Ortskernentwicklung in Menden

Wohnungen, Versorgungszentrum oder gemischtes Quartier?

Die Gewächshäuser der Gärtnerei in Menden sollen neuen Gebäuden weichen. Wohnungen, aber auch Supermärkte sind im Gespräch.

Die Gewächshäuser der Gärtnerei in Menden sollen neuen Gebäuden weichen. Wohnungen, aber auch Supermärkte sind im Gespräch.

Sankt Augustin. Die Stadt Sankt Augustin stellt Alternativen für die Bebauung des ehemaligen Gärtnerei-Areals an der Marktstraße vor. Die Bürger sollen in den Planungsprozess mit einbezogen werden.

Wohnungen oder Gewerbe statt Gewächshäusern: Das Mendener Ortszentrum soll sich gravierend verändern. Der Sankt Augustiner Ausschuss für Umwelt, Planung und Verkehr hat sich am Mittwoch mit der weiteren Entwicklung des Gärtnereigeländes sowie den angrenzenden Flächen zwischen Markt- und Mittelstraße befasst. Das Büro „H+B Stadtplanung“ aus Köln hat dazu drei mögliche Varianten erarbeitet. Sie sollen nun zunächst den Bürgern und Gewerbetreibenden bei einem Informationsabend vorgestellt werden. „Wir wollen eine breit angelegte Diskussion“, sagte der Erste Beigeordnete Rainer Gleß. Erst danach solle der Bebauungsplan konkretisiert werden. Denn es werde eine Entscheidung für die nächsten 50 Jahre sein, so Gleß.

Das Gelände rückt aufgrund eines Eigentümerwechsels wieder in den Blick. Im vergangenen Jahr hat ein Investor das Gärtnereiareal (Teil B in der Grafik) übernommen – und konkrete Bauabsichten geäußert. Daraufhin hatte die Stadt das Kölner Planungsbüro beauftragt, das auch den Marktbereich in die Überlegungen miteinbezog. Folgende Alternativen haben sie erarbeitet:

Nahversorgungszentrum: Ein Vollversorger, ein Discounter und ein Fachmarkt mit insgesamt 110 Stellplätzen könnten sich auf dem Gärtnereigelände ansiedeln. Das sei die Gelegenheit, Menden gegebenenfalls „mit einem richtigen Stadtteilzentrum zu versehen“, sagte Gleß. Auf dem Discounter könnten zudem rund 20 Wohneinheiten entstehen. Eine Drogerie auf dem Marktplatz, weitere Wohnungen sowie eine Tiefgarage mit 110 Stellplätzen würden das Angebot ergänzen. Ein Drogeriemarkt komme aber nur, wenn sich auf dem Gärtnereigelände Einzelhandel entwickeln würde, so Stefan Haase von der „H+B Stadtplanung“.

Wohnquartier: Die zweite Variante sieht ein reines Wohnquartier vor. Allein auf dem Areal der Gärtnerei könnten laut Haase rund 150 Wohneinheiten entstehen. Dabei könnten die Gebäude „durchaus auch mal viergeschossig sein“, sagte er. Die Parkplätze sollen allesamt in Tiefgaragen liegen. Auf dem Markt sollen sich hingegen kleinere Läden sowie Gastronomie und Wohnungen entwickeln. Parkplätze sollen dort sowohl oberirdisch (35) als auch unterirdisch (circa 50) zur Verfügung stehen. Laut Stadt kommt diese Idee dem bisherigen Entwurf des Bebauungsplans am nächsten. Und sie biete die Chance, die Bürger ins Zentrum zu holen, so Gleß.

Gemischtes Quartier: Ein Vollversorger sowie ein Discounter und Mehrfamilienhäuser sind in der dritten Variante auf dem Gärtnerareal vorgesehen. Dabei sollen auf dem Discounter zudem Wohnungen in dreigeschossiger Höhe angeordnet werden. Stellflächen sollen vor dem Vollversorger und in Tiefgaragen zur Verfügung stehen. Auf dem Markt könnten sich eine kleine Drogerie, Einzelhandel und Gastronomie ansiedeln. Hinzu kommen Wohnungen und eine Tiefgarage mit 90 Stellplätzen.

Gespräch zwischen Wirtschaftsförderung und Gewerbetreibenden

Allen Varianten gemeinsam ist eine neue Straße zwischen Mittel- und Marktstraße. Sie könnte direkt zum Marktplatz führen und auch die Buslinien 508 und 517 aufnehmen. Zudem sind weitere Häuser nördlich des Gärtnereigeländes (Teil C) geplant sowie perspektivisch auf einem Teil des Sportplatzes. Laut Gleß geht es aber zunächst um das Gärtnereigelände.

Bei den Fraktionen waren noch einige Fragen offen, sie begrüßten aber die Vorgehensweise der Stadt, die Bürger von Anfang an einzubeziehen. Bedenken gab es aufgrund der Nähe zur Burgstraße. Dort hatte sich 2016 nach längerer Wartezeit wieder ein Nahversorger angesiedelt. Georg Schell (CDU) forderte deshalb eine Verträglichkeitsanalyse. Und auch Jörg Kourkoulos (SPD) sagte: „Das Letzte, was wir wollen, wäre, ein weiteres viertes Zentrum zu schaffen. Und das die Burgstraße dann mit Leerstand dasteht.“ Martin Metz (Grüne) wies hingegen darauf hin, dass ein Vollsortimenter einen Ortskern auch am Leben halten könnte. Während die CDU bereits Variante zwei favorisiert, äußerten die anderen Fraktionen keine Tendenz.

Als nächstes soll es nun ein Gespräch zwischen der Wirtschaftsförderung und den Gewerbetreibenden geben. Kurz nach den Sommerferien steht dann die Bürgerinfo in Menden an. Das Datum wird noch bekanntgegeben.