Fünfjährige Segeltour über die Weltmeere

Sankt Augustiner veröffentlicht Album mit Klängen aus aller Welt

In Trinidad und Tobago nimmt Benjamin Schaschek auf, wie Natasha Joseph die „Steel Pan“ spielt.

In Trinidad und Tobago nimmt Benjamin Schaschek auf, wie Natasha Joseph die „Steel Pan“ spielt.

Sankt Augustin. Fünf Jahre sind Benjamin Schaschek aus Sankt Augustin und Hannes Koch aus Rostock mit ihrem Segelboot „Marianne“ über die Weltmeere gefahren. Bei ihren Landgängen sammelten sie Melodien, Stimmen und Klänge. Jetzt wurde daraus ein Album.

Ein Möwenschrei, entfernte Stimmen und dann zarte Gitarrentöne – die ersten Sekunden des neuen Albums „Songs für Marianne“ der „Sailing Conductors“ sind wie eine sanfte Welle, die einen auf eine akustische Reise zieht; auf das Segelboot der Freunde Benjamin Schaschek und Hannes Koch.

Fünf Jahre segelten der Sankt Augustiner Schaschek und der Rostocker Koch mit ihrem Boot „Marianne“ über die Weltmeere und sammelten bei ihren Landgängen Melodien, Stimmen und Klänge (der GA berichtete). Gitarrist Andrew James spielte beispielsweise am Strand von Südafrika eine noch undefinierte Gitarrenmelodie ins Mikrofon der beiden Freunde ein, in Brasilien schrieb Sängerin Vicky Locarto den passenden Text dazu und bereicherte den Song mit ihrer Stimme. Dazu kamen noch verspielte Klavierläufe und warme Klänge eines Jugendorchesters, die die beiden aufnahmen. Auf diese Weise entstand nicht nur der Song „Travelling man“, sondern noch viele andere länder- und kontinentübergreifende Songs.

14 Stücke haben es auf das Album geschafft. Stücke, die sich nur schwer in eine musikalische Schublade stecken lassen. Zu unterschiedlich sind die beteiligten Musiker und ihre Stile. Im Song „Live up“ trommelt der deutsche Schlagzeuger Tim Neuhaus zu Reggae-Klängen aus Jamaika, dazu kommen Backgroundgesang und Querflöte. „Früher mochte ich kein Reggae“, gibt der 29-jährige Hannes Koch zu und ergänzt, dass er heute viel offener für verschiedene Stilrichtungen und Instrumente sei.

Ein ungewöhnliches Instrument, das auf dem Album zum Einsatz kommt, ist die „Steel Pan“. Erfunden wurde die klingende Stahltrommel in Trinidad und Tobago, wo der selbst ernannte „Captain Ben Bart“ und sein Smutje „Hannes Hafenklang“ mit ihrem Boot Halt machten. „Die veranstalten dort regelmäßig Wettbewerbe und spielen sogar Beethoven oder Metallica“, erzählt Koch. Die beste Spielerin des Inselstaates war schnell gefunden. „Natasha Joseph ist wahrscheinlich die beste Steel-Pan-Musikerin der Welt“, ergänzt Koch stolz. Dem Song „Slow Boat to Africa“ verpasst sie mit dem Instrument das Urlaubsgefühl.

Normalerweise dauerte es nicht lange, bis sich das Vorhaben der beiden Reisenden in den jeweiligen Musikszenen herumgesprochen hatten. Den Kontakt zu Sängerin Tara knüpften sie jedoch mit einer Dating-App, in dessen Status Hannes Koch die Aktion postete. Auf den Bermuda-Inseln entstand nach dem ersten musikalischen Date somit der Song „Love me crazy“.

Der südafrikanische Musiker Jack Montis reiste ihnen sogar mit seinem Segelboot nach. Zwei Songs prägte er mit seiner markanten Stimme. Das letzte Stück des Albums fällt etwas aus dem Rahmen: David Coben spielt seine Klavierkomposition „Nocturne“ als Solonummer. „Seine Tochter hatte uns den Song 'Across the sea' eingesungen“, erzählt Hannes Koch. „Ihr Vater hatte das Klavierstück zu ihrer Geburt komponiert, und es hat uns sofort begeistert.“

Im vergangenen Jahr luden Hannes Koch und Ben Schaschek einige ihrer Musikerfreunde zur gemeinsamen Tour durch Deutschland ein. „Von den Einnahmen des Albums profitieren die Künstler natürlich ebenfalls“, sagt Koch. Die nächste Reise ist erst einmal nicht geplant. „Wir haben noch so viel Musikalisches in unserer Schatztruhe, das müssen wir erst einmal alles bearbeiten.“ Ideen für neue Reiseziele und Musikstile haben sie natürlich trotzdem. Ganz nach dem Motto ihres ersten Albumliedes „Travelling man“, in dem es heißt: „A new song is what guides me – Ein neuer Song zeigt den Weg“.