Jugendtaxi in Sankt Augustin

Sicher auf den nächtlichen Heimweg

Das Jugendtaxi: GA-Mitarbeiterin Hannah Würbel mit Initiator Nico Schmied (rechts) und Taxifahrer Bernd Schading.

Das Jugendtaxi: GA-Mitarbeiterin Hannah Würbel mit Initiator Nico Schmied (rechts) und Taxifahrer Bernd Schading.

Sankt Augustin. Der GA hat das Sankt Augustiner Vorzeigeprojekt für junge Menschen getestet. Das kostengünstige Angebot gilt für 14- bis 24-Jährige zwischen 21 und 6 Uhr am Freitag- und Samstagabend. Fünf Euro Rabatt gibt es für jede Fahrt.

Sicher nachts von einer Party nach Hause zu kommen, stellt für viele Jugendliche und junge Erwachsene gerade in abgelegenen Gebieten in Sankt Augustin eine Herausforderung dar. Ab Mitternacht fährt kaum noch ein Bus, und die Stadtbahn 66 bedient nur einen kleinen Teil der Stadt. Seit gut einem Jahr existiert nun das Jugendtaxi, das genau diesem Problem Abhilfe verschaffen soll. Doch wie funktioniert es genau? Das will ich herausfinden.

Das Angebot gilt für 14- bis 24-Jährige zwischen 21 und 6 Uhr freitag- und samstagabends. An bestimmten Feiertagen und Festen in der Stadt gilt es auch manchmal unter der Woche, wie zum Beispiel während der Sportwoche in Menden. Von dort will ich nach Sankt Augustin-Ort gelangen.

Vor Ort informiert mich Tim Thieves, 17, schon im Voraus. Er nutzt das Jugendtaxi regelmäßig. „Ich rufe immer früh genug an, damit ich nicht noch alleine warten muss, bis das Taxi da ist“. Nach einem Anruf beim Taxi-Ruf unter der Rufnummer 0 22 41/ 33 33 33 wird ein Taxi losgeschickt. Besonders wichtig sei es, gleich am Telefon zu sagen, dass man gerne mit dem „Jugendtaxi“ fahren möchte, so Nico Schmied, Initiator und Verantwortlicher des Projekts. Nicht alle Taxifahrer nehmen die Coupons an, die den Schülern und Studenten Rabatte ermöglichen. „Mit der Taxigenossenschaft Rhein-Sieg-Agger gibt es aber eine gut funktionierende Kooperation.“

Der 28-jährige hatte die Idee für das Jugendtaxi: „Als Trainer einer Damenmannschaft des SV Menden habe ich mir natürlich oft die Frage gestellt, wie alle Mädels sicher nach Hause kommen“. Auch ein klassischer Partyunfall in seiner Umgebung habe ihn in seiner Überlegung beeinflusst. Gerade das Thema Sicherheit auf dem Heimweg beschäftigt viele Eltern und ihre Kinder. Teresa Kohler, 22, ist froh, nun nach einer Feier das Taxi nutzen zu können. „Gerade die Kriminalität auf den Straßen macht mir Angst, und so habe ich einen sicheren Heimweg, egal wie kurz er ist.“

Schmied sieht für das Projekt aber auch noch Luft nach oben. „Bisher bedient das Jugendtaxi nur die Stadt Sankt Augustin. Das muss sich ändern.“ Auch benachbarte Kommunen hätten schon Interesse angemeldet, sehr viel sei aber bisher noch nicht passiert. Dabei könne man, so Schmied, sehr gut kooperieren.

Ein weiterer Verbesserungswunsch ist die Verteilung der Coupons, die bisher hauptsächlich über das Jugendzentrum Sankt Augustin und die Schülervertretungen erfolgt. Junge Erwachsene, die nicht mehr zur Schule gehen, haben wenige Anlaufpunkte, um Coupons zu erhalten. Schmied freut sich besonders, wenn Veranstalter und Vereine direkt auf ihn zukommen. Dann könne er kostenlos Coupons zur Verfügung stellen, die dann dort ausliegen. Das funktioniere schon bei manchen Dorffesten in der Stadt, sei aber noch erweiterbar.

Nach einer Weile ist auch mein Taxi da. Fahrer Bernd Schading stellt sich mir als „Böörni“ vor und nimmt den Coupon entgegen: „Ich habe selber vier Kinder“, erzählt er. „Deshalb kann ich das Projekt auch nur unterstützen.“ Gerade für junge Menschen spielt auch der Kostenaspekt eine wichtige Rolle. Ein Gutschein erstattet fünf Euro und wird nur von Sponsoren und über Spenden finanziert. Deshalb bin ich erfreut zu sehen, dass meine Taxifahrt mit den Coupons relativ günstig ist.

In wenigen Minuten bin ich in Sankt Augustin-Ort und zahle für eine Strecke, für die ich sonst zehn Euro bezahlt hätte, nur die Hälfte des Preises. Pro Person kann zwar nur ein Gutschein pro Fahrt eingelöst werden. Fährt man aber mit mehreren zusammen, können auch mehrere Coupons verwendet werden.

Zum Abschied überreicht mir „Böörni“ noch seine Visitenkarte und sagt: „Das ist eine super Sache!“ Davon bin auch ich überzeugt. Fährt nachts kein Bus mehr, werde ich demnächst sofort auf das Jugendtaxi zurückkommen.