Medienzentrale der Bundeswehr in Sankt Augustin

Interview mit Leiter Matthias Boehnke: "Ich bin traurig"

SANKT AUGUSTIN. Matthias Boehnke, letzter Leiter der Medienzentrale der Bundeswehr in Sankt Augustin, im GA-Interview über die letzten Tage der Einrichtung, Ferraris und seine neue Aufgabe.

Die Informations- und Medienzentrale der Bundeswehr (IMZBw) in Sankt Augustin gibt es nicht mehr. Sie wird, wie mehrfach berichtet, zum Jahresende aufgelöst. Noch wird von dort zwar das Bundeswehrfernsehen gesendet, aber spätestens im März gehen die Lichter endgültig aus. Dann spielt die Musik in Berlin und Mayen. Ein paar Kameraden dienen zwar dort noch und passen auf, der Chef weilt aber schon in seiner neuer Mission als Pressesprecher der deutschen Soldaten bei der europäischen Trainingsmission in Mali. Interview mit dem letzten Leiter der IMZBw, Oberstleutnant Matthias Boehnke.

Herr Boehnke, Sie sind schon in Ihrer neuen Verwendung in Mali. Wer ist denn überhaupt noch in der Medienzentrale?
Matthias Boehnke: Nach meinen Informationen sind dort noch zwei Kameraden als Kasernenoffizier und ein Mannschaftsdienstgrad, gewissermaßen als Hausmeister. Sie sorgen für die Überwachung und den Betrieb der Immobilie. Die Organisationsform Medienzentrale gibt es noch bis zum 31. Dezember. Dann ist Schluss.

Was ist mit dem Sendebetrieb?
Matthias Boehnke: Das Bundeswehrfernsehen wird noch bis längstens März mit acht Mitarbeitern des Zentrums für operative Kommunikation von Sankt Augustin aus gesendet. Danach wird das in Mayen gemacht, wo das Zentrum eigentlich stationiert ist. Dort sind wegen eines Umbaus aktuell noch keine Räume frei.

Was geschieht denn mit dem Inventar?
Matthias Boehnke: Was die Bundeswehr an anderen Standorten noch nutzen kann, geht in die neuen Standorte. Brauchbares Equipment, das wir nicht mehr benötigen, wird auf einer Internetseite versteigert. Da haben schon viele Sachen, etwa Tonmischpulte, den Besitzer gewechselt. Und das, was kein Mensch mehr benötigt, wird verschrottet. Es bleibt noch normales Mobiliar wie Schreibtische und ähnliches, das wird anderen Dienststellen zugeordnet.

Zu Spitzenzeiten haben dort 150 Menschen gearbeitet, zuletzt waren es knapp 100. Was ist mit den Mitarbeitern passiert?
Matthias Boehnke: Das ist sehr unterschiedlich. Trennen muss man zwischen uniformierten und zivilen Beschäftigten. Bei den Soldaten war das relativ einfach: Sie sind an andere Dienststellen versetzt worden. Komplizierter war das bei den Zivilisten: Das sind ja fast alles ausgewiesene Spezialisten, die woanders nicht so leicht einsetzbar sind. Einige haben einen neuen Arbeitsplatz in anderen Dienststellen gefunden, einigen hat man eine Frühpensionierung angeboten, andere wiederum machen eine Umschulung. Es stand aber immer und für jeden auch das Angebot, mit in die neuen Dienststellen zu gehen. So weit ich weiß, stehen noch zwei Versetzungen aus, ansonsten ist alles über die Bühne gegangen. Kein Mitarbeiter wurde entlassen, so wie wir es immer versprochen haben.

Was geschieht mit der Immobilie?
Matthias Boehnke: Die Immobilie, die die Bundeswehr gemietet hatte, gehört der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Sie wurde als Bürogebäude auf dem Immobilienmarkt zum Verkauf angeboten, ist jetzt aber als Spezialimmobilie für Medien auf dem Markt.

War es eine notwendige Entscheidung, die Medienzentrale aufzugeben?
Matthias Boehnke: Es war eine Entscheidung des Ministeriums, die wir umsetzen mussten. Man hätte im Vorfeld sicher auch anders entscheiden können, in dem man uns mehr Aufgaben gegeben hätte.

Was ist das für Sie jetzt für ein Gefühl?
Matthias Boehnke: Ich bin schon traurig, vor allem deshalb, weil sich das Ministerium hier so etwas wie einen Ferrari geleistet hat. Beim Gedanken daran, dass der aufgegeben worden ist, schwingt schon Wehmut mit. Zumal ich schon vor meiner Zeit als Leiter als Redakteur dort gearbeitet habe.

Wie sieht Ihre Aufgabe in Mali aus und was kommt danach?
Matthias Boehnke: Ich bin für vier Monate in Koulikoro in Mali als Pressesprecher eingesetzt. Hier bildet die Bundeswehr gemeinsam mit 26 anderen europäischen Nationen malische Soldaten aus. Am Ende soll eine funktionierende Armee dabei herauskommen. Ein schwieriges Unterfangen in einer anderen Kultur. Für mich persönlich geht das berufliche Leben in Berlin im Pressezentrum der Luftwaffe ab März weiter.

Zur Person

Neun Monate leitete Oberstleutnant Matthias Boehnke die Informations- und Medienzentrale in Sankt Augustin als ihr letzter Chef. In seiner neuen Verwendung ist er derzeit als Pressesprecher der deutschen Soldaten bei der Europäischen Trainingsmission im afrikanischen Mali. Der Berufssoldat ist 46 Jahre alt, ledig und seit 1988 mit zwei Unterbrechungen bei der Bundeswehr. Er lebt noch in Sankt Augustin und wird ab März in Berlin im Pressezentrum der Luftwaffe eingesetzt.