Mann wirft sich auf Motorhaube der Täter

Beifahrer äußert sich zu Raub auf der A3 bei Siegburg

Siegburg. Unbekannte Täter haben sich als Polizisten ausgegeben und ukrainische Reisende auf der A3 bei Siegburg beraubt. Eine Person verletzte sich beim Versuch, die Täter aufzuhalten. Die Polizei spricht von einer erbeuteten Summe im Bereich von 15.000 Euro.

Bislang unbekannte Täter haben in der Nacht zu Dienstag gegen 0.30 Uhr Reisende auf der A3 bei Siegburg überfallen und eine hohe Summe Bargeld erbeutet. Nach Angaben der Polizei fand der Überfall nahe der Raststätte Siegburg-West statt.

Drei Ukrainer aus Kiew, Igor (32), Galina (31) und Dennis (22), waren nach Angaben des Beifahrers Igor auf dem Weg von Köln in Richtung Frankfurt, um von dort weiter zu einem Festival in Italien zu fahren. Derzeit besuchen die Touristen mehrere mittelalterliche Veranstaltungen in Europa.

Auf einer Raststätte bei Solingen machten die drei Reisenden eine Pause und betankten das Fahrzeug - dort müssen die späteren Täter sie bereits beobachtet haben. Auf der Weiterfahrt hätten sie, sagte Igor dem GA später, schon den Eindruck gehabt, verfolgt zu werden.

Kurz nachdem die Ukrainer ihre Reise auf der A3 fortsetzten, forderte sie ein Mann in einem dunklen Fahrzeug per Handzeichen auf, die Spur in Richtung Seitenstreifen zu verlassen. Der Aufforderung kamen die verdutzten Reisenden nach, die Probleme mit ihrem Anhänger befürchteten.

Ein Mann stieg aus dem dahinter parkenden Auto aus und gab sich dem 32-jährigen Igor, der auch ausgestiegen war, als Polizeibeamter aus. Der Unbekannte trug eine uniformähnliche Bekleidung und sagte auf Englisch, dass er Polizist sei.

Beifahrer verfolgt Täter und wirft sich auf Motorhaube

Er bat um die Ausweise der Ukrainer. Als er hörte, dass die jungen Touristen vorher in den Niederlanden gewesen waren, durchsuchte er das Handschuhfach des VW Transporters nach Drogen, wie er ihnen erklärte. Er sagte, man werfe den Personen vor, einige Minuten zuvor beim Tanken mit Falschgeld bezahlt zu haben. Einer der Ukrainer wies auf eine Bauchtasche voller Bargeld hin, die für ein Festival in Italien benötigt würde, und zog das Geld aus der Tasche. Der falsche Polizist griff nach den Scheinen und rannte zum Auto der Täter zurück. Daraufhin verließ auch Beifahrer Igor den Kleinbus und verfolgte den Mann. Der 32-Jährige warf sich auf die Motorhaube des davon fahrenden Wagens und fuhr einige Meter mit auf der Autobahn, ehe er herunterfiel. Dabei verletzte er sich leicht. Besonders erschreckte ihn, dass nachfolgende Autos auf der Autobahn ihm zwar auswichen, aber nicht anhielten, um nach seiner Verfassung zu sehen. 

Die drei Ukrainer fuhren nach dem Überfall auf den nahe gelegenen Rastplatz Siegburg-West. Dort wurde demnach der Notruf abgesetzt. Aufgrund der Sprachbarriere musste die Polizei zunächst von einem Verkehrsunfall ausgehen, wie sie in einer Pressemitteilung schreibt. Nach einiger Zeit stellte sich für die Beamten aber heraus, dass die jungen Reisenden überfallen wurden.

Mit Dolmetscher nach Tathergang befragt

Mit Prellungen, Platz- und Schürfwunden wurde Igor in ein Krankenhaus gebracht. Seine beiden Mitfahrer besuchten die Polizeiwache in Siegburg, wo sie später gemeinsam mit einem russischen Dolmetscher nach dem Tathergang befragt wurden. Wegen ungenauer Angaben bezüglich der Täter und dem Tatfahrzeug konnte die Polizei zunächst keinen Fahndungsaufruf herausgeben.

Nach ersten Angaben der Polizei Siegburg und übereinstimmenden Angaben des 32-jährigen Beifahrers handelt es sich bei der erbeuteten Summe um 15.000 Euro. Das sind die gesamten Ersparnisse der drei Reisenden, wie Igor später sagte. Die drei Mittelalterfans setzten ihre Reise in Richtung Italien am Dienstagnachmittag trotzdem fort.

Zu den Tatverdächtigen ist bislang lediglich bekannt, dass vermutlich drei Männer in dem unauffälligen dunklen, vermutlich grauen Kleinwagen saßen. Der agierende Täter wurde als gepflegter Mann mit südeuropäischem Erscheinungsbild beschrieben. Er hatte einen dunklen Teint, kurze schwarze Haare und einen Dreitagebart.

Der sportlich wirkende Täter soll 1,75 bis 1,80 Meter groß sein und trug eine Weste, die einer schusssicheren Weste ähnelte. Zu den beiden weiteren Tätern liegt keine Beschreibung vor. Der Kleinwagen fuhr über die A3 weiter in Richtung Frankfurt. Hinweise zu den Tätern oder zu dem Fahrzeug nimmt die Polizei in Siegburg unter der Telefonnummer 02241 541-3121 entgegen.