Steyler Hochschule in Sankt Augustin

Hoffen auf schnelle Entscheidung des Vatikans

Seit mehr als einem Jahr laufen Gespräche zur Zukunft der Steyler Hochschule in Sankt Augustin. Der Betrieb läuft aber normal weiter.

Seit mehr als einem Jahr laufen Gespräche zur Zukunft der Steyler Hochschule in Sankt Augustin. Der Betrieb läuft aber normal weiter.

Sankt Augustin. Bleibt sie bestehen oder wird sie geschlossen? Die Zukunft der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Steyler Missionare bleibt ungewiss. Orden wartet auf die Entscheidung der Bildungskongregation im Vatikan.

Wie es mit der Philosophisch-Theologischen Hochschule (PTH) der Steyler Missionare in Sankt Augustin weiter geht, ist weiterhin unklar. Noch hat die Generalleitung der Ordensgemeinschaft in Rom laut PTH-Rektor Bernd Werle keine Entscheidung getroffen.

Wie berichtet, hatte die damalige Leitung des Provinzkapitels der Steyler Missionare vor gut einem Jahr empfohlen, die Hochschule in Sankt Augustin zu schließen – mit Verweis auf die zukünftigen finanziellen und personellen Mittel der Steyler Provinz. Ein entsprechender Antrag ging im Dezember 2015 an die Generalleitung, in deren Hand die endgültige Entscheidung liegt – aufgrund der Bedeutung der Hochschule für die Steyler insgesamt. „Es ist einfach nur tragisch, denn wir waren tatsächlich auf einem Höhenflug als die Nachricht kam“, sagt Werle im Gespräch mit dem General-Anzeiger. Die PTH war laut dem Rektor gerade „mit Bravour“ reakkreditiert worden, die Studierendenzahlen waren angestiegen. Seither wartet Werle auf einen Beschluss, der Klarheit bringt.

Mehrere Gespräche in Rom

In der Zwischenzeit hat es verschiedene Gespräche gegeben; ein erstes im Januar 2016 bei der Generalleitung in Rom. „Weil unsere Fakultät 1999 vom Vatikan ad perpetuum, also für immer, errichtet worden ist, ist da die Frage aufgekommen, ob bei einer solch schwerwiegenden Entscheidung nicht auch die Bildungskonkregation des Vatikans einbezogen werden müsse“, sagt Werle. Dem habe sich die Generalleitung angeschlossen. Also gingen die Unterlagen an die Kongregation für das Katholische Bildungswesen.

Werle rechnete zu der Zeit damit, dass eine Entscheidung schon nach wenigen Wochen fallen würde. „Es hat ziemlich lang gedauert, bis wir hier verstanden haben, dass die Bildungskongregation noch mal eine tiefergehende Prüfung macht und auch weitere Stellungnahmen einholt“, erzählt er. „Als uns das klar wurde, haben wir uns dazu entschlossen, weiter zu immatrikulieren. Es gab für uns keinen plausiblen Grund, dies nicht zu tun.“ Für das kommende Sommersemester läuft derzeit das Einschreibungsverfahren.

Den Studierenden garantiert die Hochschule, dass sie ihr Studium an der PTH auch beenden können. „Wir müssen Verlässlichkeit zeigen, und außerdem sind wir dazu auch durch das Hochschulgesetz verpflichtet. Diese Verantwortung ist uns sehr bewusst“, sagt Werle. Im März 2016 startete zudem der Masterstudiengang „Internationale Dialogkompetenz“. Ab dem kommenden März bietet die PTH eine neue Schreibschule für ausländische Studierende an. „Es gibt Leben in der Entwicklung des Kollegiums“, sagt der Rektor. Derzeit arbeiten 28 Lehrende im Kollegium und sieben zusätzliche Lehrbeauftragte an der Hochschule.

Vor vier Wochen war Werle zusammen mit dem Provinzial der Deutschen Provinz erneut in Rom. Diesmal zum Gespräch mit Vertretern der Bildungskonkregation im Vatikan, an dem auch der Generalsuperior der Steyler Missionare teilnahm. „Im Gespräch war deutlich das Interesse daran zu spüren, dass die Steyler auch künftig durch ihr wissenschaftliches Engagement in Deutschland eine Rolle spielen“, sagt der Rektor. Auch sei deutlich geworden, dass der Vatikan wahrgenommen habe, welchen Wert die Philosophisch-Theologische Hochschule gerade für das weltkirchliche Engagement der deutschen Kirche habe. Denn: Mehr als 50 Prozent der Studenten seien nicht gebürtig aus Deutschland. „Mich hat diese Wertschätzung tief beeindruckt“, so Werle. Inzwischen hat die Bildungskonkregation ihre Begutachtung abgeschlossen, ihre Stellungnahme soll an die Generalleitung gehen.

Hochschulrektor Bernd Werle hofft, dass die Entscheidung über die Zukunft nun schnell fällt, so oder so. „Optimal wäre, wenn sie vor dem Sommersemester da wäre“, sagt er. „Einen Schwebezustand, wie wir ihm nun seit mehr als einem Jahr ausgesetzt sind, kann man als Mensch nicht endlos lange aushalten.“