Geschüttelte Töne

Sankt Augustiner Steyler-Pater gründet ein Bambusorchester

Das Angklung ist ein Instrument, das aus Bambus gebaut wird: Die einzelnen Töne werden geschüttelt, wie es Adelfia Papu demonstriert.

Das Angklung ist ein Instrument, das aus Bambus gebaut wird: Die einzelnen Töne werden geschüttelt, wie es Adelfia Papu demonstriert.

Sankt Augustin. Auf dem indonesischen Angklung-Instrument können mehr als 30 Musiker zugleich spielen. Auch andere Instrumente aus Bambus tragen zu einem exotischen Klang bei.

Siti Asyiah hängt noch schnell eine indonesische Fahne über der Tür auf. „Für drei Stunden ist das hier Indonesien”, erklärt sie lachend: „Jetzt fühle ich mich hier wie zu Hause.” Jeden Mittwochabend kommt die 47-jährige Javanerin ins Missionspriesterseminar der Steyler Missionare. Mit sechs anderen Landsleuten spielt sie hier hauptsächlich Lieder aus ihrer Heimat auf dem Angklung, einem indonesischen Bambusinstrument. Im vierten Stock des Klosters, wo sonst nur die „Steyler Musikapostel”, die Fratres des Ordens, proben, stehen gleich mehrere solcher Angklungs, in verschiedenen Größen. „Wenn wir hier üben, hört man das nicht gleich im ganzen Haus”, sagt der indonesische Steyler-Pater Vincent, einer der Initiatoren der Angklung-Gruppe. Außer im Treppenhaus. Da hallt der exotische und etwas hölzerne Klang des Bambus wie ein Echo wider. „Das Wort 'Angklung' hat seinen Ursprung in der hinduistisch-balinesischen Sprache”, erklärt Pater Vincent. „Es heißt wörtlich übersetzt 'gebrochener Ton'.

Auf der indonesischen Insel Java kennt dieses Instrument so gut wie jedes Kind. Die Schulkinder lernen es bereits im ersten Schuljahr. Das Angklung wird durch Schütteln der einzelnen Holzgestelle, in denen bewegliche Bambusrohre hängen, gespielt. Jeder Musiker ist für einen Ton zuständig. Wichtigste Aufgabe dabei ist, den Einsatz nicht zu verpassen. Denn das Angklung spielt man nicht allein, sondern im Idealfall mit bis zu 30 oder mehr Mitspielern. Das indonesische Bambusinstrument ist 2010 sogar in die Liste der Meisterwerke des „mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit“ aufgenommen worden.

„Die Idee, ein Angklung-Orchester zu gründen, hatte ich schon vor fünf Jahren”, erzählt Pater Vincent, der von 2009 bis 2012 im polnischen Lublin Musikethnologie studiert hat. „Ich bin verrückt nach Musik. Überall, wo ich im Laufe meiner Ausbildung hingekommen bin, habe ich einen Chor und eine Musikgruppe gegründet.” Neben dem Angklung spielt er Flöte und andere indonesische Instrumente, wie die Sasando, eine Röhrenzither, die er von der ostindonesischen Insel Roti mitgebracht hat.

Kriegslied aus West-Papua

Außerdem singt der 41-Jährige leidenschaftlich gerne. Das „Angklung Nusantara Sankt Augustin” gründete er im April 2017. „Ich will die Schönheit und den Reichtum des Liedguts von Indonesien zum Klingen bringen”, sagt er. Deshalb nennt sich das Orchester auch „Nusantara”, die ursprüngliche Bezeichnung für Indonesien, was wörtlich übersetzt so viel wie „Inseln dazwischen“ heißt. Die Instrumente hatte der Steyler Pater Devis dem Jugendchor „Vox Angelorum” aus Jakarta abgekauft, der 2013 zum 100-jährigen Bestehen des Missionspriesterseminars in Sankt Augustin war. „Wir spielen nicht nach Noten, sondern nach Zahlen und hier nach den Buchstaben, die auf den Bambusrohren stehen.“

Derzeit proben sie ein Kriegslied aus West-Papua. Es klingt melodisch. Nur mit dem Rhythmus klappt es noch nicht so richtig. „Pater Vincent ist ein strenger Lehrer”, lacht Adelfia Papu, „aber er macht das gut.“ Die 38-jährige Dozentin der Meeresbiologie stammt von der Insel Sulawesi. Sie promoviert an der Uni Bonn und arbeitet am Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig.

Auch die 26-jährige Asrida aus Nordsumatra gehört mit zum Orchester. Sie studiert derzeit im fünften Semester Jura an der Universität Bonn. Das Angklungspielen habe sie erst in Sankt Augustin gelernt, erzählt sie. Der 37-jährige Syamsir aus Kalimantan begleitet die Angklung-Gruppe mit seiner Ukulele. „Wenn man Gitarre spielen kann, dann kann man auch Ukulele spielen. Die Akkorde sind fast gleich”, lacht der 37-jährige Musiker.

Gründung im April 2017

Er arbeitet als Tontechniker auf einem Rheinschiff, der MS Beethoven. „Eine bunte Mischung aus Muslimen, protestantischen Christen und mir, dem katholischen Pater“, lacht Vincent. Kennengelernt haben sie sich bei einer indonesischen Studentenverbindung. „Zwei von uns sind heute nicht dabei: Fabiola von den Molukken, die in ihren Flitterwochen in Indonesien ist, und Standy aus Java. Er studiert Landwirtschaftstechnologie und hat eine Prüfung.“

Obwohl das Angklung-Orchester erst im April 2017 gegründet wurde, ist es schon mehrfach aufgetreten. Wie zur Eröffnung der Weltklimakonferenz im November 2017 im indonesischen Pavillon. Im Juni 2018 hat es auch beim „Indonesian Night Market” in der Bad Godesberger Stadthalle gespielt.

Die Studenten spielen aber nicht nur indonesische Lieder, sondern haben auch Spaß daran, Lieder in deutscher, englischer oder spanischer Sprache aufzunehmen. Viele ihrer Aufnahmen haben sie auf Facebook unter „Angklung Nusantara Sankt Augustin” gepostet. „Wir wollen einfach die Lebensfreude der Menschen der verschiedenen indonesischen Inseln transportieren”, sagt Pater Vincent. Wer das Angklung-Orchester aus Sankt Augustin einmal gehört hat, weiß, was er damit meint.

Das „Angklung Nusantara Sankt Augustin“ spielt bei „Vielfalt!“, dem Kultur- und Begegnungsfest der Stadt Bonn, am Sonntag, 23. September, 11 bis 19 Uhr, auf dem Markt und auf dem Münsterplatz sowie beim One World Festival am 3. November im Brückenforum Bonn.