Kinderklinik in Sankt Augustin

Politiker und Ärzte reagieren verärgert auf Schließung

Die Kinderklinik in Sankt Augustin soll geschlossen werden.

Die Kinderklinik in Sankt Augustin soll geschlossen werden.

Sankt Augustin. Politiker und niedergelassene Ärzte kritisieren die Haltung des Asklepios-Konzerns. Dem Vernehmen nach gibt es bereits Planungen, Teile der Klinikverwaltung als Wohnraum umzubauen.

Bestürzt reagieren Politiker und niedergelassene Ärzte auf die Ankündigung des Asklepios-Konzerns, die Kinderklinik in Sankt Augustin zu schließen. Viele bauen nun auf eine mögliche Kooperation mit der Uniklinik Bonn. Die Verwaltungsspitze der Stadt Sankt Augustin reagiert mit Unverständnis und deutlicher Kritik an Asklepios. Bürgermeister Klaus Schumacher appelliert an alle Beteiligten, nach Lösungen zu suchen – „auch im Sinne der Beschäftigten“. Der Erste Beigeordnete Rainer Gleß sieht eine Gefahr für die Versorgung von kranken Kindern in der Region, besonders im östlichen Rhein-Sieg-Kreis. Gleß: „Für Sankt Augustin wäre der Verlust der Kinderklinik sehr schmerzlich. Wir würden viele Arbeitsplätze und die wohnortnahe Versorgung von kranken Kindern verlieren.“

„Die CDU Sankt Augustin ist entsetzt“, sagt Ratsmitglied Sascha Lienesch. „Bereits vor zwei Jahren bei der Schließung der Geburtsstation und Neonatologie haben wir diese Entwicklung befürchtet. Es handelte sich um einen strategischen Fehler des Konzerns, der jetzt zu diesen Konsequenzen geführt hat.“ Nach Ansicht von Martin Metz, Vorsitzender der Grünen-Ratsfraktion in Sankt Augustin, zeige der Klinikbetreiber, „dass ihm Profitinteressen wichtiger sind als die gesellschaftliche Verantwortung“.

Ähnlich äußert sich Denis Waldästl für die SPD-Kreistagsfraktion: „Asklepios macht mit seiner Ankündigung einmal mehr deutlich, dass es allein um wirtschaftliche Interessen und nicht um die Interessen der Patienten und Beschäftigten geht.“ Nach seinen Informationen gebe es bereits Planungen, Teile der Klinikverwaltung als Wohnraum umzubauen. Der Siegburger Bundestagsabgeordnete Alexander S. Neu (Linke) spricht von einem „perversen Gesundheitssystem“, in dem Zuschüsse für die Schließung von Krankenhäusern gezahlt würden: „Es ist unfassbar. Noch 2010 hat sich der Asklepios-Konzern aus der Staatskasse einen Zuschuss gewähren lassen, um die Geburtsklinik auf den Weg zu bringen. 2017 wurde diese geschlossen. Nun soll die Kinderklinik komplett geschlossen werden, und auch dafür sollen Zuschüsse fließen.“ Auch Ingo Steiner, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kreistag, ärgert das: „Das ist nicht akzeptabel. Das Land muss im Gegenteil alles tun, damit die Kinderklinik erhalten werden kann.“

Entsetzt zeigt sich auch Kinderarzt Hubert Radinger aus Bonn. Er ist wie auch Michael Weis aus Siegburg Obmann für die rund 100 niedergelassenen Kinderärzte aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis. „Ich habe allergrößte Sorge, was das für die stationäre kinderärztliche Versorgung in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis bedeutet“, so Radinger, der mehr Engagement vom Kreis erwartet hätte. „Wenn Sankt Augustin wegfällt, ist das aus meiner Sicht eine Katastrophe.“ Es gehe nicht an, dass ein profitorientiertes Unternehmen öffentliche Gelder für den Abbau von Überkapazitäten dafür nutzen wolle, eine notwendige Versorgung aufzugeben.

Bereits Anfang Juni hatten sich die Obmänner mit Briefen an das Land und an Asklepios gewandt, weil sie die stationäre Versorgung gefährdet sehen. „Es wird politisch sehr wichtig und unumgänglich sein, dass der Standort Sankt Augustin für die Versorgung erhalten werden muss“, sagt Weis. Er fordert zudem, dass das Land offenlegt, wo das Geld der Steuerzahler hinfließt und ob sich die Investitionen amortisieren.