Naturschützer widersprechen Forstleuten

BUND kritisiert Abholzung von Fichten im Rhein-Sieg-Kreis

Ein Borkenkäfer kriecht über eine befallene Fichte.

Ein Borkenkäfer kriecht über eine befallene Fichte.

Rhein-Sieg-Kreis. Aus Sicht der Forstwirtschaft ist der aktuelle starke Borkenkäferbefall eine Gefahr für die heimischen Wälder. Naturschützer sehen darin jedoch eine Bereicherung. „Ökologisch ist das der totale Schub für das Gebiet“, meint Achim Baumgartner von der BUND Kreisgruppe Rhein-Sieg-Kreis.

Der heiße Sommer brachte trockene Wälder mit sich und die trockenen Wälder den Borkenkäfer. Die ausgetrockneten Fichten begünstigten den Populationszuwachs des kleinen Käfers erheblich. Aus Sicht der Forstwirtschaft ist der aktuelle Borkenkäferbefall eine Gefährdung für den Wald, denn die Tiere lassen nicht nur einzelne Bäume, sondern ganze Bestände aussterben. Für Naturschützer allerdings ist der Borkenkäfer für die Entwicklung des Waldes geradezu eine Bereicherung: Der Borkenkäferbefall sei ein Zeugnis der Selbstheilungskräfte der Natur und verwandele den Nadelforst in einen klimaangepassten Naturwald, teilte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) jetzt mit.

„Ökologisch ist das der totale Schub für das Gebiet“, meint Achim Baumgartner von der BUND Kreisgruppe Rhein-Sieg-Kreis. Die trockenen Fichten böten im Wald neue Lebensräume, die erhöhte Borkenkäferpopulation Nahrungszuwachs für die Tiere des Waldes, etwa für den Specht. „Dadurch, dass die Fichten keine Nadeln mehr haben, bekommt der Waldboden viel mehr Sonnenlicht und es stellt sich eine Naturverjüngung ein“, so Baumgartner. Auch die Borkenkäferpopulation gehe in einem solchen Verlauf von selbst zurück.

Dass die Forstwirtschaft seit dem erhöhten Borkenkäferbefall nicht nur einzelne Bäume, sondern ganze Hektar Wald kahlschlägt, damit möglichst viele Käfer zusammen mit dem Holz den Wald verlassen, ist laut Baumgartner gegenläufig zu dieser ökologischen Entwicklung. „Es geht auch um den Schutz des Bodens, der zu wenig beachtet wird. Durch das Befahren des Waldbodens wird die Wasserspeicherfähigkeit zerstört und das Austrocknen der Bäume gefördert“, erklärt Achim Baumgartner.

Aus Sicht des BUND Rhein-Sieg-Kreis sei zu prüfen, inwiefern die Fortwirtschaft Gefahr läuft, in Fauna-Flora-Habitat-Gebieten (FFH), wie etwa dem Naafbachtal, gegen rechtliche Vorschriften zu verstoßen. Das Räumen von Flächen mit Käferbefall müsse daher nach Vorgaben des Europäischen Gerichtshofs im Rahmen einer FFH-Verträglichkeitsprüfung kritisch hinterfragt werden, so fordert es der BUND Rhein-Sieg-Kreis.

Die Forstwirtschaft sieht für diese Forderung keine Grundlage: „Eine Wiederaufforstung ist auch im Sinn des Naturschutzes eine absolut sinnvolle Sache. Deshalb werden heimische Eichen aufgeforstet, die wiederum Lebensraumtypen werden“, so Uwe Schölmerich, Leiter des Regionalforstamts Rhein-Sieg-Erft in Eitorf. Der Kahlschlag der betroffenen Fichten werde außerdem so vorgenommen, dass Lebensräume und Waldböden nicht mehr Schaden als nötig nähmen. Es handele sich höchstens um Einzelfälle. Vielmehr könnten in Waldgebieten mit Gehwegen die umfallenden Fichten sogar für Fußgänger gefährlich werden.

Starker Befall betrifft vor allem den Bonner Kottenforst, das Vorgebirge oder das Naafbachtal. Die Population der Borkenkäfer sei so ausgedehnt wie seit 1947 nicht mehr, so Schölmerich.