Möller-Nachlass

17,1 Meter Zeitgeschichte

RHEIN-SIEG-KREIS. Ehrenlandrat Franz Möller hat seinen Nachlass dem Archiv der Konrad-Adenauer-Stiftung übergeben. Wenn Politikerkarrieren beendet sind, dann gleichen sie sich zumindest in einem Punkt. Sie lassen sich in laufenden Regalmetern bemessen - sofern der Nachlass einem Archiv übergeben wird.

Genau das hat Franz Möller, langjähriger Landrat des Rhein-Sieg-Kreises und CDU-Bundestagsabgeordneter, getan. Sein Material liegt jetzt im Archiv für Christlich-Demokratische Politik der Konrad-Adenauer-Stiftung in Sankt Augustin. Am Dienstag präsentierte Archivleiter Hanns Jürgen Küsters den Nachlass, der nun wissenschaftlich gesichtet und geordnet worden ist.

350 Akten oder 17,1 laufende Regalmeter - so umfangreich ist der Bestand Möllers. Darin sind Korrespondenzen, Gesprächsprotokolle und Vermerke aus den Jahren 1970 bis 1996 enthalten. Sie sind grundsätzlich für jedermann einsehbar, eine Sperrfrist gibt es nicht. "Wer ein berechtigtes Interesse daran hat, kann sich gerne damit auseinandersetzen", sagte der 82-Jährige, der von 1974 bis 1999 ehrenamtlicher Landrat war und von 1976 bis 1994 im Bundestag saß. Der gebürtige Emsländer war Justiziar der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, in den 80er Jahren war der Städte- und Wohnungsbau sein Spezialgebiet.

Am bedeutendsten erscheint - besonders für die Forschung - die Zeit des Umzugsbeschlusses der Bundesregierung 1991 sowie die Ausarbeitung des Berlin/Bonn-Gesetzes. Möller habe die damaligen Diskussionen maßgeblich geprägt, sagte Küsters. "Die Region hätte sich anders entwickelt, wenn er nicht als Triebfeder fungiert hätte."

Schon früh habe er sich mit der Rolle Bonns im Falle einer Wiedervereinigung beschäftigt, bestätigte Stefan Marx, Mitarbeiter des Schriftgutarchivs. Er hat den Bestand über Monate aufbereitet und ein Findbuch erstellt. Berlin als Hauptstadt, aber Bonn weiter als Regierungssitz: Das war eine Überlegung, die Franz Möller bereits am 10. Februar 1990 in einem Memorandum anstellte.

"Die Hauptstadt-Diskussion wurde nicht parteipolitisch geführt, man kooperierte partei- und länderübergreifend", erinnerte sich Möller. "Es gab sogar in den neuen Bundesländern Befürworter für Bonn als Bundeshauptstadt." Dass die Entscheidung 1991 zugunsten Berlins ausgefallen ist, schmerze ihn immer noch, sagte er am Dienstag und warnte vor einer Aushöhlung des Bonn-Berlin-Gesetzes. "Es wäre hinterwäldlerisch zu glauben, dass die Bundesregierung besser arbeitet, wenn alle Ministerien in Berlin konzentriert sind."

Ein Teil des Bestandes bezieht sich auch auf Möllers Amtszeit als Landrat. So lässt sich unter anderem der Entscheidungsprozess für den Bau der ICE-Strecke Köln-Frankfurt nachvollziehen.

Das Archiv:
Das Archiv für Christlich-Demokratische Politik bei der Konrad-Adenauer-Stiftung ist eine Fundgrube für Historiker: Es umfasst rund 940 Nachlässe von CDU-Politikern, aus den Anfängen der Bundesrepublik, aber auch von Kabinettsmitgliedern aus Helmut Kohls Regierungszeit. Der Bestand misst 17 laufende Regalkilometer. Hinzu kommen CDU-Parteiakten, die in der Regel für 30 Jahre gesperrt sind. Nach derzeitigem Stand, so Leiter Hanns Jürgen Küsters, bleibe das Archiv in Sankt Augustin.