"RoboCup Junior" in der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

Wenn Roboter Tore schießen

Auf Torhunger programmiert: Unter den strengen Augen der Schiedsrichter treten die Roboter im Fußball gegeneinander an. FOTO: THOMAS HEINEMANN

Auf Torhunger programmiert: Unter den strengen Augen der Schiedsrichter treten die Roboter im Fußball gegeneinander an. FOTO: THOMAS HEINEMANN

SANKT AUGUSTIN. Beim "RoboCup Junior" in der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg zeigen junge Programmierer ihr Können.

Sie werden uns im Haushalt helfen, Fahrzeuge und Raumschiffe steuern oder gar die Weltherrschaft übernehmen wollen - die Fiktion zu Robotern kennt in Film und Literatur keine Grenzen. Keine Fiktion ist, dass Roboter uns schon heute im Haushalt helfen und Fahrzeuge steuern können: Staubsaugerroboter, mitdenkende Waschmaschinen und Roboterautos wie "Jack" aus dem Hause Audi sind bereits oder werden bald Realität: Die selbst fahrende Limousine war nach 900 Kilometer langer Fahrt auf der Elektronikfachmesse CES in Las Vegas eingefahren und hatte große Aufmerksamkeit erzeugt.

Hinter modernen Robotern stehen Menschen, die sie konzipieren, bauen und programmieren. "Und die dies auch in jungen Jahren mit viel Begeisterung tun", sagt Winfried Schmitz. Der Lehrer für Physik und Mathematik an der Christophorusschule Königswinter (CJD) leitet die Roboter-AG seiner Schule und ist Organisator des Qualifikationsturniers für den Westen Deutschlands des internationalen Wettbewerbs "RoboCup Junior", der am Wochenende in der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg stattfand.

In verschiedenen Gewichts- und Komponentenklassen, vom 500-Euro-Legoroboter mit Bauweise im Baukastenprinzip bis zum rund 2000 Euro teuren Individualroboter mit Carbonbauteilen und selbst gelöteter Elektrotechnik, gingen die Roboter und ihre 70 Entwickler-Teams an den Start. Ob beim Roboter-Tanz mit einer Mensch-Maschine-Choreografie, beim Roboter-Fußball oder in der Disziplin "Rescue" (Rettung), bei dem in einem Labyrinth Wärmequellen gefunden, erkannt und gemeldet werden müssen: Das Aufgabenspektrum war spannend. Was nach Spiel und Spaß aussieht und den Schülern spürbar gefalle, habe einen ganz praktischen Hintergedanken, der über Science-Fiction hinausgehe, so Schmitz.

"Ein Schüler, der einen Roboter programmiert, der selbstständig Fußball spielt, kann später auch einen Roboter für die Müllsortierung oder einen Schweißroboter bauen und programmieren", sagt Schmitz. Schüler lernen bei der Robotik, Problemen und Herausforderungen mit innovativen Lösungen zu begegnen. "Fußball macht den Schülern aber natürlich mehr Spaß als Müll sortieren", gibt Schmitz gerne zu. Das haben auch Unternehmen erkannt, die den überwiegend freiwilligen Arbeitsgemeinschaften an den Schulen als Nachwuchsförderung mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Kleine Rückschläge sind da keine Katastrophen, sondern neue Herausforderungen, was am Samstag die CJD-Schüler Leander Sparla und Leonie Victoria Schieritz zeigten. Der Team-Roboter "LeLeLe" hatte sich in der Aufgabe "Rescue" festgefahren. Mit dem Laptop in der Hand geht Leonie Victoria am Roboter "Lego EV3" auf Fehlersuche, während Leander die Aufgabe erklärt: "Er muss sich im Labyrinth von Feld zu Feld vortasten. Dort können Hindernisse sein, aber er muss einen Weg finden." An den Wänden hängen kleine Blechquadrate. Mit Strom erwärmte Bleche muss der Roboter erkennen und als "Wärmeopfer" melden. "Und es gibt schwarze Felder, das sind Sackgassen. Dort muss der Roboter umdrehen", so Leander.

"LeLeLe" hatte hier die Orientierung verloren, die Wand gerammt und war umgekippt. Dennoch hat das Team einige Punkte bekommen, sagt Leonie Victoria, die ganz konzentriert am Laptop nach der Ursache forscht. Diese Begeisterung zum Problemlösen lohne sich, glaubt Schmitz, der auch bei der Organisation der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Leipzig eingebunden ist: "Die Schüler arbeiten sich in die Informatik ein, in die Elektrotechnik und den Maschinenbau. Ohne die drei wichtigen Komponenten geht es in der Robotik nicht. Und das Engagement hierfür und die Innovationskraft der Schüler sind faszinierend", lobt Schmitz.