Honig von 20 Völkern

Bienengarten auf dem Michaelsberg in Siegburg eingesegnet

Nach dem Benediktinermönch Bruder Adam ist der Bienengarten benannt. Pater Shaji Antony Pankal segnet ihn.

Nach dem Benediktinermönch Bruder Adam ist der Bienengarten benannt. Pater Shaji Antony Pankal segnet ihn.

Siegburg. Mit dem Katholisch-Sozialen Institut sind auch die Bienen auf dem Siegburger Michaelsberg eingezogen. Am Mittwoch wurde der dortige Bienengarten eingesegnet.

Nur einzelne Bienen zeigen sich rund um die Kisten im Südpark des Katholisch-Sozialen Instituts (KSI). Es ist noch nicht ihre Zeit, die beginnt erst in mehr als einem Monat. Dann schwärmen sie vom Michaelsberg aus, um Nektar zu sammeln – im reichen Blütenangebot am Berg oder in den Siegburger Gärten.

„Wenn ich Biene wäre, das wäre der ideale Ort für mich“, sagt Stefan Weirich. Der Fachmann von der Katholischen Stadtimkerei Köln kümmert sich seit einem Jahr gemeinsam mit Ralf Heipmann von der Domimkerei auf dem Michaelsberg um 20 Bienenstöcke. Seit Mittwoch hat der „ideale Ort für Bienen“ auch einen Namen. Das KSI ließ seinen „Bruder Adam Bienengarten“ segnen und das passende Schild enthüllen.

„Bis vor anderthalb Jahren wusste ich nichts über Bienen“, gesteht KSI-Geschäftsführer Roberto Rosso. Zum Ende der Bauzeit an der ehemaligen Benediktinerabtei habe es dann vermehrt Anfragen von Imkern gegeben, die Bienenvölker auf dem Michaelsberg ansiedeln wollten. „Irgendwann wollten wir wissen, warum dieser Standort so interessant ist“, so Rosso.

Die Antwort

Die Antwort lieferten ihm Stefan Weirich und Ralf Heipmann. „Bei unserem ersten Besuch war alles zugewildert, und wir haben eine wahre Blütenpracht von 150 Arten entdeckt“, schwärmt Weirich. Die Artenvielfalt sei immer noch gegeben, auch wenn der Südpark inzwischen kein verwilderter Garten mehr sei. „Auf dem Berg ist der Tisch vom Frühjahr bis weit in den Herbst reich für Bienen gedeckt“, sagt Weirich. Nahrungskonkurrenz zu den auf dem Berg lebenden Wildbienen sei nicht zu befürchten.

Es ist eine Rückkehr der Insekten, ist sich der Kölner Stadtimker sicher. „Der Orden der Benediktiner hat über Jahrhunderte das Wissen um die Bienenhaltung gepflegt und gefördert.“ Da habe es in der fast tausendjährigen Geschichte der Siegburger Abtei gewiss einst Imker auf dem Michaelsberg gegeben. Die Einsegnung des Bienengartens sei daher ein höchst symbolischer Akt – just am Todestag des heiligen Benedikt.

Bruder Adam, der Namensgeber des Gartens, war ein benediktinischer Mönch, der mit der Buckfastbiene ungeachtet von Vereinsdenken und Ländergrenzen eine neue erbfeste Bienenart gezüchtet und damit die Bienenzucht weltweit verändert hat. „Er leitete als erster Imker die Offenlegung aller Zuchtergebnisse ein“, so Weirich. „Wir arbeiten mit dem züchterischen Erbe von Bruder Adam weiter.“ Das zu bewahren sei ein großes Anliegen.

Bis zu 80.000 Bienen

30.000 bis 80.000 Buckfastbienen leben nun in jeder der insgesamt 20 Kisten auf dem Michaelsberg. Während Pater Shaji Antony Pankal, der Hausgeistliche des KSI, diese mit Weihwasser segnet, rühren sich die fleißigen Bewohner nicht. „Es ist ihnen zu kalt“, sagt Ralf Heipmann. Dennoch macht er zur Feier des Tages eine Ausnahme und öffnet eine der Kisten. Er zieht eine Beute aus dem Stock – und die ist dicht besiedelt mit Bienen.

Damit das so bleibt entzündet Weirich seinen Smoker. Rauch steigt auf und mit ihm der Duft nach Lavendel, Heu und Weihrauch. „Der Rauch simuliert einen Waldbrand, die Bienen saugen sich mit Honig voll und werden dadurch träge“, erklärt Niels Dietrich vom Landesverband der Buckfastimker. Die Viertklässler der Hans-Alfred-Keller Schule sind begeistert. Sie sind die Ersten, die die Stöcke in Augenschein nehmen dürfen. Normalerweise sind sie nicht öffentlich zugänglich.

„Mit unserem hauseigenen Bienengarten setzen wir ein Zeichen für die Nachhaltigkeit“, sagt KSI-Direktor Ralph Bergold. Der kirchlichen Bildungseinrichtung und dem Tagungshaus sei es ein Anliegen, für die Bewahrung der Schöpfung einzutreten. „Bienen sind ein Indikator für den Umgang mit der Natur“, erklärt Ralf Heipmann. Und das drittwichtigste Nutztier. Vor allem wegen der Bestäubung.

„Hier haben wir eine Traumsituation für Bienen“, zeigt sich Stefan Weirich begeistert. Der Honig, den Heipmann schleudert, sei außergewöhnlich gut. 15 bis 40 Kilogramm könne ein Bienenvolk produzieren. „Siegburg schmeckt gut“, findet Weirich. Das soll bald auch jeder selbst probieren können. Denn das KSI möchte seinen Abteihonig auch verkaufen.