Landschaftsschutz im Rhein-Sieg-Kreis

40 Jahre im Einsatz für die Natur

40 Jahre Landschaftsbeirat: Der Vorsitzende Siegfried Cunz (links) und Bertram Welz, der von Anfang an dabei ist, an der Sieg.

40 Jahre Landschaftsbeirat: Der Vorsitzende Siegfried Cunz (links) und Bertram Welz, der von Anfang an dabei ist, an der Sieg.

RHEIN-SIEG-KREIS. Vier Punkte standen auf der Tagesordnung. Die befassten sich ausschließlich mit Regularien und Aufgaben des neu eingerichteten Landschaftsbeirates. „Und vor allem mussten wir einen Vorsitzenden wählen“, erinnert sich Bertram Welz an den 19. Mai 1976.

Das sei die große Schwierigkeit der ersten Zusammenkunft gewesen. Mit Georg Marr von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Beauftragter für Natur- und Landschaftspflege sei schließlich eine neutrale Person gefunden worden.

40 Jahre und 195 Sitzungen später heißt der Vorsitzende Siegfried Cunz – und Bertram Welz vertritt noch immer den Waldbauernverband im Gremium.

„Wir beraten die Untere Landschaftsbehörde“, beschreibt Siegfried Cunz die Aufgabe des Landschaftsbeirates. Wir, das sind 16 Vertreter aus zwölf verschiedenen Naturschutz- und Naturnutzverbänden, die sich mit ihrem Fachwissen einbringen.

Als unabhängiges und ehrenamtliches Gremium treten sie für die Belange von Natur und Landschaft ein. „Immer wenn es Bauvorhaben in Landschaftsschutzgebieten gibt, braucht es dazu eine Befreiung von natur- und landschaftsrechtlichen Geboten und Verboten“, erklärt Cunz.

Darüber werde im Landschaftsbeirat beraten und dann eine entsprechende Empfehlung an die Untere Landschaftsbehörde gegeben. Diese lege fest, worüber der Beirat berät, und folge in der Regel dessen Beschlüssen. Ob es nun der Carport ist, der nur ohne rotes Dach im geschützten Bereich entstehen darf, oder aktuell der Horstmannsteg, den die Stadt Hennef über die Sieg baut: „In 17 Jahren ist die Behörde uns nur bei drei Einsprüchen gegen eine Befreiung nicht gefolgt“, so Cunz.

„Naturschützer und Naturnutzer vertreten bei unseren Diskussionen mitunter unterschiedliche Standpunkte“, sagt der Vorsitzende. So wollten die einen etwa die Habitate für Haselmaus oder Ameisenbläuling geschützt wissen, die anderen aber den geplanten Firmenbauplänen mit 100 neuen Arbeitsplätzen nicht im Wege stehen.

„Unsere Diskussionen sind aber sachbezogen und fair, wir haben uns hier nie gefetzt“, sagt Bertram Welz. Das Klima im Beirat sei über die Jahre immer diszipliniert. „Wir schaffen es, uns in die Argumentation des anderen hineinzuversetzen“, so der 81-jährige Eitorfer. Und einen für alle akzeptablen Weg zu gehen. Eine Rivalität zwischen Naturschützern und -nutzern sieht Welz nicht: „Uns allen liegt der Schutz der Natur am Herzen..“

Vor den Sitzungen liegen für Siegfried Cunz arbeitsreiche Wochen. „Es gibt Treffen mit der Unteren Landschaftsbehörde, um die Themen zu besprechen“, sagt er. Oft sei er danach, auch zusammen mit Beiratsmitgliedern, im Kreis unterwegs, um sich die Situation vor Ort anzuschauen oder um mit Betroffenen zu sprechen. „Ich kenne den Kreis inzwischen sehr gut“, sagt der 70-Jährige, der auch Ansprechpartner für besorgte Bürger ist.

Allein in diesem Jahr erreichten ihn elf Anrufe oder E-Mails, in denen Missstände angeprangert wurden. „Ich schaue mir das meist an und schalte, wenn nötig, die zuständigen Behörden ein“, so Cunz. So etwa zuletzt, als ein Geflügelhof seinen Mist unsachgemäß entsorgt hatte. „Die Veränderung der Gesellschaft spiegelt sich auch in unserer Arbeit wider“, sagt Bertram Welz.

Früher sei ein Misthaufen fast in jedem Dorf üblich gewesen. „Heute beschweren sich Anwohner über Geruchsbelästigung.“ Als große Themen der Zukunft bewertet Siegfried Cunz die Ortsumgehungen Uckerath und Much, den Ennertaufstieg sowie die Rheinbrücke bei Wesseling.

Dass er einmal so lange im Beirat sitzen würde, hat Bertram Welz vor 40 Jahren nicht gedacht. Nach der nächsten Kommunalwahl ist für ihn Schluss. Auch Siegfried Cunz möchte nicht wieder kandidieren. Sein Amt verdankte er anfangs im Übrigen Bertram Welz. Der zog das Los, als 2012 bei der Wahl des Vorsitzenden beide Kandidaten mehrfach die gleichen Stimmen erhielten – und machte Cunz zum Vorsitzenden.