Erhebliche Mängel im Gebäude

Jobcenter Rhein-Sieg in Sankt Augustin will umziehen

Sankt Augustin. Teile des Deckenputzes fallen herab, die Behindertentoilette ist defekt, es gibt einen massiven Wasserschaden. Wegen dieser Mängel im Jobcenter Rhein-Sieg möchte Geschäftsführer Ralf Holtkötter umziehen. Die Sankt Augustiner Politiker halten davon nichts.

So richtig begeistert sind die Sankt Augustiner Politiker nicht über die Neubaupläne des Jobcenters Rhein-Sieg. Der Geschäftsführer des Jobcenters, Ralf Holtkötter, betonte im Planungsausschuss die Dringlichkeit eines Umzugs seiner Einrichtung, die derzeit in Räumen der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) und des Technologieparks am Markt untergebracht ist. Doch die Ausschussmitglieder halten den Standort auf dem Dolorgiet-Areal im Industriegebiet an der Otto-von-Guericke-Straße überwiegend als nicht den richtigen.

Was Holtkötter da über die baulichen Bedingungen im KAS-Gebäude erzählt, klingt in der Tat abenteuerlich. Erst vor wenigen Tagen seien Teile des Deckenputzes über einem Schreibtisch herabgefallen, sagt er. Der Mitarbeiter habe glücklicherweise gerade nicht an seinem Platz gesessen. Außerdem sei die Behindertentoilette defekt, und es gebe einen massiven Wasserschaden. Holtkötter: „Wir brauchen kunden- und mitarbeiterorientierte Räumlichkeiten, die modernen Bürostandards entsprechen und gut erreichbar sind.“ 470 Mitarbeiter arbeiten an den beiden Standorten, mehrere Tausend Kunden kommen jeden Monat zum Gespräch an den Markt 3.

Der Standort sei mit der Bahnhaltestelle der Linie 66 perfekt angebunden, gibt Holtkötter zu, aber der gewünschte Standort an der Einsteinstraße sei ebenfalls gut über zwei Buslinien erreichbar – zumal ihm die Stadtwerke zugesichert hätten, dass die Taktung noch im Laufe dieses Jahres erhöht werden würde. Außerdem käme ein Gros des Klientels von der Siedlung an der Ankerstraße, was auch von Vorteil wäre.

Der Jobcenter-Chef gab auch zu bedenken, dass er wirtschaftlich denken müsse, da die Miete ja aus Steuergeldern bezahlt werde. Derzeit zahle er 13,50 Euro pro Qua-dratmeter. Bei einem Umzug in das vom Investor nach energetischen Standards errichtete Gebäude würde er nach eigenen Angaben 100.000 Euro im Jahr einsparen. „Der jetzige Standort hat überwiegend Nachteile“, sagte Holtkötter.

Kunden sind orientierungslos

Das in den 70er Jahren gebaute Ensemble der Konrad-Adenauer-Stiftung sei so verwinkelt, dass eine Orientierung für Kunden schwierig sei. Die Aluminiumfenster seien derart in die Jahre gekommen, dass sie im Winter so starke Kältebrücken bildeten, dass das Wasser auf den Fensterbänken gefriere. Die sanitären Anlagen seien 40 Jahre alt und ebenfalls dringend sanierungsbedürftig. Das allein soll 300 000 Euro kosten. Ein Schallschutz für die Türen sei aufgrund der strengen Datenschutzbestimmungen vonnöten und werde pro Stück mit 1000 Euro veranschlagt. Hinzu komme, dass der Bau nur unzureichend barrierefrei zugänglich sei.

Bereits 2017 habe man bei der Stadt Sankt Augustin nach Alternativen nachgefragt. Und der Trägerversammlungsbeschluss sei eindeutig: „Wir müssen da raus.“ Mittlerweile habe man mit der Pütz-Gruppe einen Investor gefunden, und auch der an der Einsteinstraße bestehende Bebauungsplan lasse ein Bürogebäude zu.

„Wir hätten dort ausreichend Parkplätze, könnten variable Büroräume beziehen und unsere Automatisierungsprozesse sowie Digitalisierungsstrategien endlich fortsetzen“, sagte Holtkötter. Das alles seien doch gute Argumente. Da die Zeit dränge, weil der derzeitige Mietvertrag Ende 2020 auslaufe, bat er um eine positive Haltung des Ausschusses – sonst müsse er nach Alternativen in Troisdorf schauen.

„Ich halte von dem Projekt sehr wenig“, sagte Ausschussvorsitzender Marc Knülle (SPD): „Die Busverbindungen sind nicht ideal, und ein Jobcenter mitten im Gewerbegebiet kann ich mir nicht gut vorstellen.“ Dass Holtkötter jetzt Druck aufbaue, finde er nicht gut: „Das muss intensiv diskutiert werden.“

Ähnlich sah es Martin Metz (Grüne). „Wir haben zu wenig Flächen für Gewerbe, und die wenigen, die wir haben, müssen wir vorhalten.“ Er fände eine Sanierung und einen Verbleib am jetzigen zentralen Standort besser: „Wir müssen da gemeinsam zu einer Lösung kommen.“ Dieser Ansicht war auch René Puffe (CDU). Karl-Heinz Schütze (FDP) indes sah die Möglichkeiten eines Neubaus auf dem Dolorgiet-Gelände durchaus positiv: „Ein Umzug hätte überwiegend Vorteile.“

Der Erste Beigeordnete Rainer Gleß betonte, dass es „verwaltungsseitig ein klares Bekenntnis zum Jobcenter“ gebe: „Ihre Einrichtung gehört nach Sankt Augustin“, sagte Gleß. Er bot an, „an tragfähigen Alternativen zu basteln“. Solange wird eine Entscheidung über den Neubau zurückgestellt.