Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

Starthilfe für junge Unternehmer in der Region

Sankt Augustin. Auf dem Business Campus finden Existenzgründer optimale Bedingungen für den Weg in die Selbstständigkeit. Rund 40 Unternehmen mit rund 140 Arbeitsplätzen sind derzeit an den beiden Standorten ansässig.

Im Flur duftet es wie in einem Teekontor. Die Tür zur Cuppabox auf dem Business Campus an der Marie-Curie-Straße in Sankt Augustin steht weit offen, wenn Martina und Rainer Pack nicht gerade auf Geschäftsreise sind. Schwarzer Tee, Grüner Tee, Rooibos-, Früchte- und Kräutertee liegt, abgepackt in 30- Gramm-Tüten, in sorgfältig aufeinander gestapelten Boxen. Von ihrem Büro aus verschicken sie pro Monat drei ausgewählte Sorten in einer „Tee-Box” an ihre Kunden. Dazu kommen noch ein kleines Geschenk und eine Broschüre. „Viele Kunden kaufen im Laden eher die gängigen Teesorten”, sagt Martina Pack. „Mit der Cuppabox kann jeder neue Trends oder andere Geschmacksrichtungen testen, ohne monatelang immer denselben Tee trinken zu müssen.“ Wer seinen Lieblingstee gefunden hat, kann ihn online mit der nächsten Box nachbestellen. Und wer vom Tee erstmal genug hat, kann das Abonnement auf Kaffee umstellen.

Das Unternehmen ist eines von vielen guten Beispielen, die Starthilfe und Begleitung auf dem Business Campus an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg bekommen und sich erfolgreich am Markt behauptet haben. „Zwischen dem Business Campus und der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg entstehen so ganz neue gemeinsame Projekte”, sagt Udo Scheuer, der seit 15 Jahren an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg arbeitet und Leiter des Zentrums für Wissenschafts- und Technologietransfer ist. „Wir fördern das und schauen, wie andere davon lernen können”, so Scheuer.

Business Campus vor 14 Jahren gegründet

Vor 14 Jahren wurde der Business Campus in unmittelbarer Nachbarschaft zur Hochschule Bonn-Rhein-Sieg gegründet. Für Existenzgründer und innovative Unternehmen ist er eine sehr begehrte Adresse, denn auf insgesamt 3000 Quadratmeter Fläche vermietet er moderne und bezahlbare Büros und Konferenzräume. Mehr als 90 Prozent der vermietbaren Flächen sind derzeit belegt. Rund 40 Unternehmen mit rund 140 Arbeitsplätzen sind an den beiden Standorten in Sankt Augustin und Rheinbach ansässig. Meist handelt es sich hierbei um Firmen, die von Studenten oder auch durch Professoren der Hochschule gegründet worden sind. Der Business Campus bietet darüber hinaus auch Beratungen und Hilfe bei der Erstellung von Business-Plänen und für Unternehmensfinanzierungen an. Bis zu fünf Jahre können sich die Unternehmen einmieten. Spätestens dann verlassen die meisten den Business Campus, zumeist auch, weil sie weiter expandieren wollen.

2016 haben Martina und Rainer Pack das Unternehmen Cuppabox übernommen und dürfen somit noch bleiben. Inzwischen haben sie mehr als 40 000 Boxen verschickt. Mit ihrem flexiblen Verkaufsmodell haben sie Erfolg und bei Trusted Shops eine sehr gute Bewertung. Sie bestellen nur bei den besten Teehäusern und Kaffeeröstereien. Das Abo ist monatlich kündbar, es gibt Geschenkabos, oder man kann sich Tee oder Kaffee auch nur alle zwei Monate liefern lassen. Die Teemischungen variieren je nach Jahreszeit. „Der Tee 'Cold Chocolate', kalt getrunken, ist jetzt ideal für die Sommerzeit”, sagt Martina Pack und lässt schon mal die Flurnachbarn probieren. Die wissen das „tea tasting” während der Arbeitszeit durchaus zu schätzen, und Martina Pack weiß sofort, welche Teesorten auch bei ihren Kunden gut ankommen.

Auf der Suche nach Studierenden

Nur wenige hundert Meter weiter am Standort Grantham-Allee ist die Firma SIDACT angesiedelt. Die von ihr speziell entwickelten Datenkomprimierungslösungen für Crash-Tests sind in der Autoindustrie sehr gefragt. Dank numerischer Simulation kann etwa eine Unfallsituation im Rechner gespiegelt werden. Auf dem Bildschirm erscheint das Fahrzeug einer bekannten Automarke. Auf der Fahrerseite wird ihm eine Barriere hineingeschoben, bis der Airbag aufgeht. Am Computer lassen sich die Frontscheibe oder das Dach öffnen, und jetzt ist auch der Fahrer zu sehen. Die Auswirkungen des Crashs sowie die Kräfte, die beim Öffnen des Airbags auf ihn gewirkt haben, lassen sich nun leicht berechnen. Diese Simulation spart den Unternehmen viel Geld und Zeit. Denn sie brauchen immer weniger Fahrzeuge für einen realen Crashtest mit einem Testdummy.

Geschäftskunden von SIDACT sind unter anderem die Daimler AG, BYD Auto Company Limited aus China und Tata Motors aus Indien. „Zwei Drittel aller Pkw weltweit werden von unseren Kunden gebaut”, so Clemens-August Thole. „Wir arbeiten natürlich auch mit allen deutschen Automobilherstellern zusammen.“ Mit seinem Start-up hat sich der ehemalige Mitarbeiter des Fraunhofer-Instituts für Algorithmen und wissenschaftliches Rechnen (SCAI) im Jahr 2013 auf dem Business Campus in Sankt Augustin angesiedelt. In seinem Büro arbeiten inzwischen sieben Mitarbeiter, drei Teilzeitkräfte und sechs Studenten von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Sie absolvieren hier ihr Praxissemester oder arbeiten an ihrem Bachelor, am Master oder der Promotion. „Der Standort in unmittelbarer Nähe zur Hochschule Bonn-Rhein-Sieg ist für unser Unternehmen von entscheidender Bedeutung. Hier finden wir junge Leute, die nach dem Studium direkt bei uns einsteigen können.” Clemens-August Thole sucht vor allem Studierende, „die eine Liebe zum Programmieren und idealerweise Informatik mit technischem Hintergrund studiert haben.“

"Früchte der Arbeit selbst ernten"

Auf den Business Campus setzt auch Axel Ifland, der gerade mit seiner neu gegründeten Firma inmex GmbH in das Gebäude an der Grantham-Allee eingezogen ist. Das Unternehmen optimiert Kunststoffverarbeitungsmaschinen wie Spritzgießmaschinen und Extruder hinsichtlich ihrer Energieeffizienz. Bis Mitte Juli arbeitete der Maschinenbauingenieur im Rahmen des Gründer-Stipendiums „Start-up NRW“ als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule. Schon während seines Studiums interessierte sich der 31-Jährige für das Thema Energie und Energieeffizienz. Über seine Abschlussarbeit kam er zur Kunststoffbranche, wo er einige Zeit arbeitete. „Bei der Kunststoffverarbeitung wird Granulat aufgeschmolzen und in Form gebracht“, erklärt er.

Ifland hat das dabei eingesetzte Heizsystem überarbeitet und effizienter gestaltet. Seine Kunden, Betreiber von Kunststoffverarbeitungsmaschinen, können das System nun herstellerunabhängig nachrüsten. Am Gründerdasein reizt ihn die Möglichkeit, eigene Ideen umzusetzen. „Und am Ende auch selbst die Früchte der Arbeit zu ernten.“