Detektivarbeit und kuriose Geschichten

So arbeitet eine Ahnenforscherin in Sankt Augustin

Waltraud Boß hat einen kurzweiligen und informativen Vortrag zur Ahnenforschung vorbereitet.

Waltraud Boß hat einen kurzweiligen und informativen Vortrag zur Ahnenforschung vorbereitet.

Sankt Augustin. Sie ist seit Ahnenforscherin bei der Finanzverwaltung des Landes NRW und hat ein dreibändiges Ortsfamilienbuch für Sankt Augustin verfasst. Im Stadtarchiv sprach Waltraud Boß über die Arbeit eines Ahnenforschers und gab praktische Tipps für den Einstieg.

Es ist eine mitunter mühsame detektivische Arbeit, der sich Waltraud Boß verschrieben hat, aber eine Arbeit, die so manch kuriose Geschichte und heitere Überraschungen parat hält. Und damit ist nicht ihr Beruf als Betriebsprüferin bei der Finanzverwaltung des Landes NRW gemeint: Als Ahnenforscherin hat sie sich in den vergangenen 14 Jahren in die Suche nach Quellen und Zeugnissen der Existenz ihrer Vorfahren eingearbeitet und in diesem Zusammenhang unter anderem ein dreibändiges und mehr als 1413 Seiten starkes Ortsfamilienbuch für die Zeit von 1652 bis 1986 für Sankt Augustin verfasst.

Ein Fachwissen, dass Waltraud Boß am Mittwoch auf Einladung von Stadtarchivar Michael Korn nur zu gern an Interessierte weitergab. Und an Interessierten mangelte es wahrlich nicht – die Räume des Stadtarchivs stießen an ihre Grenzen. Nicht nur Recherchehilfen, Erklärungen und Quellen hatte die Ahnenforscherin vorbereitet, sondern auch praktische Tipps für den Einstieg parat: „Zuerst sollte man mit den noch lebenden alten Verwandten reden. Das Langzeitgedächtnis funktioniert meist noch hervorragend. Jeder Ort, jedes Datum und jeder Name, den man findet, bringt einen weiter.“

Ahnenforschung bringt Überraschungen zutage

Auf Papier, mit Hilfe der sogenannten Kekule-Nummerierung und heute auch mit dem Computer, lassen sich die Daten sortieren, einordnen und miteinander verknüpfen. Gerade die Verknüpfungen der Vorfahren- und Familienzweige bringe manchmal Überraschungen mit sich, so Boß: „So habe ich herausgefunden, dass meine langjährige Bürokollegin und ich einen gemeinsamen Vorfahren im Westerwald haben. Wir haben den Stammbaum ausgedruckt, der hängt jetzt im Büro.“

Ein anderes Kuriosum, den sogenannten „Ahnenschwund“, erleben zuweilen Ahnenforscher, die familiäre Wurzeln in kleinen, entlegenen Dörfern mit wenigen Einwohnern suchen. „Gab es im Ort kaum Einwohner und wenig Auswahl, wurde früher auch mal ein entfernter Verwandter geheiratet“. Mit gemeinsamen Vorfahren schwinden die Ahnen und ein aufgezeichneter Stammbaum bleibt schlanker als üblich. Bei der Recherche der Vorfahren kommt Ahnenforschern im Rheinland Kaiser Napoleon zugute: Im Linksrheinischen führten die französischen Besatzer etwa ab 1810 penible Personenstandsregister ein. Im übrigen Preußen sei das erst um 1870 geschehen.

Kirchbücher geben tieferen Einblick in die Vergangenheit

Wer weiter in die Vergangenheit einsteigen will, ist auf sogenannte Kirchbücher angewiesen, sofern sie noch vorhanden sind: „In der tiefen Eifel oder dem Westerwald hat man oft noch Glück, da dort der Dreißigjährige Krieg weniger Verwüstung gebracht hat. Andernorts wurden die Kirchbücher zerstört.“

Wer tatsächlich Urkunden, Registereinträge und Bücher zu Vorfahren gefunden hat, darf diese mit dem Nachweis eines begründeten Interesses für die Ahnenforschung meist auch lesen. Oder es zumindest versuchen: Selbst für geübte Leser sei so manches Dokument eine Herausforderung, erst recht, wenn es der Verfasser mit der Schönschrift nicht so genau nahm, zeigte Waltraud Boß: „Man findet diese Handschrift auch im Kölner Archiv, aber in Siegburg hat der Beamte einige Jahre besonders eifrig gewütet. Die Urkunden sind daher leider fast unlesbar.“