Streit um Gyrocopterflüge am Flugplatz Hangelar

Rabatt-Flüge sorgen für Ärger

Umstritten: Die Fluglärmgegner sähen gerne ein Gyrocopter-Verbot über dem Flugplatz.

SANKT AUGUSTIN. Die Rabattaktion eines Anbieters für Rundflüge hat einen neuen Streit in der Diskussion um Gyrocopterflüge am Flugplatz Hangelar ausgelöst. Nachdem der Anbieter einer Tragschrauberschule mit 200 verbilligten Rundflügen über das Schnäppchenportal Groupon geworben hatte, zeigt sich die SPD-Fraktion Sankt Augustin darüber erbost.

Die SPD will ein generelles Verbot von Gyrocoptern am Flugplatz Hangelar erreichen. Dagegen versucht die CDU, die Wogen um das politische Streitthema zu glätten. Der Anbieter selbst verspricht, es werde in Zukunft keine weiteren Rabattaktionen geben.

Seit Jahren gibt es Diskussionen um das Thema Fluglärm am Flugplatz in Hangelar. Bürgerinitiativen sind bemüht, den Flugverkehr dort einzuschränken oder sogar ganz zu verbieten. Nun inserierte zum Valentinstag ein Anbieter von Rundflügen in Gyrocoptern ein besonderes Angebot: 200 Flüge ab dem Flugplatz Hangelar zum Preis von 59 statt 134 Euro.

Das Angebot fand großen Anklang, alle 200 Flüge wurden verkauft. Doch damit war auch ein sensibles Thema wieder aufgerollt. Die Rabattaktion nahm die SPD-Fraktion Sankt Augustin zum Anlass, erneut über ein Verbot von Gyrocoptern nachzudenken und die CDU für ihre Position zum Thema stark zu kritisieren.

"Diese Rabattaktion war eine ziemliche Frechheit", sagte Marc Knülle, Fraktionsvorsitzender der SPD. Sie sei eine Ohrfeige für die Bemühungen um gute Nachbarschaft mit den Anwohnern und gieße Öl ins Feuer in der Diskussion um den Flugplatz. "Die CDU hat sich zum Anwalt des Flugplatzes gemacht und Bürgerinitiativen in die Schranken gewiesen", so Knülle.

Insbesondere geht er Georg Schell an, Vorsitzender der CDU Sankt Augustin. Er habe maßgeblich dazu beigetragen, dass Gyrocopter in Hangelar fliegen dürfen. "Wer den Flugplatz erhalten will, muss Sorge tragen, dass aus einem Sportflugplatz kein Kleingewerbeflughafen wird", so Knülle. Dass die CDU für gute Nachbarschaft zwischen Anwohnern und Flugplatz werbe, sei scheinheilig.

Schell, der im Aufsichtsrat des Flugplatzes sitzt, bemüht sich um Besonnenheit. Die Rabattaktion des Piloten sei nach seiner Einschätzung zwar rechtens. Vom Verhalten des Anbieters sei er aber enttäuscht und wolle ihn persönlich darauf ansprechen. "Wir von der CDU sind auch der Meinung, dass so etwas für eine gute Nachbarschaft nicht sinnvoll ist", sagte er. Doch ein Verbot sei nicht so einfach, wie von der SPD gefordert.

Schon in der Betriebsgenehmigung des Flugplatzes sei geregelt, dass Flugzeuge, die leichter als 5,7 Tonnen sind, - bis auf Ausnahmen - starten und landen dürften. Auch gegen den kommerziellen Umgang sei nichts zu machen. "Die Art der Nutzung kann man als Flugplatz nicht reglementieren", so Schell. Es werde aber Gespräche im Aufsichtsrat und mit der Fliegergemeinschaft über das Thema geben. Die Stellplätze für Gyrocopter würden nach Auslaufen der Verträge nicht verlängert. Ähnlich wie Schell sieht Flugplatzchef Jürgen Unterberg den Vorfall. "Die vom Anbieter angemeldeten Flüge sind zwar legitim und zugelassen, ich halte sie aber für ungeschickt."

Acht Stellplätze gibt es für Gyrocopter in Hangelar. Drei davon nutzt Georg Wicharz, der die Rabattaktion ins Leben gerufen hatte. "Ich war mir nicht bewusst, dass ich die Nachbarschaft damit störe", sagte er. "Wenn ich die Bevölkerung damit verunsichert habe, war das definitiv ein Fehler."

In Zukunft werde er keine derartigen Aktionen mehr machen, an guter Nachbarschaft zu den Anwohnern sei ihm viel gelegen. Mit dem Geld, dass er durch die Aktion verdient habe, seien Investitionen geplant, um seine Gyrocopter leiser zu machen. "Wir werden es schaffen, dass wir dieses Jahr noch unter 60 Dezibel kommen", so Wicharz.