Katholische Kirche

Von der Bekenntnisschule zur Gemeinschaftsschule

Zwei Bekenntnisschulen in einem Gebäude - die katholische und die evangelische Grundschule in Sankt Augustin-Hangelar.

13.03.2014 DÜSSELDORF. Die katholische Kirche will in Nordrhein-Westfalen die Umwandlung von Bekenntnisschulen in Gemeinschaftsschulen erleichtern. In einem Eckpunktepapier erklären die Bistümer ihre Bereitschaft, die Hürden für eine Umwandlung zu senken.

Bisher müssen zwei Drittel der Eltern für die Umwandlung einer konfessionellen Grundschule stimmen. Künftig könnte dafür eine einfache Mehrheit der Eltern ausreichen. 975 der rund 3000 Grundschulen in NRW sind katholische oder evangelische Bekenntnisschulen.

In einem Gespräch mit den Düsseldorfer Landtagsfraktionen hatten Vertreter des Katholischen Büros erstmals ein Entgegenkommen signalisiert. Damit reagiert die Kirche darauf, dass an Grundschulen schon heute im Durchschnitt jeweils 16 Prozent der gemeldeten Schüler konfessionslos oder islamisch sind. In einzelnen Regionen liegt deren Anteil deutlich höher. Diese Kinder sollten aus Sicht der rot-grünen Koalition nicht verpflichtet werden, den konfessionellen Religionsunterricht zu besuchen. Nach dem Prinzip "kurze Beine, kurze Wege" müssten Eltern in Wohnortnähe eine Gemeinschaftsschule für ihre Kinder finden.

In ihrem Eckpunktepapier öffnen sich die Bistümer auch in Bekenntnisschulen weiter gegenüber anderen Glaubensgemeinschaften. Grundsätzlich lassen die Bischöfe auch Religionsunterricht anderer Konfessionen und Religionen - wie dem Islam - zu. Zudem wünscht die katholische Kirche "keine Mindestquote bekenntnisangehöriger Kinder".

Der CDU-Schulexperte Klaus Kaiser begrüßte es, dass die Kirchen flexibel auf die veränderte Bevölkerungsentwicklung reagieren. "Viele Eltern melden ihre Kinder aber bewusst auf kirchlichen Schulen an, weil sie eine Erziehung nach christlichen Wertvorstellungen für ihre Kinder wünschen." Dies gelte auch dann, wenn sie oft keine Beziehung zur Religion haben.

"Unter bestimmten Bedingungen kann es sinnvoll sein, wenn der Träger oder die Schulaufsicht das Umwandlungsverfahren einleiten kann", heißt es im Eckpunktepapier der katholischen Bistümer. Vor allem bei Monostrukturen, wenn es vor Ort nur eine Bekenntnisschule gibt, wollen die Kirchen eine Öffnung ermöglichen. Hürden bauen die Bischöfe auch innerhalb der Bekenntnisschulen ab. Lehrer anderer Konfessionen und Religionen können unterrichten, wenn sie "die Grundintentionen der Bekenntnisgrundschule bejahen und das Schulleben in diesem Sinne nach Kräften gestalten".

Einen Vorstoß der NRW-Grünen, die Umwandlung von Bekenntnisschulen bereits mit einem Drittel der Elternstimmen durchsetzen zu können, halten die Bistümer für zu weitgehend. "Wir sind bereit, über eine niedrige Hürde zu reden - aber es ist nicht denkbar, dass die Minderheit entscheidet", hieß es. Die Kirchen erwarten, dass die rot-grüne Koalition spätestens im Herbst 2014 einen Gesetzentwurf verabschiedet. Die evangelische Kirche mit 94 Bekenntnisschulen hat dem Eckpunktepapier der Bistümer bisher nicht zugestimmt.

Bekenntnisschulen werden - anders als private Ersatzschulen - zu 100 Prozent vom Staat finanziert. Die katholische Kirche fordert im Gegenzug zur Senkung der Hürden, dass es künftig leichter möglich wird, katholische Ersatzschulen im Primarbereich zu gründen. Die werden nur zu 94 Prozent vom Staat gefördert. (Wilfried Goebels)