Realschule Niederpleis

Schüler erfahren Chancen und Risiken digitaler Kanäle

Rollenspiel: Erik Walter (links) probt mit Louis Kahia ein Interview, wie man es in Blogs, Social Media oder auf anderen digitalen Plattformen verwenden könnte.

Rollenspiel: Erik Walter (links) probt mit Louis Kahia ein Interview, wie man es in Blogs, Social Media oder auf anderen digitalen Plattformen verwenden könnte.

Sankt Augustin. Schüler der Realschule Niederpleis setzten sich im Smart Camp mit digitalen Medienkanälen auseinander. Themen wie Cybermobbing, Live-Hacking persönlicher Daten und Fake-News standen auf der Agenda.

Fotos von Freunden und aus dem Urlaub, ein Videoschnipsel von der letzten Party, ein paar nette oder vielleicht auch kritische Kommentare zu Beiträgen anderer User, die wiederum selbst in Summe unglaubliche Mengen an Informationen tagtäglich ins Netz stellen: Die Informationsflut in sozialen Medien, Online-Plattformen, Nachrichtenportalen, Blogs und anderen Kanälen ist schier gigantisch. Geteilt und verbreitet werden Nachrichten, Meinungen, viel Belangloses, aber auch Gefährliches. Gefährlich deshalb, weil Absender mit unterschiedlichsten Absichten und maßgeschneiderten Inhalten insbesondere in der Quellenbewertung unerfahrene und oftmals junge Empfänger für sich und ihre Ideen, Meinungen und Ziele gewinnen wollen.

Mit der Vermittlung von Medienkompetenz allein ist es nicht getan, sagt Frank Windeck, Koordinator für Medien und Entwicklungspolitik bei der Konrad-Adenauer-Stiftung: „Junge Menschen müssen auch verstehen, was sie sehen, sie müssen die Hintergründe kennen. Daher brauchen junge Menschen nicht nur Kompetenzen im Umgang mit Medien, sondern auch die Inhalte. Beides zusammen ist wichtig, um mündige Bürger zu erziehen.“

Die CDU-nahe Stiftung und das Bonner Unternehmen BG 3000, das sich auf digitale Bildungs- und Gesellschaftsunternehmen spezialisiert hat, haben beides, Kompetenz und Inhalte, in einem „Schüler Smart Camp“ vereint, um mit versierten Medientrainern und Digitalexperten Schülern in einem dreitägigen Workshop die Chancen und Risiken digitaler Kanäle zu vermitteln. Ein Angebot, das von den Schülern der Realschule Niederpleis in dieser Woche mit spürbarer Begeisterung angenommen wurde, aber auch nachdenklich gemacht habe, wie Schulleiterin Brunhild Hersel-Everding am letzten der drei Camp-Tage berichtete: „Die Schüler waren überrascht, wie leicht man mit Inhalten manipulieren kann, wie man aber auch große Massen mit Parolen impfen und Stimmung machen kann. Wir wollen als Schule unseren Schülern die Kompetenz für den richtigen Umgang mit Medien und Quellen auf den Weg geben. Das gehört zu unserer Bildung 'fit für das Leben'.“ Das geschehe zwar auch im Unterricht, aber nicht mit der Tiefe und dem ungezwungenen Zugang, den junge und externe Medientrainer zu Schülern hätten.

Themen wie Cybermobbing, das Live-Hacking persönlicher Daten, mobiler Journalismus und Fake-News standen auf der Agenda, aber auch der Umgang mit Extremismus im Netz – der Schwerpunkt des Schüler Smart Camps, der einmal mehr zeigte, warum die Vermittlung von Inhalten und Haltung bei der Medienkompetenz eine entscheidende Rolle spielten, so Frank Windeck: „Junge Schüler haben oft kein Gefühl oder Gespür dafür, wenn sie Hintergründe nicht kennen. Daher ist es wichtig, dass sie es lernen und verstehen, welche extremistischen Strömungen es gibt und wie Empfänger gewonnen werden. Da gibt es menschenverachtende Texte bei deutschen Rappern, die man beiläufig wahrnimmt, aber auch das vegane Nazi-Kochstudio im Netz. Daher ist eine kritische Auseinandersetzung mit Informationen wichtig. Das wollen wir den Schülern vermitteln.“ Angesichts ständig neuer Inhalte und Gefahren sei es für Eltern und auch Lehrer kaum möglich, mit den Entwicklungen Schritt zu halten, so Hersel-Everding, die auf eine Fortsetzung des Workshops im kommenden Jahr hofft.