BUND-Untersuchung

Abwasserkeime in Sieg und Agger entdeckt

Rhein-Sieg-Kreis. Wasserproben weisen an vier Stellen in der Region multiresistente Erreger nach. Der Rhein-Sieg-Kreis sieht jedoch keine Gefahr und auch keinen Handlungsbedarf.

Im Wasser von Sieg und Agger befinden sich Erreger, die zu gesundheitlichen Problemen führen könnten. Das ist das Ergebnis einer Wasserprobenuntersuchung in Nordrhein-Westfalen, die im Auftrag des Naturschutzbundes BUND von der Ruhr-Universität durchgeführt wurde. An vier von fünf Stellen in der Region ließen sich demnach multiresistente Keime feststellen, die im schlimmsten Fall zu Erkrankungen und Antibiotika-Resistenzen bei Menschen führen können.

Grund für die Untersuchung war der Nachweis von multiresistenten Keimen in anderen Teilen Nordrhein-Westfalens. Daraufhin veranlasste die Regionalgruppe Köln des BUND die Untersuchung an Sieg und Agger. In der Sieg wurden insgesamt an drei Stellen Wasserproben entnommen: am Gierzhagener Bach, einem Siegzufluss in Windeck, sowie jeweils hinter der Kläranlage in Rosbach und Eitorf. Die Agger wurde oberhalb von Engelskirchen-Ründeroth sowie hinter dem Zulauf der Kläranlage Engelskirchen-Ehreshoven genauer unter die Lupe genommen. Überall wurden Abwasserkeime festgestellt, bei denen es sich an vier Stellen um multiresistente Bakterien handelt. Besonders alarmierend sei laut der Untersuchung der Befund hinter dem Einlauf der Kläranlage Engelskirchen. Dort fand man Bakterien, die sich gegen elf der zwölf getesteten Antibiotika resistent erwiesen.

Der BUND sieht diese Ergebnisse als sehr bedenklich an, auch vor dem Hintergrund, dass die Agger häufig zum Baden genutzt wird. Die Umweltorganisation fordert den Aggerverband als zuständigen Kläranlagenbetreiber auf, sich dem Problem zu stellen. Die Ergebnisse legten den Schluss nahe, dass sich die Erreger vor allem auf Einflüsse der an den Kläranlagen angeschlossenen Krankenhäuser zurückführen lassen. "Es ist klar, dass es Keime gibt. Das Wasser rund um Kläranlagen ist nie keimfrei", sagte Thorsten Falk vom Vorstand des Aggerverbandes in Gummersbach auf Anfrage. Derzeit bestünden keine gesetzlichen Anforderungen zur vollständigen Entfernung von Keimen aus dem Abwasser. Einen akuten Handlungsbedarf sehe der Aggerverband daher nicht.

Kreis sieht Ergebnisse gelassen

Derzeit laufe ein vom Bundesforschungsministerium initiiertes Verbundprojekt mit Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen, um die Verbreitung antibiotikar-resistenter Bakterien durch Abwasser zu erforschen. Die Ergebnisse dieser Forschung seien abzuwarten. Erst wenn gesicherte Kenntnisse darüber vorliegen, ob der Klärbereich technisch angepasst werden muss, sei es gegenüber den Bürgern, die die Gebühren zahlten, zumutbar, gegebenenfalls entsprechende Investitionen zu tätigen. Auch der Rhein-Sieg-Kreis sieht die Ergebnisse gelassen: "Das sind für uns keine neuen Erkenntnisse, daher sehen wir keinen akuten Handlungsbedarf. Eine Gefahr ist nicht gegeben", sagte Anja Roth von der Pressestelle auf Anfrage. Menschen müssten sich keine Sorgen beim Baden machen. Damit es durch die multiresistenten Erreger zu Problemen bei gesundheitlich geschwächten Menschen komme, müssten schon viele Zufälle zusammen kommen, etwa viel Wasser geschluckt oder eine offene Wunde im Anschluss an das Bad nicht gereinigt werden.

Antibiotika-resistente Krankheitserreger führen nicht häufiger zu Infektionen als nicht antibiotika-resistente Krankheitserreger. Allerdings ist eine möglicherweise auftretende Infektion mit resistenten Bakterien oft schwieriger zu behandeln. Wer gesund ist, kann demnach ohne Bedenken in Gewässern baden gehen, die nicht von den Behörden gesperrt wurden, da diese regelmäßig überwacht werden. Bei Hauterkrankungen, offenen Wunden, langfristiger Antibiotikaeinnahme oder einer Immunschwäche empfiehlt das Umweltbundesamt ein Gespräch beim Arzt zu suchen und im Zweifel besser auf das Baden in Badegewässern zu verzichten.