Stadtmuseum Siegburg

Babak Saed zeigt Installationen "DAZUZWINGTMANMICH"

Genau hinschauen müssen die Besucher von Babak Saeds Ausstellung.

SIEGBURG. Diese Ausstellung verwirrt. Worte und Satzteile in Großbuchstaben und ohne Leerzeichen hängen im Stadtmuseum an den Wänden und lassen nicht gleich ihren Sinn erkennen.

Der Künstler Babak Saed ist gebürtiger Iraner und in einem Umfeld aufgewachsen, "in dem die Schrift als Ornament Ästhetik und Bedeutung miteinander verbindet", erläutert Museumsleiterin Gundula Caspary. Werke des Künstlers, der nach eigenen Angaben eine besondere Aufmerksamkeit auf das geschriebene Wort legt und daher auf Interpunktion und Leerzeichen verzichtet, sind bis Ende April zu sehen.

Gezeigt werden Arbeiten aus Acryl, Edelstahl oder als Stickereien auf Leinwand. Das Weglassen von Leerzeichen und Interpunktion hindert den Betrachter daran, die jeweilige Botschaft im Vorbeigehen zu lesen und zu erfassen, wie man es alltäglich gewohnt ist. Das Auge bleibt hängen, stolpert förmlich über das Geschriebene.

Wort und Sprache sind grundlegend für die Kommunikation zwischen den Menschen und ihre Beziehung, die Werke Saeds Mahnung, mitzudenken und einmal die Perspektive seines Gegenübers einzunehmen, Worte und ihren Sinn zu begreifen, aufzunehmen und sich dann mit ihnen auseinanderzusetzen. Denn die Sprache diene nicht ausschließlich dem Austausch von Informationen, sondern beschreibe die Welt, in der wir leben. Je komplexer unser Sprachvermögen sei, "desto größer die Chance, die Komplexität unserer Welt zu begreifen", so Caspary.

Saeds Botschaften wie "LAUTERFRAGEN" oder "ICHBINANDEINERSTELLE" zwingen zum Nachdenken. In der Ausstellung in Siegburg verknüpft er eine Auswahl seiner aktuellen Arbeiten erstmals zu einer Installation, die den gesamten Ausstellungsraum umfasst. Die Schrift zieht sich über Wände und Boden und stellt raumübergreifende Querverbindungen her.

Eine besondere Beziehung zur Stadt hat die Installation "DerRestbleibt". Acrylreste, die beim Lasern seiner Arbeiten aus dem Material übriggeblieben sind, hat er in Beziehung zu Ausschuss von Tontöpfen gestellt, die er im Museumskeller gefunden hat und die aus archäologischen Grabungen in Siegburg stammen. Mit dieser Installation greift er das Thema Erinnern und Vergessen auf. Denn gerade in einem Museum stelle sich die Frage des Erinnerns und Vergessens, allerdings nicht die nach dem "wie lange", sondern nach dem "wie", so Saed. Das wiederum ziehe eine weitere Frage nach sich, nämlich was bewahrt oder sammelt man, was nicht.

Anlässlich der 950-Jahrfeier ist die Lichtinstallation "ICHERINNEREMICHNICHT" entstanden, die von der Kreissparkasse Köln, der Dohle-Handelsgruppe sowie dem Verein der Freunde des Stadtmuseums gesponsert wurde. Die Arbeit im Treppenhaus wirft einen weißen Schein auf die Umgebung und "kommuniziert mit ihrer Architektur", erklärt der Künstler den Standort.

Neben der Installation ist ein großes Schwarz-Weiß-Bild hinter Glas zu sehen, das die Ausgrabung von Keramikgegenständen in den 60er Jahren zeigt. In diesem Glas spiegelt sich die Installation wider und schafft eine neue Dimension. Auch hier geht es um die Frage des Erinnerns, des Bewahrens von Geschichte - die Aufgabe eines Museums.

Die Ausstellung mit Werken von Babak Saed unter dem Titel "DAZUZWINGTMANMICH" ist im Stadtmuseum Siegburg bis zum 27. April zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstags bis samstags. von 10 bis 17 Uhr, sonntags. von 10 bis 18 Uhr.