Diskussion zum Flugplatz Hangelar

Streit um Platzrunden, Gyrokopter und Wartungen

Heiße Diskussion um den Flugplatz: Mehr als 160 Bürger kamen ins Haus der Nachbarschaft.

Sankt Augustin. Das Thema Fluglärm war, ist und bleibt in Hangelar ein heißes Thema, bei dem jedes Wort in die Waagschale geworfen wird. Das wurde bei der Podiumsdiskussion im Haus der Nachbarschaft deutlich, zu welcher der General Anzeiger nicht nur mehr als 160 Bürger, sondern auch acht Vertreter beider Fluglärmseiten empfing.

Während die einen auf Einhaltung der Platzrunde und Kontrollen pochen, stören sich andere nur an Gyrokoptern. Wiederum andere haben mit beidem kein Problem, leiden jedoch unter dem Bodenlärm der Hubschrauberwartungen von Bundespolizei und ADAC-Luftfahrttechnik.

Doch ein Vorwurf der Gegner war klar zu erkennen: Maßnahmen gegen Lärm würden von Fliegern, Gewerbe, Stadt und Flugplatzbetriebsgesellschaft nur halbherzig betrieben. "Lärm macht krank: Früher war Lärm ein Zeichen des Fortschritts, heute ist Lärm ein Zeichen des Rückschritts", stellte Bernd Heistermann vom Arbeitskreis Hubschrauberlärm auf dem Podium klar.

Ein Gast konterte: "Als Arzt habe weder ich Schaden genommen noch in all meinen Jahren Lärmschäden behandeln müssen. Es wäre in der Zeit prüfen zu lassen, ob dieser Lärm wirklich so schädlich ist." Dass Lärm nicht gleich Lärm ist, betonte Eduart Jansen: Seit 39 Jahren lebe er direkt in der Einflugschneise.

"Ich hatte immer meinen Frieden mit dem Flugplatz geschlossen. Hochgeschaukelt hat sich das mit den Gyrokoptern, die machen einen extremen Lärm." Dabei seien sowohl die Zahl der stationierten Gyrokopter in Hangelar auf acht begrenzt und alle acht leiser umgerüstet worden, sagte Walter Wielpütz, Geschäftsführer der Flugplatzgesellschaft.

Verbieten könne er die Gyrokopter aus Rechtsgründen allerdings nicht, erklärte Wielpütz, dem sogleich der Gegenwind von Manfred Roth, Bürgerinitiative gegen Fluglärm, entgegenwehte: Man könne, wenn man wolle. Ähnlich scharf die Vorwürfe zur Kontrolle der Platzrunde: Die Flieger seien vorgewarnt worden, die Kontrolleure stünden an falschen Orten, das Lasermessgerät sei falsch eingesetzt worden.

Eine Platzrunde exakt auf der Mittellinie einzuhalten sei praktisch unmöglich, erklärte Dirk Wittkamp von der Fliegergemeinschaft: "Der Pilot folgt keinem Strich, sondern der Kontur, einem Korridor. Die einen sagen, 90 Prozent der Flieger fliegen zu weit auf der einen Seite; die anderen sagen, 90 Prozent fliegen zu weit auf der anderen Seite.

Das geht nicht, zeigt aber das Problem: Aus der Ferne ist es nicht möglich zu sagen, ob ein Flieger die Platzrunde einhält oder nicht." Sein Angebot an die Kritiker: einmal mitfliegen oder die Kontrollen der Bezirksregierung Düsseldorf begleiten. Denn die sei sehr wohl tätig, stellte Wittkamp klar: Von 300 zuletzt kontrollierten Piloten seien elf Anflüge beanstandet worden.

Gegen zwei Piloten sei ein Verfahren eingeleitet worden. "Da passiert doch eh nichts" schallte es aus dem Publikum, ehe Klaus Martini, Leiter einer Flugschule, ans Mikrofon trat: 600 Euro Bußgeld habe einer seiner Fluglehrer zahlen müssen, 7000 Euro sollte er im Wiederholungsfalle zahlen. "Und damals wurde nur gesagt - nicht gemessen - , dass er falsch geflogen sei. Der Pilot fliegt heute nicht mehr."

Auch konstruktive Anregungen, etwa zur besseren Orientierung der Piloten in der Platzrunde oder zum Bau von Schallschutzbauwerken, kamen aus dem Publikum. Letztlich war es Siegfried Königsfeld, der in der Diskussion noch einmal einen Schritt zurückging und ein Grundsatzproblem auf den Tisch brachte: "Lärm ist subjektiv.

Wenn ich meinen Nachbarn mag, akzeptiere ich, dass er gelegentlich zu laute Partys macht. Wenn ich ihn nicht mag, stört mich jedes noch so leise Geräusch," sagte der wissenschaftliche und mit Schallschutz erfahrene Mitarbeiter einer Hochschule und warb um Besonnenheit: "Lärm stört mich nur dann, wenn er mich stören will."