Für Digitalisierung fit gemacht

Kompetenzzentrum "Mittelstand 4.0" an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

"Mitten in der Revolution": IHK-Hauptgeschäftsführer Hubertus Hille (links) und Hochschulpräsident Hartmut Ihne.

"Mitten in der Revolution": IHK-Hauptgeschäftsführer Hubertus Hille (links) und Hochschulpräsident Hartmut Ihne.

Sankt Augustin. Das Kompetenzzentrum „Mittelstand 4.0“ an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg ist an den Start gegangen. Die Digitalisierung bedeute eine Revolution, sagt Hochschulpräsident Hartmut Ihne.

Big Data, Künstliche Intelligenz, Echtzeitanalsysen, Cyber-Sicherheit – die Digitalisierung birgt für die Wirtschaft Chancen und Risiken zugleich. Während große Unternehmen und die Industrie sich mit wissens- und personalstarken Abteilungen in die vierte industrielle Revolution begeben, ist die Herausforderung kleiner und mittelständischer Unternehmen, mit den marktveränderten Entwicklungen der Digitalisierung Schritt zu halten, ungemein groß.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) will mit bundesweit verteilten Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft fördern. Dem Schwerpunkt Usability, der Nutzerfreundlichkeit und der Nutzererfahrung, ist das neue Kompetenzzentrum für das Rheinland gewidmet, das am Freitagabend in der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg feierlich eröffnet wurde. Außer Frage stehe, dass der Mittelstand um das Thema Digitalisierung nicht herum komme, fasste Daryoush Vaziri, Mitarbeiter im Hochschulfachbereich Wirtschaftswissenschaften und Leiter des neuen Kompetenzzentrums, den Bedarf an Expertenwissen für die Wirtschaft zusammen: „Dies ist sowohl bei Unternehmen in Ballungsgebieten, wie auch bei Unternehmen in ländlichen Regionen ein heißes Thema. Wir können kleine und mittelständische Unternehmen dabei unterstützen, digitale Produkte und Dienstleistungen effizienter und gezielter zu planen, umzusetzen und schließlich nachhaltig am Markt zu etablieren.“

Dass das vom Ministerium bis zum Jahr 2020 mit insgesamt 900.000 Euro geförderte Projekt an der Hochschule in Sankt Augustin angesiedelt sei, sei für die Region ein großer Gewinn: „Wir haben zudem eine enge Vernetzung mit dem Kompetenzzentrum an der Universität Siegen, die wiederum mit den Fraunhofer Instituten in Sankt Augustin vernetzt sind – für alle Unternehmen ist das starke Netzwerk eine große Chance.“

Chancen, die man nutzen sollte, gab Hochschulpräsident Professor Harmut Ihne am Freitagabend den anwesenden Unternehmern mit auf den Weg: Neben der Weiterentwicklung der Unternehmen und der Steigerung von Umsätzen bringe die Digitalisierung Chancen beim der Reduktion von Kosten und der Erschließung neuer Märkte. „Wir sind mitten in der Revolution“, betonte Ihne, „Und der Mittelstand ist nach Studien nicht immer gut aufgestellt, wenn es etwa um sichere IT-Infrastrukturen geht. Nutzen Sie die Möglichkeiten der Hochschule, um ihre Digitalisierung auf sicheren Boden zu stellen.“

Wichtig zu wissen sei auch, dass die Digitalisierung Risiken berge, sowohl unmittelbar bei der Cyber-Sicherheit, als auch mittel- und langfristig innerhalb der Gesellschaft. Ethik spiele dabei eine entscheidende Rolle, „die Technik selbst entscheidet nicht, wo sie eingesetzt wird – noch nicht.“ Zudem müsse eingesetzte Technik auch benutzt werden können, sagte Hubertus Hille. Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn Rhein-Sieg lobte die Ansiedlung des Kompetenzzentrums für die regionale Wirtschaft als „großen Segen“: Usability, früher auch Anwenderfreundlichkeit oder Softwareergonomie genannt, sei heute bei Kaufentscheidungen fast so wichtig wie der Preis. „Wir werden aber nur weiter digitalisieren können, wenn das alles auch sicher ist“, so Hille. Er warb für den neuen Cyber Security Cluster in Bonn, in dem die Kompetenz namhafter Protagonisten aus der Region gebündelt und der Wirtschaft zugänglich gemacht werden soll.