„Wet Painting“ in der Innenstadt

30 Künstler versteigern Werke auf Siegburg Open

SIEGBURG. Rund 30 Künstler haben am Samstag bei den ersten Siegburg Open ihre Ideen auf die Leinwand gebracht. Bei der anschließenden Versteigerung erzielte ein Bild sogar ein Gebot von 1000 Euro.

Zielgerichtet und schwungvoll gleiten Pinsel und Farbrolle über die Leinwand. Sie grundieren, verteilen Farbe oder zeichnen schon die ersten Konturen des Motivs. Wer am Samstag zwischen 10 und 16 Uhr durch die Siegburger Fußgängerzone spazierte, staunte nicht schlecht. Bei prallem Sonnenschein und Hitze forderten gut 30 Künstler ihre Ideen und Kunstfertigkeiten zu Höchstleistungen heraus. Dieses Veranstaltungsformat war das erste seiner Art in Siegburg. Initiiert und organisiert hatten der Siegburger Künstler Volker Bremer und die Brüder Andreas und Paul Remmel, Geschäftsführer der Buchhandlung R² in der Holzgasse, die Aktion Siegburg Open, das erste „Wet Painting“ der Stadt. Der Trend des „Wet Painting“ stammt ursprünglich aus den USA der 70er und 80er Jahre. Auch in Siegburg fand er nun begeisterte Anhänger.

Eigener Kreativität und Ideenkraft waren keinerlei Grenzen gesetzt. Manch einer orientierte sich an einer Vorlage, andere brachten Bilder aus ihrem Kopf zu Papier. So malte Kalakani Nargis mitten in der Holzgasse ein Reethaus und ein Weingut. Diese Motive erinnerten sie an ihre Heimat, erzählte die gebürtige Afghanin. Vor vielen Jahren musste sie aus dem Hindukusch fliehen. „Hier habe ich meinen Kindern ihre Muttersprache Farsi und Dari beibringen wollen“, berichtet sie. „Das ist mir schließlich mit Hilfe des Malens am besten gelungen.“

Andere Künstlertalente machten es sich an einem schattigen Plätzchen auf der Marktplatte bequem. Simone Schmandt kann beim Malen ihre Entspannung finden. „Es ist schön, am Ende ein Produkt in den Händen zu halten“, merkte sie an. Nachdem sie fünf Jahre lang aus zeitlichen Gründen keinen Pinsel mehr in der Hand hatte, gab ihr ein Zeichenkurs, den sie im November mit ihrer Tochter belegte, wieder neuen Mut. Auf dem Siegburger Open probierte sich die Zahnärztin das erste Mal seit langem wieder am Malen mit Farbe. Ganz spontan hatte sie sich noch angemeldet und die Vorlage für ihre Leinwand gefunden: die Servatiuskirche mit dem Michaelsberg im Hintergrund.

Siegburg Open unterstützt den Kern der Stadt

Auch Profis waren in Siegburg unterwegs. Mit Blick auf die Siegessäule am oberen Markt hatte sich Susan Unverricht-Bauer eingerichtet. Die Troisdorferin malt seit Jahren und kann, wie sie sagte, „die Finger nicht davon lassen“. Konzentriert führte sie die Pinsel über die Leinwand, kombinierte Acryl mit Collageelementen und ließ eine moderne Interpretation der Siegessäule entstehen. Ein Motiv, das sie bereits seit 30 Jahren zu Papier bringen will. Mit ihrem Bild wolle sie eine Brücke zwischen dem historischen Stadtkern und der Moderne schlagen. Die 47-Jährige war begeistert von der Aktion. „Das Siegburg Open unterstützt den Kern der Stadt, sodass hier mehr Action und Leben stattfindet“, so Unverricht-Bauer. Motiviert habe sie auch der gute Zweck hinter der Aktion. Denn mit einem Teil der Erlöse der Versteigerung am Sonntag soll Kindern, die künstlerisches Talent mitbringen, aber denen die finanziellen Möglichkeiten fehlen, die Teilnahme an Malkursen ermöglicht werden.

Bei der Versteigerung wurden nicht nur Summen unter 100 Euro geboten. Die Künstlerin Katja Zander konnte für ihre Arbeit sogar 1000 Euro erzielen. Mit zarten Pastelltönen hatte sie schemenhaft Passanten in der Siegburger Fußgängerzone eingefangen. Auch einer der Gebrüder Remmel sei deutlich abgebildet, so Paul Remmel während der Versteigerung. Sein Versuch, so den Preis noch weiter in die Höhe zu treiben, sorgte im Publikum für einige Erheiterung. Für Bremer war die Veranstaltung schlussendlich ein voller Erfolg. „Diese Künstleraktion soll langsam und qualitativ wachsen. Dies war der erste Test.“ Im nächsten Jahr ist eine Wiederholung geplant. Dann stehen die Künstler hoffentlich wieder mit Pinsel und Farbe ausgerüstet in der Innenstadt.