Sankt Augustin und Troisdorf

Notärzte und Rettungsassistenten probten den Ernstfall

Die Rettungskräfte bei ihrer Übung in den Mannstaedt-Werken.

16.06.2013 SANKT AUGUSTIN/ TROISDORF. Von der Unterzuckerung über schwere Verletzungen bis zu Herzinfarkt und Schlaganfall: Überall dort, wo Menschen in Not sind und unter akuten lebensbedrohlichen Verletzungen oder Krankheitsbildern leiden, kommen Rettungssanitäter, Rettungsassistenten und Notärzte zum Einsatz.

Dabei ist es wichtig, ständig auf dem neuesten Stand der Diagnostik und Therapie von Notfällen zu sein. Vor zehn Jahren initiierte daher André Schmitz eine neue, praxisnahe Fortbildungsreihe. Der 46-jährige Anästhesist ist Notarzt aus dem St. Josef Hospital in Troisdorf und Ärztlicher Leiter des Notarztstandorts Troisdorf. Nun, nach zehn Jahren Notarztfortbildung, wurde mit 198 Notfallmedizinern und Mitarbeitern des Rettungsdiensts ein rundes Jubiläum gefeiert - mit einer Fortbildung in Sankt Augustin und Troisdorf.

"Uns geht es darum, die Zusammenarbeit von Feuerwehr und Rettungsdienst noch besser zu üben," erklärte André Schmitz am Samstag während einer Praxisübung das Konzept. Zuvor hatten die Übungsteilnehmer in der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg an Vorträgen und Workshops die Theorie gelernt und geprobt. Kindernotfälle, Unfälle an Bahn- und Gleisanlagen, der Umgang mit Amoklagen wurden ebenso besprochen wie Ultraschalldiagnosen im Rettungsdienst.

Längst gibt es kleine, tragbare Ultraschallgeräte auf dem Markt. Doch ihr Einsatz muss geübt werden. "Technisch hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Früher waren Beatmungsgeräte im Prinzip reine Luftpumpen, heute können die ein Vielfaches mehr.

Der Rettungsdienst ist ein Stück weit der verlängerte Arm der Intensivstation. Und dieser Arm wird immer länger," sagte Notarzt André Schmitz zur Übung in einer Halle der Troisdorfer Mannstaedt-Werke. Dort brach plötzlich Geschrei aus. Ein Auto war in die Kantine gerast, es gab viele Verletzte - so zumindest das Übungsszenario. Dank der Schauspielkünste der Bad Honnefer Malteser-Gruppe "Bloody Malti" sorgte das auch bei erfahrenen Einsatzkräften für Gänsehaut.

"Der Besatzung des Notarztfahrzeugs kommt bei solchen Lagen, dem 'Massenanfall von Verletzten' eine besondere Rolle zu," so Schmitz: "Der Notarzt übernimmt bis zum Eintreffen des diensthabenden Leitenden Notarztes dessen Funktion und muss entscheiden: Wer muss sofort behandelt werden, weil Kreislauf oder Atmung schwach sind oder sogar fehlen, wer kann noch etwas warten und wer braucht zunächst keine Hilfe. Diese Sichtung und die Rückmeldung an die Leitstelle sind für den Einsatz wichtiger als die schnelle Behandlung eines ersten Patienten."

Wenige Meter weiter zeigten Rettungsdienst und Feuerwehr die Befreiung einer eingeklemmten Person aus einem Auto. Hauptbrandmeister Alex Ranke und Andreas Leischner nahmen sich die Zeit, Schritt für Schritt zu erklären, die Übung für Fragen und Tipps zu unterbrechen. Zeit, die man im Alltag nicht hätte, aber zur Übung gut investiert war. (Thomas Heinemann)