Ratsbürgerentscheid Siegburg

Architekt plädiert für Erhalt seines Rathauses

Peter Busmann ist der Architekt des Siegburger Rathauses: Er wünscht sich, dass es wieder einen lebendigen Vorplatz bekommt, so wie er es ursprünglich geplant hatte.

Peter Busmann ist der Architekt des Siegburger Rathauses: Er wünscht sich, dass es wieder einen lebendigen Vorplatz bekommt, so wie er es ursprünglich geplant hatte.

Siegburg. Der Kölner Architekt Peter Busmann hat den Siegburger Verwaltungssitz Anfang der 1960er Jahre entworfen. Bei einer Sanierung müssten die Siegburger ihn als Urheber einbeziehen, im Fall eines Abriss muss er nicht gefragt werden.

Nein, verbittert ist er nicht. „Es ist aber nach wie vor schmerzlich, dass man den Wert des Rathauses nicht erkannt und geschätzt hat“, sagt Peter Busmann. Der Plan in seiner Hand zeigt seine Idee von einem Rathaus, mit der er 1962 im Architektur-Wettbewerb die Siegburger überzeugt hatte. Mit viel Transparenz, Freiraum, orientiert am Bedürfnis der Bürger und als Abschluss eines kleinen Platzes. Das Gebäude gleicht auch 50 Jahre nach seiner Einweihung noch dem Plan, den Platz gibt es aber nicht mehr. „Man hat meine Idee mit Füßen getreten“, erklärt der 85-Jährige, warum das Rathaus sein einziger Bau in Siegburg geblieben ist. Inzwischen schließt der Architekt eine Zusammenarbeit mit der Stadt aber nicht mehr aus. Zu der kommt es, wenn sich die Siegburger im Ratsbürgerentscheid für eine Sanierung des Rathauses aussprechen.

„Es ist schon grotesk, bei einer Sanierung oder Veränderung muss der Urheber eines Gebäudes gefragt werden, beim Abriss nicht“, sagt Busmann, der unter anderem die Kölner Philharmonie entworfen hat. Bislang sei noch kein von ihm geplantes Gebäude abgerissen worden, saniert und erweitert habe er schon einige. Anders als die anderen Bewerber habe er in Siegburg nicht in die Höhe sondern in die Weite gedacht. Zu seinem Konzept steht er noch heute: „Ohne die Piazzetta parallel zum Marktplatz kann das Rathaus aber nicht wirken“, so der renommierte Kölner Architekt.

Dass Politik und Verwaltung ohne Rücksprache mit ihm zuerst den vorderen Grundstücksteil verkauft, dann den Bau einer Parkgarage und später eine Wohnbebauung zugelassen hätten, ärgere ihn noch heute: „Ich war noch jung, hätte ich damals die Erfahrung von heute gehabt, hätte ich alles versucht, um das zu verhindern.“

Damals schwor er sich, nie wieder etwas für die Stadt zu bauen. Daran hat er sich bis heute gehalten. Erst als sich vor acht Jahren Siegburger im Zuge der ECE-Diskussion für den Erhalt seines Rathauses stark machten, sei sein Interesse wieder erwacht. „Ich sah, die Siegburger schätzen mein Werk wieder, da war ich dann auch wieder dabei“, so Busmann. Er unterstützte die Bürgerinitiative Siegburg 2010, die über ein Bürgerbegehren einen Bürgerentscheid erreicht hatten. Mit Erfolg, das Rathaus blieb, eine große Einkaufsgalerie wurde nicht gebaut.

Architekt spricht sich für eine Sanierung aus

Vom dem nun anstehenden Ratsbürgerentscheid, der über Sanierung oder Neubau entscheiden soll, erfuhr der Architekt aus den Nachrichten. Er plädiert für eine Sanierung: „Warum sollte man etwas, das lebendig ist, töten, statt es in Würde altern zu lassen“, sagt Busmann, der in Bornheim lebt. „Die Situation heute ist eine andere als vor acht Jahren, die Bürger sind sehr gut informiert“, findet der Architekt. Er habe große Achtung vor der seriösen und sorgfältigen Arbeit der Verwaltung. Inzwischen habe es persönliche Gespräche gegeben. „Die jetzigen Leute sind nicht mehr verantwortlich für die Entscheidungen von damals“, so Busmann. Auch mit dem beauftragten Architekten Klaus H. Petersen sei er in Kontakt: „Er hat den Siegburgern die Augen für die Qualität meines Rathauses geöffnet“, sagt der 85-Jährige. Und in seinen Berechnungen alle Indizierungen berücksichtigt, was seine Kostenschätzung von knapp 19 Millionen Euro realistisch mache.

Ideen, wie auch der heutige Nogenter Platz wieder mehr einer Piazzetta gleichen kann, hat Busmann: „Es würde schon genügen, einen großen Baum auf den Platz zu pflanzen.“ Den Charakter des Rathauses würde er grundsätzlich beibehalten, aber die Fassade so verändern, dass sie eine Antwort auf die Sichtschneise vom Markt aus gibt. „Und im Innenraum würde ich wieder die Blickachse auf Michaelsberg und Servatiuskirche herstellen, die sich durch das Gebäude zog“, so Busmann. Nachträglich eingezogene Wände hätten die unterbrochen.

Sein Modell des Siegburger Rathauses hat Busmann trotz allem über Jahre bewahrt, bis zum März 2009. Da versank es zusammen mit den meisten Modellen seines Architekturbüros unter den Trümmern des eingestürzten Kölner Stadtarchivs. Was die Zukunft des Originals betrifft, ist sein Urheber positiv gestimmt: „Ich hoffe, dass sich die Siegburger nicht von oberflächlichen Eindrücken täuschen lassen und die Argumente für den Erhalt des Rathauses auch ankommen.“