Junge Forum Kunst Siegburg e.V.

Beim Workshop "Heul doch" steht Spaß an erster Stelle

Spontan ein Gefühl ausdrücken: Julia Torres (l.) gibt Ratschläge.

SIEGBURG. "Heul doch" lautete der Titel eines Theaterworkshops, der in dieser Woche im Rosengarten auf dem Michaelsberg stattfand. Das Motto nahmen die vier Mädchen und drei Jungen zwischen zehn und 15 Jahren indes nicht wörtlich. Der Workshop machte ihnen offenkundig eine Menge Spaß und vermittelte ihnen zugleich die Fähigkeit, sich in Körpersprache und Mimik besser auszudrücken, in die Gefühle anderer hineinzuversetzen und selbstbewusster zu werden. Die Aufführung ist am Samstagabend.

Unter Leitung der Siegburger Schauspielerin Julia Torres beschäftigten sich die sieben Teilnehmer mit universalen Gefühlen wie Freude, Wut, Hass, Liebe, Trauer und Angst. Es ist nicht einfach, "sich gehen zu lassen", deshalb darf laut Torres jeder entscheiden, was er machen möchte und was nicht. Der Spaß steht an erster Stelle, keiner soll sich unwohl fühlen oder gar schämen.

Bei kleinen Szenen, in denen die einzelnen Emotionen umgesetzt werden, spielt nur mit, wer will, niemand wird zu etwas gezwungen. Rio (10), erstmalig dabei, graut es beispielsweise davor, einen Verliebten zu mimen. "Niemals" sagt er und schüttelt energisch den Kopf. Die Workshop-Leiterin sorgt aber auch dafür, dass die Rollen immer abwechselnd verteilt sind. Wenn etwa ein Kind ein anderes im Spiel "niedermacht", muss es auch zum Rollentausch bereit sein.

Das stellt das Gleichgewicht wieder her und die Nachwuchs-Schauspieler lernen die Sicht aus verschiedenen Perspektiven. Janina (13), die zum zweiten Mal am Workshop im Rahmen der Sommerakademie des Jungen Forums Kunst teilnimmt, berichtet von ihren Erfahrungen. "Ich habe keine Angst mehr vor Mobbing", sagt sie. In einer brenzligen Situation denkt die Realschülerin aus Siegburg: "Was habe ich bei Frau Torres gelernt, wie verhalte ich mich jetzt am besten?" Die übrigen Kursteilnehmer sind von deren Tipps genauso begeistert.

Die elfjährige Katinka wird jeden Morgen von ihrer Mutter von Neunkirchen nach Siegburg gebracht und nachmittags wieder abgeholt. "Theatererfahrung" hat die Gymnasiastin bereits bei einem Auftritt in der Grundschule gesammelt. Dennoch kann eine Auffrischung ihrer Kenntnisse in Sachen Inszenierung und Methodenrepertoire am Theater nicht schaden. Beides lernt sie in dem einwöchigen Kurs nämlich ebenfalls. Nach viel Theorie und praktischen Übungen wird zum Abschluss ein kleines Stück einstudiert.

Das Junge Forum Kunst Siegburg e.V. lädt für Samstagabend zum Abschlussfest der 16. Sommerakademie auf der Wiese oberhalb des Spielplatzes auf dem Michaelsberg ein. Beginn der Vorstellung des Theaterworkshops ist um 18 Uhr.

Ortswechsel

Die Sommerakademie findet in den kommenden Jahren wegen der Bauarbeiten an der ehemaligen Abtei nicht auf dem Michaelsberg statt. Es sei kein Abschied von Dauer, betont Martina Clasen vom Jungen Forum Kunst. Stattfinden werde die Sommerakademie weiterhin. "Wahrscheinlich geht die Gruppe nächstes Jahr aufs Deichhaus", verrät Clasen erste Zukunftspläne. Gut 200 Kinder und Jugendliche haben in den vergangenen 16 Jahren das Angebot der Sommerakademie wahrgenommen.