Schüler debattieren mit Experten

Speed-Debating in Sankt Augustin

Sankt Augustin. Beim ersten Speed-Debating löchern 50 Jugendliche der weiterführenden Schulen in Sankt Augustin Bürgermeister, Amtsleiter und Politiker mit ihren Fragen. Jeder Teilnehmer notierte sich die Wünsche und Verbesserungsvorschläge, die ausgewertet werden sollen.

Das musste ja so kommen: Gerade dann, wenn Schüler beim ersten Speed-Debating mit Experten aus Verwaltung und Politik diskutieren sollen, ist die Toilette in der Hauptschule Niederpleis verstopft. Da blieb auch Sankt Augustins Bürgermeister Klaus Schumacher nur ein Schulterzucken und der Anruf beim Hausmeister übrig. Als er aber Jugendlichen gegenübersaß und sie ihn auf die leidigen Themen Schulausstattung und Vandalismus ansprachen, konnte er mehr dazu sagen. „Was die Unterrichtsmaterialien angeht, können wir von der Stadt etwas ändern. Doch Vandalismus muss von euch gemeldet und unterbunden werden“, erklärte er zwei Schülerinnen.

Vier Minuten dauerte jede der 20 Runden, in denen die knapp 50 Jugendlichen der weiterführenden Schulen die Amtsträger am Dienstag löchern durften. Begonnen und beendet wurden die Gespräche immer durch einen lauten Gong, dann rückten die Schüler einen Tisch weiter. Meistens hatten sich die Jugendlichen auf ein Thema spezialisiert und nicht für jedes Gebiet Fragen notiert. Dann konnte man auch mal mit dem Bürgermeister über die Rathauserstürmung philosophieren.

Verbesserungsvorschläge auch für den Nahverkehr

Die Realschülerinnen Lara Klipphahn (13) und Jana Grinovic (14) fieberten dem Treffen mit den Vertretern der Rhein-Sieg-Verkehrsgesellschaft (RSVG) entgegen. „Die Linie 517 ist völlig überfüllt, die Luft ist schlecht, es wird geschwitzt, und alle kleben mit ihrer Haut aneinander“, sagte Grinovic. Bildlicher hätte sie die Situation wohl nicht schildern können. „Ich muss morgens einen Bus früher nehmen, weil ich sonst nicht mehr reinpasse. Dann bin ich aber schon eine Stunde vor Schulbeginn da und muss ewig warten.“ Sie machte auch Lösungsvorschläge. „Warum gibt es nicht einen großen Gelenkbus, so wie das oft in Bonn gemacht wird?“ Ein guter Ansatz, wie Marcus Schäfer von der RSVG zugeben musste. „Doch wir haben das Problem, dass die Wege für die großen Busse durch Hangelar zu schmal sind.“ Was übrig bliebe, wären noch mehr Busse einzusetzen als ohnehin schon. „Das werden wir prüfen“, versprach er den Mädchen.

 

Einen Tisch weiter bei Torsten Ehlert vom Kultur- und Sportamt waren Klipphahn und Grinovic nicht so gut vorbereitet und tauschten mit dem Experten die Rollen. Nun wollte Ehlert wissen, was die Jugendlichen bewegt. Nutzen sie die Stadtbibliothek? Kennen sie das Online-Ausleihangebot? Welchen Sport treiben sie? Und wie gut werden sie durch Plakate über die Veranstaltungen in der Stadt informiert?

Jugendliche an kulturellen Angeboten interessiert

Dieser Blickwinkel war für Stadtplaner Rainer Gleß besonders lehrreich. „Mich hat die Veranstaltung wieder daran erinnert, die Stadt wieder mehr mit den Augen der Jugendlichen zu sehen“, sagte Sankt Augustins Erster Beigeordneter. Vor allem bei den Gesprächen über das Zentrum bekam er neue Eindrücke. „Da geht es gar nicht so um den Kommerz, den die Politik ständig diskutiert.“ Stattdessen interessierten die Jugendlichen kulturelle Angebote wie Musikkonzerte und Theater.

Jeder Teilnehmer notierte sich die Wünsche und Verbesserungsvorschläge, die nun zusammengefasst und ausgewertet werden sollen. Auch Telefonnummern wurden ausgetauscht. Denn falls für die Entscheidungen der Stadtrat eingebunden werden muss oder größere finanzielle Mittel nötig sind, sollen die Jugendlichen eine Rückmeldung erhalten – spätestens jedoch beim Speed-Debating im nächsten Jahr.