Landwirtschaftsbericht

Bauern in der Region ziehen nach der Dürre Bilanz

Rhein-Sieg-Kreis. Landwirte in der Region ziehen Bilanz für 2018. Die Einbußen nach dem Dürresommer halten sich in Grenzen. Doch manche Sorten haben besonders unter der Hitze gelitten.

Massentierhaltung ist im Kreis kein Thema. Darum kaufen verantwortungsbewusste Verbraucher gerne bei Bauern. Die wiederum bieten ihre Produkte verstärkt direkt an, wie Johannes Westarp im Rahmen des „Situationsberichts der Landwirtschaft“ erklärte. Als Leiter des Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamtes des Rhein-Sieg-Kreises hatte er zusammen mit den Vorsitzenden der Kreisbauernschaft, der Züchterzentrale, des Pferde- und Rinderzuchtvereins, der Landfrauen und dem Geschäftsführer der Landwirtschaftskammer NRW in den Krewelshof eingeladen. Insbesondere ging es um die Auswirkungen der „Wetterkapriolen“, wie Westarp den zu heißen und zu trockenen Sommer nannte.

„Wir haben noch nie so eine extreme Witterung gehabt“, resümierte Theo Brauweiler, Vorsitzender der Kreisbauernschaft. Trotzdem halte sich der Schaden im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland noch in Grenzen. „Die Einbußen liegen zwischen 30 und 40 Prozent“, berichtete der Kreisbauernschaftsvorsitzende mit Blick auch auf die positiven Aspekte der Trockenheit. Dazu gehörte etwa das Ausbleiben vieler Pilzkrankheiten. Darüber freuten sich besonders die Winzer. Sie hatten wie die anderen Obstbauern, nur mit der aus Sudostasien eingeschleppten Kirschessigfliege zu kämpfen. Diese macht sich schnell über reife Früchte her, wie Johannes Frizen von der Züchterzentrale berichtete.

Überhaupt gab es beim Obst eine gute Ertragslage. Auch hier kaufen Verbraucher verstärkt beim Erzeuger ein. Die von Discountern wie Aldi, Lidl und anderen verordnete Uniformität der Früchte sei vielfach nicht mehr gefragt. „Ein Apfel darf nur zwischen 70 und 75 Millimeter groß sein und 49 Stück müssen genau sieben Kilo ergeben. Aber die Natur setzt andere Maßstäbe“, sagte Frizen.

Starke Einbußen bei Kartoffeln

Von Problemen mit der Trockenheit berichtete er insbesondere im Hinblick auf die Zuckerrüben, deren Blätter vertrockneten. Zudem neigen sie dazu, in Stresssituationen ihren eigenen Zucker zu verbrauchen, was den Ertrag erheblich verringert. Darum seien die Preise für die Rübenschnitzel – das Abfallprodukt ist ein wertvolles Tierfutter – „exorbitant gestiegen“. Und auch bei den Kartoffeln gab es starke Einbußen. Sie konnten nur gedeihen, wenn sie beregnet wurden. Das gleiche galt für das Gemüse. „Die Gemüsebauern schauen auf ein schlechtes Jahr 2018 zurück“, resümierte Frizen.

Nicht nur wegen des Wetters ist die Situation der rund 200 Milchviehbetriebe im Kreis weiterhin schwierig, wie der Vorsitzende der Züchterzentrale sagte. Sie litten unter anderem unter den niedrigen Milchpreisen, die zwischen 35 und 40 Cent liegen. Aber auch die Auflagen im Bereich der Gülle und der „Sickersäfte“, wie die Abwässer im Fachjargon genannt werden, stellten eine große Herausforderung dar. Zudem sei durch die Trockenheit der zweite Heuschnitt ausgefallen und die Energieleistung des Schnittguts schlechter, so Frizen. Zum Schluss appellierte er mit Blick auf den Umweltschutz, bei dem es „heute hü, morgen hott“ heiße an die Politiker: „Gebt uns Planungssicherheit in dem, was ihr uns an Spielregeln auferlegt.“

Der Geschäftsführer der Landwirtschaftskammer NRW, Ulrich Timmer, wies auf die Hilfsprogramme hin, die es für von der Trockenheit betroffene Landwirte gibt. Allerdings müsse die Existenzgefährdung nachgewiesen werden, was einen hohen bürokratischen Aufwand erfordere. Daher beantrage nur ein geringer Anteil der 1125 Landwirtschaftsbetriebe im Kreis die Förderung.

„Wir sind noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen“, fasste Brauweiler die Lage zusammen. Gemeinsam mit seinen Kollegen wies er auf das nächste große Ereignis im Krewelshof hin: die Kreistierschau am Sonntag, 16. September. Sie findet nach vierjähriger Rotationspause - der Rhein-Sieg-Kreis wechselt sich ab mit dem Kreis Mettmann sowie dem Oberbergischen und dem Rheinisch-Bergischen Kreis – wieder in Lohmar statt.