Fünf Jahre Gesamtschule Sankt Augustin

Vom Zankapfel zum Geburtstagskind

Stolz (v.l.): Schulleiterin Stephani Overhage, die Schüler Arina Babakan und Nils Pätzold sowie Vize-Schulleiter Patrick Werneburg.

Stolz (v.l.): Schulleiterin Stephani Overhage, die Schüler Arina Babakan und Nils Pätzold sowie Vize-Schulleiter Patrick Werneburg.

Sankt Augustin. Streit, Bürgerentscheid, Klage: Die Gesamtschule hat ihre turbulente Vergangenheit überwunden und feiert am Samstag ihr fünfjähriges Bestehen.

Nils Pätzold ist dabei, als in Sankt Augustin Schulgeschichte geschrieben wird. Am 8. September 2011 geht die neue Gesamtschule an den Start – nach politischen Zankereien, einem gescheiterten Bürgerbegehren, zwei fehlenden Anmeldungen im ersten Anlauf und einer vergeblichen Klage. „Damals hatte ich da gar kein Auge für“, erinnert sich heute 15-Jährige. Er habe nur mitbekommen, dass seine Eltern über die hitzigen Diskussionen geredet hätten. Am heutigen Samstag feiert die Schule nun ihren fünften Geburtstag (siehe Info-Kasten „Das Programm“). Nils Pätzold ist mittlerweile stellvertretender Schülersprecher. Er sagt über die vergangenen fünf Jahre: „Es war nicht immer ganz einfach, aber es hat funktioniert. Wir haben einen Weg gefunden.“

Tatsächlich hat die Gesamtschule in Sankt Augustin einen beschwerlichen Weg hinter sich. Schon in den 90er-Jahren demonstrieren etwa 700 Schüler, Lehrer und Eltern der Real- und Hauptschule Menden vor dem Rathaus gegen die ersten Pläne. Das Thema ist also vorerst erledigt, ploppt aber immer wieder auf. 2009 etwa haben die Einwohner die Wahl, per Bürgerentscheid sollen sie abstimmen, ob Real- und Hauptschule erhalten bleiben sollen. Das Votum ist eindeutig: nein.

Doch die Gesamtschule scheitert ein Jahr später im ersten Anlauf, es melden sich nur 110 statt der benötigten 112 Kinder an. Nur zwei fehlen, aber es sind eben zu wenige. Doch ein Jahr später ist es soweit, daran ändert auch eine erfolglose Klage gegen den Ratsbeschluss zur Auflösung der Real- und Hauptschule nichts: Die neue Gesamtschule startet, zieht nach und nach in die Räume der Haupt- und Realschule ein. Mit dabei ist Schulleiterin Stephani Overhage. Heute sagt sie: „Das Blatt sich gedreht. Wir sind eine feste Größe in der Bildungslandschaft.“

Vor fünf Jahren begannen 120 Schüler und acht Lehrer in Menden, heute sind es knapp 700 und 55 Pädagogen. Doch dabei soll es nicht bleiben, schließlich läuft schon seit längerer Zeit der Um- und Neubau. „Wir rechnen bis 2019 mit bis zu 1000 Schülern und bis zu 100 Lehrern“, sagt der stellvertretende Schulleiter Patrick Werneburg.

Im nächsten Jahr steht aber zunächst ein weiterer Entwicklungsschritt an: Die erste Oberstufenklasse beginnt im Sommer 2017. Nils Pätzold will dann dabei sein, unbedingt. Sein Ziel: das Abitur. „Definitiv“, sagt der Mülldorfer über einen der möglichen Abschlüsse an der Schule (siehe Info-Kasten „Die Gesamtschule“). Er moderiert die Geburtstagsfeier am heutigen Samstag gemeinsam mit Schülersprecherin Arina Babakan. Die 15-Jährige aus Menden besuchte vorher das Friedrich-Ebert-Gymnasium in Bonn. „Da waren meine Noten nicht gut, alles ging viel zu schnell. Auf der Gesamtschule ist das anders, sie passt sich den Schülern auch an“, sagt sie. Den Schwerpunkt in der Oberstufe wollen Overhage und Co. auf Kunst sowie Informatik und Naturwissenschaften legen, dazu haben sie sich Referenzschulen angeschaut. „Die Berufsorientierung soll stark im Fokus sein“, sagt Overhage. Dabei denkt sie an eine Zusammenarbeit mit der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Die Lehrer bereiten schon jetzt das Oberstufenkonzept vor, dazu zählen Einführungstage und Berufsorientierungstage. „Die Kollegen freuen sich darauf“, sagt Overhage. Am 9. November findet ein Informationsabend zur neuen Oberstufe statt.

Doch noch ist die erste elfte Klasse an der Gesamtschule ein Jahr weg, der fünfte Geburtstag steht zunächst mal an. Overhage sagt rückblickend: „Fünf starke Jahre wäre eine gute Überschrift.“