert Kritik an Südtangente

CDU fordert sachliche Diskussion ohne Denkverbot

RHEIN-SIEG-KREIS. Im Rhein-Sieg-Kreis ist die Diskussion über die Südtangente neu entflammt. Hintergrund sind Äußerungen von Landrat Sebastian Schuster, der zuletzt die Lösung der regionalen Verkehrsprobleme angemahnt hatte - auch vor dem Hintergrund des Wegzugs der Zurich-Versicherungsgruppe von Bonn nach Köln.

Das stieß beim Verein Lebenswerte Siebengebirgsregion, aber auch bei den Rhein-Sieg-Linken auf Kritik. Die CDU-Kreistagsfraktion nahm Schuster deshalb jetzt in Schutz und forderte eine sachliche Debatte. Die Südtangente - bestehend aus Venusbergtunnel und Ennertaufstieg - wurde 2003 aus dem Bundesverkehrswegeplan gestrichen. Allerdings wird auf Bundesebene die Wiederaufnahme geprüft. Das Thema entzweit den Kreis und die Stadt Bonn.

Wie sein Vorgänger Frithjof Kühn forderte Schuster unlängst die Bundesstadt auf, ihre ablehnende Haltung zu überdenken. Vor dem Hintergrund des Wegzugs von Haribo und Zurich aus Bonn müsse das Hauptaugenmerk auf die Verkehrsinfrastruktur in der Region gelegt werden, mahnte er.

Ohne Südtangente - das ist die Sorge des Kreises - könnte der Wirtschaftsstandort Bonn auch dauerhaft Schaden nehmen. Der Verein Lebenswerte Siebengebirgsregion, der gegen die Südtangente kämpft, warf Schuster postwendend einen "Konfrontationskurs" gegenüber Bonn vor. Auch die Linken kritisierten Schuster. "Eine Verbindung zwischen dem Umzug der Zurich-Gruppe und der Südtangente existiert offenbar nicht", erklärte Frank Kemper, verkehrspolitischer Sprecher der Linken im Kreistag. "Verkehrspolitisch will der Landrat 300 Millionen Euro für eine Straße investieren, die keine Verkehrsprobleme im Rhein-Sieg-Kreis löst, sondern bestenfalls Bonner Probleme", so Kemper.

Die CDU-Kreistagsfraktion indes forderte einen sachlichen Umgang mit dem Thema. "Wir erwarten zu Recht von unserem Landrat, dass er sich im besonderen Maße um die Standortqualität der Region kümmert", sagte der verkehrspolitische Sprecher Oliver Krauß.

Es sei deshalb richtig, sich mit den verschiedenen Lösungsmöglichkeiten für Verkehrsprobleme zu befassen. "Ich habe allerdings auch bereits die Erfahrung machen müssen, dass eine sachliche Diskussion über die verschiedenen Alternativen oft nicht mehr möglich ist, sobald die Tabubegriffe Südtangente, Venusbergtunnel oder Ennertaufstieg fallen", so Krauß, der sich ein "breites Bürgerbeteiligungsverfahren mit Bürgern des Kreises" zum Thema Verkehrsentlastung vorstellen könnte. Es dürfe jedoch keine "Denkverbote" geben.