Steyler Missionare in Sankt Augustin

Tausende Besucher kommen zum Klosterfest

SANKT AUGUSTIN. 20.000 Menschen haben am Wochenende mit den Steyler Missionaren in Sankt Augustin das Klosterfest gefeiert. Zauberpater Hermann Bickel feierte seinen Abschied. Auch ein Friedenspreis wurde vergeben.

Eine Nonne aus Afrika in weißem Gewand bewegte sich verzückt zu den Klängen, die von der großen Bühne herunter schwappen. „Sound of Africa“, ein afrikanisches Ensemble aus Bonn sorgte dafür, dass nicht nur die Nonne, sondern auch zahlreiche weitere Besucher des Sankt Augustiner Klosterfests tanzten. Wenn es eines Bildes bedurfte, wie Vielfalt in Einheit gelebt werden kann, dann war es dieses. Das Fest lockte am Samstag und Sonntag rund 20.000 Besucher auf das 15 Hektar große Areal der Steyler Missionare.

Zwei Jahre Vorbereitung, 600 ehrenamtliche Helfer, insgesamt 150 Programmpunkte und etwa 400 Künstler, die mit ihren Darbietungen zwei Tage lang die Besucher unterhielten – allein die Zahlen sind beeindruckend. Seit der ersten Auflage ist es deutlich gewachsen: Waren es beim ersten Klosterfest 2002 gerade mal 3000 Besucher, genossen 2016 bereits rund 20.000 Gäste das Fest.

„So viele sind es auch an diesem Wochenende gewesen“, sagte Nils Sönksen, Sprecher der Steyler Missionare. „Das Fest ist natürlich mit großem Aufwand verbunden, der ohne die ehrenamtlichen Helfer gar nicht zu stemmen ist. Deshalb findet es traditionsgemäß nur alle drei Jahre statt“, sagte Sönksen. Einer dieser Helfer ist laut Sönksen sogar eigens aus Bayern angereist, um mit anzupacken.

Fest stand unter dem Motto #buntewelt

Das zweitägige Programm, das unter dem Motto „#buntewelt“ stand, bot etwas für jeden Geschmack. Zwar konnten die Fallschirmspringer der Bundespolizei wegen widriger Windverhältnisse nicht über dem Festgelände abspringen. Zum Ausgleich waren die Sankt Augustiner Bundespolizisten aber mit einem Hubschrauber auf dem Sportplatz des Steyler-Areals gelandet. Der Helikopter konnte von den Besuchern während der Festtage als Ausstellungsobjekt unter die Lupe genommen werden.

Zahlreiche Auftritte von unterschiedlichen Künstlern sorgten für großen Andrang vor den beiden Veranstaltungsbühnen, aber auch in der Aula des Klosters. Dort trat Diakon, Kabarettist und Büttenredner Willibert Pauels vor vollem Haus auf. Bekannte Bands wie „Cat Ballou“ und die „Räuber“ rockten das Publikum mit ihren kölschen Hymnen, der Musikverein „Siegklang“ aus Meindorf sorgte für Swing und Jazz und Bruce Kapusta lud zu seiner „Trompeten-Gala“ ein. Für die Kinder gab es zahlreiche Attraktionen wie ein Bungeetrampolin.

Wer sich vom Fest etwas erholen wollte, traf sich in der „Chill-out-Area“. Geistliche Impulse gab es zudem bei einer Taizé-Nacht und bei einem interkulturellen Festgottesdienst, bei dem Menschen aus Deutschland, Polen, Indonesien oder Vietnam religiöse Zeichen setzen. „Wir wollen, dass sie sich zwei Tage lang wie im Himmel fühlen“, sagte Pater Piotr Adamek, scheidender Rektor des Missionspriesterseminars der Steyler in Sankt Augustin, während seiner Eröffnungsrede. Nach drei Jahren an der Spitze des Missionspriesterseminars geht Adamek in Kürze nach Taiwan, um dort an der Fu-Jen Universität zu dozieren. Sein Nachfolger Pater Polykarp Ulin Agan aus Indonesien kam am Samstag zur Eröffnung ebenfalls auf die Bühne, um die Gäste zu begrüßen.

Friedenspreis "Engel der Kulturen" vergeben

Teil des Festes war auch eine kleine Preisverleihung. Daoud Nassar (48), ein in der Nähe von Bethlehem lebender palästinensischer Christ, erhielt für sein Engagement den Friedenspreis „Engel der Kulturen“, der von den Künstlern Carmen Dietrich und Gregor Merten entwickelt wurde. Zudem gab es eine Spende in Höhe von 2700 Euro vom Sankt Augustiner Verein „JugendInterKult“, der zu der Preisverleihung eingeladen hatte. Nassar lebt mit seiner Familie unter israelischer Besatzung auf einem 42 Hektar großen Weinberg und kämpft seit 27 Jahren um den Erhalt seines Landes.

„Ich darf nicht bauen, bekomme kein Wasser und keinen Strom“, erzählte Nassar während seines Vortrages „Wir weigern uns, Feinde zu sein“. „Wir sammeln Wasser in Zisternen, verwenden Solarzellen und leben in unterirdischen Wohnungen“. Trotz der Besatzung lebt er ohne Aggression. Der Friedenspreis, der einen Metallkreis darstellt, in dem das Kreuz, der Halbmond und der Davidstern als Symbole dieser drei Religionen zwar in gebührendem Abstand, aber dennoch vereint, dargestellt sind, gehört zum Kunstprojekt „Engel der Kulturen“, mit dem sich Dietrich und Merten seit Jahren gegen Ausgrenzung und Fremdenhass einsetzen.

Zu den Höhepunkten des Festes gehörten die beiden Abschlussauftritte des Zauberpaters Hermann Bickel . Zum letzten Mal bekamen die zahlreichen Zuschauer von dem mittlerweile über 80-jährigen Pater den Spruch „Himmel, Hummel, Schimmel, Schummel, dreimal schwarzer Pater“ zu hören und durften unter anderem sehen, wie er eine Cola-Flasche in eine Maggi-Flasche verwandelte.