Nach Brand in Siegburg

30-Jähriger wegen versuchten Mordes angeklagt

Symbolbild.

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Bonn/Siegburg. Ein Siegburger hat am 6. März aus Rache an seinem Vermieter einen Brand gelegt. Bevor er das Haus verließ, zerstörte er die Rauchmelder in seiner Wohnung und im Treppenhaus. Er wurde wegen versuchten Mordes angeklagt.

Das Feuer, das am 6. März 2019 in einem Mehrfamilienhaus in Siegburg ausgebrochen war, hätte für drei Bewohner eine böse Falle werden können – mit tödlichem Ende. Denn der Mann, der offenbar mit großem Zorn den Brand einen Tag vor der Zwangsräumung in seiner Wohnung gelegt hatte, wollte mit seinem Racheplan noch weitere Menschen schädigen. Denn bevor der 30-Jährige das brennende Haus verließ, hatte er nicht nur die Rauchmelder in seiner Wohnung und im Treppenhaus zerstört, sondern auch die Haustür mit einem Flüssigkleber verleimt: Türschloss, Türblatt und Zargen überschüttete er mit dem Klebstoff. Die Eingangshaustür war nicht mehr zu öffnen gewesen.

Die Bonner Staatsanwaltschaft hat den 30-jährigen Ex-Mieter folglich nicht nur wegen besonders schwerer Brandstiftung, sondern sogar wegen versuchten Mordes angeklagt, wie Gerichtssprecher Tobias Gülich gestern mitteilte. Gleich zwei Mordmerkmale seien gegeben, heißt es im Anklagevorwurf. Zum einen habe der 30-Jährige, damals arbeitslos und Hartz-IV-Empfänger, aus einem niedrigen Beweggrund gehandelt, da er sich rächen wollte und dafür sogar in Kauf genommen, andere mit in den Tod zu reißen. Zum anderen habe er bei seiner Tat mit der Feuerlegung ein „gemeingefährliches Mittel“ eingesetzt.

Am Morgen vor der Tat soll der 30-Jährige laut Anklage vor dem Siegburger Büro der Vermietungsgesellschaft erschienen sein und versucht haben, mit einem Hammer gewaltsam einzudringen. Auch soll er Geschäftsführer und Mitarbeiter beleidigt haben. Als der gekündigte Mieter nichts erreichen konnte, soll er mit einem finstern Plan heimgekehrt sein: In der Erdgeschosswohnung deponierte er, so der Vorwurf, Papier auf der Spüle, in einer Durchreiche und auch in der Waschmaschine und zündete alles an. Schließlich stopfte er den Backofen voll mit Papiermüll und Plastik und schaltete ihn auf höchste Stufe.

Das Feuer breitete sich schnell aus. Eine Bewohnerin jedoch, die mit ihrem Hund spazieren gehen wollte, roch rechtzeitig den beißenden Qualm, der aus Fenstern und Türen quoll und alarmierte die Feuerwehr, die sich mit Gewalt Zutritt verschaffte. 38 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Sie verhinderten, dass das Feuer auf das ganze Haus übergriff. Eine konkrete Lebensgefahr, so die Anklage, habe für die Bewohner nicht bestanden. Den errechneten Schaden bezifferte der Vermieter auf 30.000 Euro.

Der polizeibekannte Angeklagte war nach der Tat zunächst geflüchtet. Nach dem Brandstifter wurde jedoch mit Foto gefahndet: Einen Tag später stellte er sich in Österreich und wurde ausgeliefert. Seitdem sitzt der 30-Jährige in Untersuchungshaft. Der Prozess findet demnächst vor dem Bonner Schwurgericht statt.