Fernseh-Wettermann zu Besuch in Rhein-Sieg-Gymnasium

Sven Plöger referiert in Sankt Augustin über den Klimawandel.

Back to the roots: Sven Plöger referiert in seiner alten Heimat Sankt Augustin.

Back to the roots: Sven Plöger referiert in seiner alten Heimat Sankt Augustin.

SANKT AUGUSTIN. Das Rhein-Sieg-Gymnasium in Sankt Augustin war einst seine Schule. Jetzt kam Sven Plöger, inzwischen bundesweit bekannter und anerkannter Meteorologe, in seine alte Heimat zurück: Er referierte unterhaltsam über den Klimawandel.

Händeschütteln, Umarmungen und Hallo: Sven Plöger hatte am Montagabend ganz offensichtlich ein Heimspiel. Er kehrte nicht nur in seine Heimatstadt Sankt Augustin zurück, wo er 25 Jahre verbracht hatte, sondern erlebte in seiner alten Schule ein Wiedersehen mit einstigen Lehrern. Der Fernseh- und Radio-Wettermann referierte auf Einladung des Büros für Natur und Umweltschutz in der Aula des Rhein-Sieg-Gymnasiums zum Thema „Klimawandel: Gute Aussichten für morgen?“.

Zahlreiche interessierte Gäste folgten dem sprachgewandten Meteorologen, der vor seinem Vortrag zunächst ausgiebig aus dem Nähkästchen seiner Schulzeit plauderte. „An Geographie habe ich nicht sehr viele tolle Schulerlebnisse, ich konnte Physik und Mathematik“, verriet er. Auch Erdkunde sei für ihn in dem Moment interessant geworden, als das Thema „Wetter und Klima“ dran kam.

Plaudereien aus der Schulzeit

Die Klassenarbeit, die von seinem damaligen Erdkundelehrer Ulli Isenböck bewertet wurde, habe er aufbewahrt. Darunter habe gestanden „65 von 32 Punkten, nicht bewertbar“. Natürlich habe er nachgefragt, was das denn solle. „Es gab in der Arbeit 32 Punkte und ich hatte 65, das war ein tolles Erlebnis.“

Das Gegenbeispiel lieferte Plöger den Schülern im Auditorium postwendend – aus dem Fach Latein. Seine Lehre daraus: „Wenn man keine Vokabeln lernt, dann kann man auch nicht übersetzen.“

Erst nach gut 20 Minuten kam Plöger zum Thema. Temperamentvoll beschäftigte er sich mit Klima, Wetter, dem Unterschied zwischen diesen Begriffen, die so oft verwechselt werden, und der Forderung nach politischen Maßnahmen zur Energiewende. „Stellen Sie sich vor, wir machen eine gute Energiewende und die Chinesen machen sie nach – was sie ja besonders gut können“, wandte er sich am Ende des Vortrags an das Publikum. „Dann haben wir ein Stück weit die Welt gerettet.“

Was ist Klima, was ist Wetter?

Plöger weiß, dass Menschen nur dann reagieren, wenn sie emotional angesprochen werden, und ließ sich dazu einiges einfallen. Riesige Hagelkörner, zugeschneite Autobahnen und überschwemmte Straßen rief er seinen Zuhörern mit entsprechenden Bildern ins Gedächtnis. „Das Klima ist die Statistik des Wetters, gemittelt über 30 Jahre, und das Wetter ist der physikalische Zustand der Atmosphäre, und der ist fühlbar“, erklärte Plöger.

Mit dem Irrglauben, der Mond habe irgendetwas mit dem Wetter zu tun, räumte der Meteorologe ebenso plastisch auf wie mit der Sinnhaftigkeit medialer Reaktionen auf kurzfristige Wetteränderungen. Die Feststellung „Ja, es wird wärmer“ illustrierte er mittels einer Wäscheleine, an der eine Reihe immer kleiner werdender Unterhosen hing.

Wer sich daraufhin schon zum Hobbymeteorologen berufen fühlte, wurde von Plöger jedoch ebenso eindrucksvoll wieder in die Realität zurückgeholt: mit einer Seite voller mathematischer Formeln. Das Klima werde durch die Atmosphäre, die Hydrosphäre (die Meere), das Eis, das Gestein und die Biosphäre (die Lebewesen) verändert, und „erst alles zusammengenommen ergibt das Erdsystem“.

Donald Trump kriegt sein Fett weg

Dennoch seien 50 bis 75 Prozent der weltweiten Veränderungen auf den Menschen zurückzuführen. „Das ist nicht so wenig, als dass wir das vernachlässigen könnten“, forderte Plöger mehr Engagement. „Wir sind Täter und am Ende Opfer unserer eigenen Taten“, stellte er fest.

Er scheute sich nicht, auch politisch Position zu beziehen. Immer wieder hatte Plöger den amerikanischen Präsidenten Donald Trump im Visier. „Es gibt viele Menschen, die komische Dinge machen, nur schade, wenn sie amerikanischer Präsident werden.“

Er haderte mit der aktuellen Situation in den USA, aber auch mit dem zutiefst menschlichen Verhalten aller. „Wir wollen keine Windräder, keine Kraftwerke und keinen Kohlebergbau. Wir wollen nur gerne Strom aus der Steckdose.“ Das wiederum sei physikalisch höchst anspruchsvoll gedacht, kommentierte Plöger augenzwinkernd, bevor er seine Zuhörer in den Abend entließ.