Heilige Familie mit Elefant und Kamel

Krippenausstellung im "Haus Völker und Kulturen"

Sankt Augustin. Manche sind nicht größer als ein Daumennagel, andere bestehen aus getrocknetem Kürbis oder aus Eierschalen. Das „Haus Völker und Kulturen“ der Steyler Missionare zeigt in einer Ausstellung Weihnachtskrippen aus aller Welt.

Weihnachten naht, und für viele gehört neben dem Tannenbaum auch eine Krippe zum Fest. Wie groß die Formenvielfalt ist, zeigt der Blick in die christlichen Länder in aller Welt. Das Museum „Haus Völker und Kulturen“ der Steyler Missionare in Sankt Augustin zeigt mehr als 200 Weihnachtskrippen von allen Kontinenten. Motto der Ausstellung: „Das Wort wurde Familie“.

Tatsächlich sind die gezeigten Krippen auf die engsten Familienmitglieder beschränkt: Jesus, Maria und Josef. Jedes Werk ist ein Unikat. Georg Skrabania, Direktor des Museums und Professor für Kirchengeschichte an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Augustin, möchte mit dem Ausstellungsmotto auch eine Botschaft aussenden.

„Ich will unterstreichen, dass die Familie in unseren Zeiten die Keimzelle der Kirche und der Gesellschaft ist – das muss man erhalten.“ Auch Jesus sei in einer Familie zu den Menschen gekommen. Außerdem sei es ihm ein großes Anliegen, kulturelle Verschiedenheit zu zeigen.

Klassiker aus geschnitztem Holz

Angefangen bei der ersten geschnitzten Holzkrippe am Eingang des Museums können die Besucher tatsächlich eine Reise um den ganzen Erdball machen. Aus Asien, Europa, Mittel- und Südamerika bis Afrika und Australien sind Krippen zu sehen. Denkbar unterschiedlich sind die Materialien, darunter Ton, Stein, Metall oder sogar Kronkorken und Eierschalen.

Eine Krippe aus Bangladesch zeigt die Heilige Familie in farbenfrohen Kleidern aus Stoff und Sackleinen. Auf einem anderen Tisch steht eine philippinische Darstellung der Geburt Christi, hergestellt aus dunkler Vulkanasche, die nach einem Ausbruch auf dem asiatischen Inselstaat gesammelt wurde. Die europäischen Krippen bestehen zumeist aus Holz und orientieren sich stark an der Erzählung des Neuen Testaments, nach der das Jesuskind in einer Krippe gebettet liegt, umgeben von der knienden Maria und ihrem Mann Josef sowie Schaf, Ziege, Ochs und Esel.

Die Darstellung der Heiligen Familie verrät gleichzeitig etwas über die Lebensweise in den unterschiedlichen Ländern. Während peruanische Krippen aus Ton, hellem Alabaster oder Kalebassen – getrockneten Kürbisschalen – bestehen, wird im Kongo Elfenbein oder Kupfer verarbeitet. Statt Schaf und Esel stehen an afrikanischen Krippen oft Kamele oder Elefanten, bei lateinamerikanischen Werken Lamas. Sehr unterschiedlich sind auch die Maße der Krippen: Die kleinste ist kaum größer als ein Daumennagel, andere sind vergleichbar mit einem Schrank.

Seit den 80er Jahren besitzt die Ordensgemeinschaft eine Krippensammlung aus aller Welt. Die meisten haben Missionare mitgebracht, andere wurden gekauft. Ein Lieblingsstück von Museumsdirektor Skrabania ist eine äthiopische Krippe aus dunklem Ebenholz: „Die ganze Familie ist hier eng miteinander verbunden. Keiner ist einsam oder allein.“