Ausbau der A59 in Meindorf

Häuser weichen der Autobahn

SANKT AUGUSTIN. Für den Ausbau der A59 müssen in Meindorf insgesamt sieben Gebäude abgerissen werden. Für die Bewohner der Häuser wirft das viele Fragen auf - nicht alle können die Projektplaner beantworten.

Es sind nur ein paar hundert Meter um die es geht, aber die haben es in sich für einige Meindorfer Bürger. Dicht an dem Sankt Augustiner Ortsteil vorbei führt die Autobahn 59, und die soll von sechs auf acht Spuren inklusive Standstreifen ausgebaut werden. In Meindorf hat das zur Folge, dass sechs Häuser und ein Wirtschaftsgebäude dem zusätzlichen Platz, der für die Autos geschaffen wird, weichen und abgerissen werden müssen. Das Ehepaar Tondar weiß das schon seit dem Jahr 2007 und lebt seither mit der Ungewissheit - wie die anderen Anlieger auch.

Es ist schon ziemlich laut im Garten der Tondars, aber sie haben sich an den Lärm gewöhnt im Laufe der Jahrzehnte, die sie dort wohnen. 42 Jahre rauschen die Autos zum Greifen nahe an ihrem Haus vorbei - aktuell rund 129.000 pro Tag. Nur die Lärmschutzwand trennt den Garten von der Fahrbahn.

Auch das Nachbarhaus in der Straße "Im Winkel" muss abgerissen werden, wenn der Ausbau kommt. Vier weitere Häuser an der Bahnhofstraße und ein Wirtschaftsgebäude kommen dazu.

Tondar-Sohn Dieter unterstützt seine betagten Eltern bei der Pflege ihres Hauses. Darin wohnen Inge und Clemens Tondar seit nunmehr 54 Jahren. "Und sie versorgen sich immer noch gut allein", sagt Dieter Tondar.

Ein neues Heim mit Mitte 80 suchen

An dem Haus aber muss etwas getan werden. "Das Dach der Garage ist undicht und muss repariert werden. Macht man das nun richtig oder nur für den Übergang?", fragt er. "Ich weiß es nicht." Seine Mutter indes habe schon geäußert, dass sie sich jetzt wohl nach etwas Neuem umsehen müssten, im zarten Alter von 86 und 87 Jahren.

Helfen können auch die Projektverantwortlichen beim Landesbetrieb Straßen NRW derzeit nicht bei der Planung der Tondars. "Das ist schon eine unglückliche Situation", sagt Projektplaner Martin Eich.

Man sei noch nicht im Planfeststellungsverfahren und wisse auch noch noch gar, wann man starten könne. "Derzeit wird das Projekt auch noch für den neuen Bundesverkehrswegeplan geprüft", so Eich. "Die Betroffenen können wir nur um Geduld bitten, aber uns sind einfach die Hände gebunden", erklärt er weiter.

Laut Eich müssen noch diverse Unterlagen zusammengetragen werden, bevor der "genehmigte Vorentwurf" in ein Planfeststellungsverfahren gehen kann. Unter anderem müssen noch der Grunderwerbsplan erstellt sowie die Bahnbelange in die Planungen mit eingearbeitet werden. "Wir gehen ja so nah an die Bahnlinie ran, wie es nur möglich ist", so Eich. Auch die Gaspipeline entlang der Autobahn muss verlegt werden. Sie verläuft mitten durch den Garten der Tondars.

Ausbau ist mit rund 60 Millionen Euro veranschlagt

"Derzeit hängen wir zwischen genehmigtem Vorentwurf und Planfeststellungsverfahren", ergänzt Laurenz Braunisch, Sprecher beim Landesbetrieb. "Zur Zeitschiene können wir beim besten Willen noch keine Aussagen machen", so Projektleiter Gerd Regenstein. Man dürfe auch noch keine Grundstücke erwerben im derzeitigen Stadium. Dafür sei ein Planfeststellungsbeschluss nötig.

Gehofft hatten die Verkehrsplaner, in diesem Sommer bereits ins Planfeststellungsverfahren gehen zu können. Aber soweit ist man noch nicht, wenn auch die Umweltverträglichkeitsstudie und ein Lärmgutachten und der Entwässerungsplan vorliegen. "Wir wissen aktuell so ungefähr die Fahrtrichtung, aber mehr lässt sich einfach noch nicht sagen", sagt Braunisch.

Zwischen den beiden Autobahndreiecken Sankt Augustin und Bonn-Nordost soll die A59 auf rund 3,2 Kilometern Länge von sechs auf acht Spuren ausgebaut werden. Dann wird sie ein Breite von 43,50 Meter haben. Das Projekt ist mit rund 60 Millionen Euro veranschlagt und im Bundesverkehrswegeplan 2003 als vordringlich eingestuft. "Mit dem Geld werden wir wohl auch auskommen", so Eich.

Geplant ist auch, den Lärmschutz in Richtung Süden um 500 Meter zu verlängern. Der Ausbau sei absolut notwendig, so Eich. Er gehe deshalb fest davon aus, dass das auch im neuen Bundesverkehrswegeplan Niederschlag findet. Der soll 2015 vom Bund verabschiedet werden. "Ob das auch so sein wird, wissen wir nicht", so Eich.