Ronald-McDonald-Elternhaus

Mehr als 180 Familien seit der Eröffnung

Großzügig gestaltet ist der Gemeinschaftsraum im Elternhaus.

SANKT AUGUSTIN. Alle 25 Appartements in dem am 23. November vergangenen Jahres eröffneten Haus sind belegt, es gibt eine Warteliste. Mehr als 180 Familien haben seit November bereits in dem neuen Elternhaus der Ronald-McDonald-Kinderhilfe Stiftung gewohnt.

Es ist ein warmer Frühlingsabend. Vor dem Eingang des Ronald-McDonald-Hauses, der an den riesigen Schlund eines Wals erinnert, drehen sich bunte Windräder. Daneben sitzt eine junge Frau und füttert ihren Säugling. Wagt man den Schritt ins Innere des futuristischen Baus, wird man umfangen. Es ist eine weite Umarmung, die hell, freundlich mit warmen Holztönen und schier endloser Raumhöhe neben Luxus vor allem Behaglichkeit verbreitet.

Der riesige Gemeinschaftsraum des Ronald-McDonald-Hauses am Hans-Wilhelm-Lippe-Weg füllt sich am Abend, denn ein gemeinsames Abendessen aller Bewohner des Hauses steht auf dem Programm. Hausleiterin Marian Aide hat es gemeinsam mit Safia Lachheb, die ein Freiwilliges Soziales Jahr macht, und den ehrenamtlichen Helferinnen Bernadette Kuckenberg und Gerti Thur vorbereitet. Pizza steht auf dem Speiseplan, dafür schnippeln die Helferinnen nun Champignons, Paprika und Tomaten. Die lange Tischreihe ist bereits liebevoll für 47 Besucher eingedeckt, die Stimmung trotz zahlreicher Kinder ruhig und entspannend.

Alle 25 Appartements in dem am 23. November vergangenen Jahres eröffneten Haus sind belegt, es gibt eine Warteliste. Mehr als 180 Familien haben seit November bereits in dem neuen Elternhaus der Ronald-McDonald-Kinderhilfe Stiftung gewohnt. Sechsmal mussten Eltern, Angehörige und auch die Mitarbeiter Abschied nehmen, weil die kleinen Patienten, die im benachbarten Kinderherzzentrum behandelt werden, verstorben sind.

Schon seit Dezember - seit der Geburt ihrer Tochter Leonora - bewohnt Berenike Bremme ein Appartement im Elternhaus. Immer am Wochenende kommen ihr Mann Gerd und Tochter Annemarie (3) zu Besuch. "Ich war und bin stark beeindruckt von dem Luxus, der einem Vier-Sterne-Hotel gleichkommt", versucht die Mutter des herzkranken Mädchens ihre Eindrücke in Worte zu fassen. Zu diesem anfänglichen Luxusgefühl habe sich im Laufe der Monate ein Gefühl der Geborgenheit eingestellt. "Inzwischen glaube ich, dass ich diese Zeit unter anderen Umständen nicht durchgestanden hätte." Neben den Zimmern als Rückzugsmöglichkeit biete der große Aufenthaltsraum Gelegenheit, sich auszutauschen, sagt Bremme: "Man ist nicht alleine mit seinen Problemen."

Die meisten der Kinder haben einen schweren Herzfehler, zahlreiche Operationen müssen die Neugeborenen - oftmals Frühchen - mit der Gefahr von Komplikationen durchstehen. Da sei der Austausch mit anderen betroffenen Eltern enorm wichtig, sagt Bremme.

Carsten Adrians ist mit Sohn Eric (3) aus Viersen angereist und hat auf dem Weg Annemarie Bremme mitgebracht, deren Vater erst einen Tag später kommen kann. Beide Familien haben sich im Elternhaus kennengelernt und sind befreundet. Adrians' Tochter Lilly ist inzwischen sieben Wochen alt, und schon jetzt beschleiche ihn mitunter das Gefühl: "Was mache ich eigentlich ohne die Leute im Elternhaus, wenn ich wieder zu Hause bin?"

Natürlich gebe es auch schon mal Konflikte angesichts der Ausnahmesituation, die so manche Eltern auch an ihre Grenzen bringe, berichtet Hausleiterin Marian Aide. Dafür stehe man als Gesprächspartner jederzeit zur Verfügung. Und auch die Psychologen, Seelsorger oder Sozialarbeiter der Klinik arbeiteten laut Aide eng mit dem Elternhaus zusammen.

Das Angebot stimme, erzählen Carsten Adrians und Berenike Bremme. Den beiden Elternteilen fällt nichts ein, was kritisch zu hinterfragen wäre. Es sei toll, wie man aufgenommen und umsorgt werde, das Zusammenkommen mit anderen Eltern sei wichtig - genauso wie die Rückzugsmöglichkeiten auch mit der gesamten Familie.

Ebenfalls schätzen die Eltern die Nähe zur Klinik, in der ihr Kind behandelt wird. Andererseits biete das Haus Raum genau diesen Klinikalltag am Abend mal hinter sich zu lassen, bei einem Spaziergang über die angrenzenden Felder oder mit dem Blick aus dem Appartementfenster, der Aussicht auf freie Natur bietet.