Nachwuchsmangel im Handwerk

Krupp's Backstuben in Sankt Augustin schließt nach 68 Jahren

Schluss nach fast 70 Jahren: Die Bäckerei Krupp informierte ihre Kunden mit Zetteln im Schaufenster: „Wir schließen ab dem 1.12.“

Schluss nach fast 70 Jahren: Die Bäckerei Krupp informierte ihre Kunden mit Zetteln im Schaufenster: „Wir schließen ab dem 1.12.“

Sankt Augustin. Der Sankt Augustiner Handwerksbetrieb macht seinen Laden an der Bonner Straße zu, weil er kein Personal findet. Er steht nicht allein: Im Kreis gibt es immer weniger vom Inhaber geführte Bäckereien, und auch der Berufsnachwuchs fehlt.

Am Ende waren alle Bemühungen umsonst. „Krupp's Backstuben“ an der Bonner Straße in Sankt Augustin hat aufgegeben. Seit vergangener Woche ist der Laden, in dem Kunden schon seit 1949 Brot und Brötchen kaufen konnten, geschlossen. Zwar wollte sich die Inhaberin persönlich nicht zu den Hintergründen äußern. Wie der General-Anzeiger erfuhr, war der familiengeführte Betrieb schon seit längerer Zeit auf der Suche nach Personal – ohne Erfolg.

Das Problem ist bekannt: Dem Handwerk geht der Nachwuchs aus. Zwar ist die Zahl der Lehrlinge, die 2017 eine Ausbildung in Handwerksberufen aufgenommen haben, zuletzt leicht um 0,8 Prozent angestiegen. Doch vor allem Bäcker und Fleischer haben weiterhin Probleme, freie Stellen zu besetzen. Lediglich neun Lehrlinge werden nach Angaben der Kreishandwerkerschaft im kommenden Jahr voraussichtlich ihre Prüfung abschließen. Die Folgen sind spürbar: „Inhabergeführte Bäckereibetriebe werden von Jahr zu Jahr weniger“, sagt Elke Siewert von der Kreishandwerkerschaft Bonn/Rhein-Sieg.

Bundesweit 81 Prozent weniger Meisterbetriebe

Dieser Trend lasse sich zum Beispiel an der Zahl der Innungsmitglieder ablesen. 57 Betriebe waren im Gebiet der Kreishandwerkerschaft 2017 Mitglied der Bäckerinnung. Vor zehn Jahren waren es noch 93. Deutschlandweit gibt es heute laut Zentralverband des deutschen Bäckerhandwerks rund 81 Prozent weniger Meisterbetriebe als noch 1998. Kunden müssten zwar nicht um ihre Brötchen fürchten, die Versorgung sei gewährleistet – etwa durch Filialen größerer Ketten, Discounter-Back-Shops oder Backstationen im Einzelhandel. Jedoch: „Es lässt sich beobachten, dass die Vielfalt verloren geht“, sagt Siewert.

Der Trend hin zur maschinell gefertigten Ware verändert den traditionellen Bäckerberuf. Das hat auch Auswirkungen auf die Attraktivität dieses Handwerks. Die Bereitschaft von Bäckern, einen Betrieb quasi nur als Verkäufer zu übernehmen, sei gering, so Siewert. Doch auch vor der Alternative, der Selbstständigkeit, schreckten immer mehr Bäcker zurück. „Junge Bäcker wagen den Schritt nicht, weil die Konkurrenz durch Großbäcker und den Einzelhandel so groß ist“, sagt Siewert.

Erdrückende Konkurrenz durch Großbäcker

Zudem habe sich der bürokratische Aufwand in den vergangenen Jahren erhöht. „Wir hören oft, dass die Betriebe mittlerweile mehr Arbeitszeit investieren müssen, um nachzuhalten, was man geputzt hat, als für das Putzen selbst“, so Siewert. Großbäckereien könnten diesen Aufwand eher stemmen als etwa kleine Zwei-Mann-Betriebe. 34 Lehrlinge haben laut Kreishandwerkerschaft in diesem Jahr eine Ausbildung zum Bäcker begonnen.

Wie viele davon letztlich in drei Jahren ihre Prüfung ablegen, sei abzuwarten. Aus dem 2015 gestarteten Jahrgang werden laut Kreishandwerkerschaft im Sommer 2018 voraussichtlich gerade einmal neun Lehrlinge ihre Prüfung ablegen.

Stirbt das Bäckerhandwerk etwa aus? So weit würde Siewert nicht gehen: „Das Handwerk wird nicht verschwinden. Aber der Schwerpunkt hat sich sicher verlagert. Dennoch wird es für Bäcker immer Nischen geben.“ Auch Kunden hätten Einfluss auf die Entwicklung. „Letztlich sind sie es, die mit ihren Füßen abstimmen, wo sie ihr Brot kaufen möchten.“

Wer künftig in das Ladenlokal der Bäckerei Krupp einzieht, ist noch unklar. Die langjährigen Kunden aber dürfen hoffen: Nach GA-Informationen wollen die Besitzer an eine Bäckerei verpachten – einzige Bedingung: Ein inhabergeführter Betrieb soll es sein.