Stadtmuseum in Siegburg

Anna Zlotovskaya spielt die erste Geige

Im Scheinwerferlicht: Anna Zlotovskaya, umrahmt von HA-Schult-Bildern, vor dem Siegburger Stadtmuseum.

SIEGBURG. Eigentlich wollte er nur seine Dankbarkeit über einen gelungenen Konzertabend zum Ausdruck bringen. Und eigentlich wollte er sich auch nur kurz einmal zu Wort melden und zur anschließenden Signierstunde seines Kataloges einladen. Aber kurz geht bei HA Schult nicht.

So holte er also aus, streifte Lokal- und Weltpolitik, freute sich über die politische Wirkung seiner Werke, plauderte über Gott und die Welt und kam dann zu dem, was die Zuhörer auf dem Marktplatz eigentlich umhertreibt: der Auftritt von Anna Zlotovskaya, mit der der Künstler seit fünf Jahren verheiratet ist. Verliebt sei er in sie, "nicht, weil sie Musikerin ist, sondern, weil sie meine Frau ist".

Nicht der einzige Grund zum Schwärmen: "So ein schöner Abend, so eine schöne Stadt, so ein schönes Haus" - Schult ist zufrieden mit der Wirkung seiner eigenen Bilder, die noch bis Ende August unter dem Titel "Home - Heimat" als Tableau mit insgesamt 32 Köpfen die Fenster des Stadtmuseums zieren. "Es ist toll, dass eine Stadt in eurer Größenordnung so etwas macht. Danke, dass ihr mir hier mit meiner Kunst Asyl gegeben habt."

Für einen Abend spielte nun aber Anna die erste Geige, und ihre Performance stieß auf reges Interesse. Die Bestuhlung wurde knapp, Sitzgelegenheiten wurden herausgetragen und auch das Museumscafé einbezogen.

Zlotovskaya, von 1994 bis 1998 erste Violinistin des Bolschoi-Theaters Moskau, eröffnete mit Bachs Chaconne aus der Partita Nr. 2 (BWV 1004). Für sie das "wahrscheinlich Schönste für die Violine, das Bach geschrieben hat". Die Farbigkeit ihrer Töne, die sie auf einer "guten deutschen Geige aus dem Schwarzwald" entwickelte, blieb sensibel, ohne plakative Momente. Nebengeräusche, wie das Platschern des Brunnens oder den Fluglärm am Himmel, kompensierte sie sogar ohne Mikrofon. Ihr zartes Vibrato war auch unter freiem Himmel erkennbar, genauso wie der energische, niemals schroffe Bogenstrich.

Ein Thema und viele Variationen bei Bach - das habe HA Schult mit seiner Museumsfassade und den variantenreichen Porträts nicht anders gemacht, gab sie im Gespräch mit dem General-Anzeiger zu bedenken. Und die Violinistin, die sich selbst beim Konzert bescheiden als Solistin zurücknahm und nur "Medium zwischen Bach und Vivaldi und HA Schult" sein will, spielte hervorragend mit dem "sehr stabilen" Barock-Thema und seinen filigranen Variationen.

Das sei "so, wie HA Schult das Thema Museum in Variationen bespiele". Als ehemalige erste Geigerin des Bolschoi-Theaters hat Zlotovskaya bereits unter Dirigenten wie Rostropowitsch, Boulez oder Mehta gespielt. Und auch ihre Konzertbühnen können sich sehen lassen: Carnegie Hall in New York, Concertbegouw Amsterdam und Berliner Philharmonie. Doch seit 2000 liegt ihr persönlicher Fokus anders - bei Solotätigkeit, Kammermusik und Performance.

Das Wechselspiel beider Künste haben Schult und Zlotovskaya bereits mehrfach inszeniert, unter anderem in der Arktis auf dem ewigen Eis und in Tel Aviv mit Konzerten unter Schults Müllskulpturen. Ein populäres Arrangement mit Schlagzeug über Vivaldi-Themen führte Zlotovskaya nun vor dem Museum in einer "Play-Along"-Fassung auf und erinnerte an den Stil von Popgeigerin Vanessa May, die klingend zu einem Gesicht der heutigen Zeit wurde. Zusammen mit Bach und Vivaldi ließ Zlotovskaya sie alle gedanklich einziehen in das Siegburger Heimat-Tableau von HA Schult.