ICE-Bahnhof in Siegburg

Bahn-Experte zeigt, wo es hapert

SIEGBURG. Mit täglich 5000 Fahrgästen im Fern- und 14.000 im Nahverkehr ist der Siegburger ICE-Bahnhof einer der wichtigsten Knotenpunkte der Region. Trotzdem oder gerade deshalb ist er oft Gegenstand von Beschwerden.

Zuletzt sorgte vor allem die defekte Anzeigetafel für Ärger. Frank Heilmann aus Witterschlick ist Beisitzer im Fahrgastverband Pro Bahn Rhein-Sieg. "Siegburg hat mit dem ICE-Bahnhof einen tollen Zuganschluss bekommen", sagt er. Der Bahnhof sei für die Kreisstadt "ein Riesenstandortvorteil": "Man wohnt hier richtig schön und kann in 50 Minuten in Frankfurt am Main sein." Beim Ortstermin in Siegburg zeigt Heilmann die Schwächen und Stärken des Bahnhofs auf - und die Deutsche Bahn nimmt dazu Stellung.

Orientierung

Als erstes sieht man, dass man nichts sieht: Die große Anzeigetafel in der Ankunftshalle ist seit anderthalb Jahren kaputt, nach langem Hin und Her hat die Deutsche Bahn den Austausch für kommenden Juni angekündigt. "Mal sehen, ob sie wirklich kommt", sagt Frank Heilmann. Ein regelmäßiger Pendler brauche zwar nicht zwingend eine Anzeigetafel. "Aber der Siegburger Bahnhof ist immerhin einer der größten Fernverkehrsbahnhöfe der Region, da sollte eine funktionierende Anzeigetafel eigentlich selbstverständlich sein."

[kein Linktext vorhanden]Doch nicht nur die große Tafel, auch die sonstige Orientierung im Bahnhof lasse zu wünschen übrig, so Heilmann. "Die Wege an sich sind architektonisch gut gemacht", sagt er, "aber bei der Beschilderung hapert's." Wo geht's zum Parkhaus, wo zum Reisezentrum, wie finde ich zum Busbahnhof, an welchem Gleis fährt der ICE, und wo die Züge Richtung Köln? Augenfällige Schilder, die diese Informationen preisgeben, sucht man am Siegburger Bahnhof vergeblich.

Die schlechte Beschilderung könne zum Teil auch mit den unterschiedlichen Zuständigkeiten erklärt werden, so Heilmann: Für den Fern- und Regionalverkehr zeichnet die Bahn verantwortlich, für die Straßenbahn-Linie 66 die Stadtwerke Bonn (SWB). Da, wo die Straßenbahn abfährt, im unteren Teil des Bahnhofs, stehen zwei Vorrichtungen für An- und Abfahrtsmonitore - an einem ist der Bildschirm aus, am anderen ist gar keiner angeschlossen. Resultat: "Wer hier mit der Linie 66 ankommt und sich nicht auskennt, steht hier und weiß nicht, wie es weitergeht", sagt Frank Heilmann.

Für das 730-Plätze-Parkhaus direkt neben dem Bahnhof findet er lobende Worte: "Der Übergang vom Auto zum ICE ist optimal gelöst." Wer jedoch nicht mit dem ICE fahren wolle oder aber nicht mit dem Auto, sondern mit Bus oder Fahrrad am Bahnhof ankomme, habe größere Probleme: "Die Wege erklären sich nicht von allein und sind nicht gut beschildert."

Das sagt die Bahn: Eine Sprecherin bestätigt auf Anfrage des GA nochmals, dass Lieferung und Montage der neuen Anzeigetafel im Juni erfolgen sollen. "Das wird rund 120 000 Euro kosten." Die Monitore am Straßenbahn-Gleis würden "in Kürze" ebenfalls ersetzt. Die Beschilderung werde häufig sehr subjektiv wahrgenommen: "Pendler, und das ist die Hauptklientel in Siegburg, finden sich für gewöhnlich sehr gut zurecht", so die Sprecherin. Trotzdem werde der zuständige Bahnhofsmanager sich nun noch einmal vor Ort umschauen und gegebenenfalls nachbessern.

Service

Am Service rund ums Bahnfahren hat der Experte nicht viel auszusetzen: "Vor allem, dass das Reisenzentrum jetzt länger und auch am Wochenende geöffnet hat, ist fahrgastfreundlich." Besonders für Ältere, die ihre Tickets lieber am Schalter als am Automaten kauften, sei der Service am Wochenende wichtig. Das Speisenangebot im Bahnhof sei ausreichend, so Heilmann. Dass es eine öffentliche Toilette gibt, bewertet er auch positiv.

Das sagt die Bahn: Die neuen Zeiten im Reisezentrum gelten seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2013. "Wir haben das mit dem Zweckverband Nahverkehr Rheinland abgestimmt und auf die Kundenwünsche ausgerichtet", sagt die Sprecherin.

Bahnsteige

Hier gebe es vor allem am ICE-Bahnsteig 6 Nachbesserungsbedarf, sagt Heilmann. Dabei sei die Tatsache, dass er für einen Fernverkehrsbahnhof recht schmal sei, noch zu vernachlässigen: "Bei großem Andrang kann es sich hier schon mal knubbeln, aber das passiert in Köln öfter", sagt er. Schlimmer sei der fehlende Schutz der Reisenden vor Wind und Wetter: An Gleis 6 ist es außer im Hochsommer fast immer zugig, und wenn es regnet, prasselt der Niederschlag fast ungehindert auf die Köpfe der Wartenden.

"Die Frage ist, ob man das Dach an der linken Seite im Nachhinein etwas weiter runterziehen könnte", schlägt Heilmann vor. Alternativ könnte die Bahn eine geschlossene Schutzbox, wie man sie auch auf Gleis 3/4 findet, aufstellen.

Das sagt die Bahn: "Wir wissen, dass es an Gleis 6 manchmal zieht und auch mal feucht werden kann", sagt die Sprecherin dem GA. Darum habe die Bahn dort im Dezember sieben weitere Wetterschutzhäuschen zusätzlich zu den bereits vorhandenen vieren installiert. "Jetzt ist der Bahnsteig aus unserer Sicht ganz gut ausgestattet", so die Bahn-Sprecherin.