Fluglärm am Airport Köln/Bonn

Bürger erheben Einwände gegen den Flughafen-Ausbau

Siegburg. Tausende Menschen im Umfeld des Köln/Bonner Flughafens sind ständig Belastungen durch Fluglärm ausgesetzt. Am Dienstag machten viele ihrem Ärger Luft.

Landschaftlich reizvoll sind sie ohne Zweifel, die Siegburger Höhenorte Braschoß und Schneffelrath. Doch so richtig können Erholungssuchende und vor allem Anwohner die Idylle nicht genießen. Über der nahe gelegenen Wahnbachtalsperre sind die Flugrouten landender und startender Maschinen vom Flughafen Köln/Bonn gebündelt. Und das sorgt rund um die Uhr für Fluglärm – ein Thema, das Tausende im Einzugsgebiet des Flughafens belastet. Bürger aus Schneffelrath und Braschoß haben am Dienstag ihrem Unmut Luft gemacht. Sie übergaben 220 Einwendungen gegen den geplanten Airport-Ausbau des Flughafens an die Lärmschutzgemeinschaft (LSG) Flughafen Köln/Bonn.

Wie berichtet, musste der Flughafen aufgrund eines – von der LSG erstrittenen – Urteils des Bundesverwaltungsgerichts ein Planfeststellungsverfahren beantragen. So will der Airport eine bestehende Vorfelderweiterung sowie künftige Um- und Ausbauten an den Flughafengebäuden rechtlich absichern. Laut Flughafen geht es dabei nur um die Optimierung von Betriebsabläufen, doch Kritiker befürchten, dass Flugverkehr und Lärm – insbesondere nachts – weiter zunehmen.

Es ist das erste Mal, dass sich der stark gewachsene Airport einem Planfeststellungsverfahren stellen muss – und damit auch das erste Mal, dass die Öffentlichkeit bei einer Erweiterung des Flughafens beteiligt wird. Deshalb verweisen die LSG und lärmgeplagte Kommunen wie Siegburg, Hennef und Lohmar auf die Möglichkeit, Einwendungen einzureichen. Diese müssen bis 19. Dezember bei der zuständigen Bezirksregierung Düsseldorf vorliegen.

"Stille Nacht" statt Fluglärm

Vertreter der LSG wollen die Schreiben dort persönlich abgeben, darunter auch die vielen Einwendungen aus Schneffelrath und Braschoß. In Form eines Weihnachtsgeschenks übergaben die Bürger sie an den LSG-Vorsitzenden Albert Müller. Es ist das Ergebnis einer konzertierten Aktion, die das Ehepaar Kornelia und Georg Weicherding mit Birgit Neumann und Karl-Josef Schneider auf die Beine gestellt hat. Sie zogen von Haus zu Haus und führten Gespräche. „Für das Weihnachtsfest wünschen wir uns, dass wir nicht nur 'Stille Nacht' singen, sondern auch eine stille Nacht frei von Fluglärm haben werden“, sagte Georg Weicherding, der die Siegburger Höhenorte als „Hotspot des Fluglärms“ bezeichnete.

Das sei wenig schmeichelhaft. „Unsere täglichen leidvollen Erfahrungen bestätigen jedoch die Richtigkeit dieser Aussage.“ Er überreichte insgesamt 220 Einwendungen – allein 95 davon in Form von persönlichen mehrseitigen Schreiben und 125 in Form von Unterschriftenlisten. Braschoß und Schneffelrath haben zusammen nur ein paar hundert Einwohner.

Wie der stellvertretende LSG-Vorsitzende Manfred Stößer mitteilte, liegen dem Verein bereits 500 formale Einwendungen zum Planfeststellungsverfahren vor. Außerdem sammelte der Verein bis Dienstagabend bereits rund 10 000 Unterschriften, ergänzte Helmut Schumacher von der LSG. „Das wird längst nicht alles sein. Viele Bürger wenden sich direkt an die Bezirksregierung Düsseldorf“, so Stößer.

Weicherding sieht nicht zuletzt die Politik in der Verantwortung. „Dem Flughafenmanagement muss klargemacht werden, dass man auf Dauer seinen wirtschaftlichen Erfolg nicht auf Kosten der Gesundheit, der Lebensqualität und zum wirtschaftlichen Schaden der im Einzugsbereich lebenden Bürger erzielen kann.“

Mehr zu den Plänen des Flughafens: www.vm.nrw.de/verkehr/luftverkehr/Planung und www.fluglaerm-koeln-bonn.de