Asklepios Klinik in Sankt Augustin

Große Demonstration für den Erhalt der Kinderklinik

Eindeutig gegen die Schließung: Hunderte Demonstranten vor der Askepios Kinderklinik Sankt Augustin.

Eindeutig gegen die Schließung: Hunderte Demonstranten vor der Askepios Kinderklinik Sankt Augustin.

Sankt Augustin. Eltern, Mitarbeiter und Politik haben am Samstag ein deutliches Signal für den Klinikstandort Sankt Augustin gesetzt. Mit selbst gemalten Transparenten, Plüschtieren, Seifenblasen und klaren Worten demonstrierten sie gegen das geplante Aus.

Die Unterstützung für die von Schließung bedrohte Kinderklinik in Sankt Augustin ist riesengroß. Rund 600 Menschen, darunter viele Kinder, protestierten am Samstagnachmittag vor dem Krankenhaus, die Onlinepetition fand bis Sonntagabend schon mehr als 31 000 Unterstützer.

„Wo sollen wir sonst hin?“, „Gier und Genesung funktioniert nicht“ und „Dieses Krankenhaus hat meiner Tochter das Leben gerettet“ stand auf den Plakaten der Demonstranten zu lesen, die dem Aufruf der Selbsthilfe Spina Bifida und Hydrocephalus gefolgt waren. Der Asklepios-Konzern hat beim Land NRW einen Antrag auf Förderung aus dem Krankenhausstrukturfonds gestellt, um die Kinderklinik zu schließen (der GA berichtete). Immer wenn das zur Sprache kam, hatten einige Teilnehmerinnen am Samstag Tränen in den Augen. Das Klinikpersonal, das sich der Kundgebung mit eigenen Transparenten angeschlossen hatte, bekam viel Applaus.

„Hier haben wir alle Fachdisziplinen gebündelt. Wenn die Klinik geschlossen wird, wissen wir nicht, wo wir hinkönnen“, sagte Walter Bass, Vorsitzender der Selbsthilfe Spina Bifida. „Ich fordere die Politik auf, ein Signal für die Kinder zu setzen.“ Viele Mitglieder der Selbsthilfegruppe waren mit ihren Kindern gekommen, um der Forderung Nachdruck zu verleihen. Unterstützt wurden sie von vielen Familien aus der Umgebung. „Ich bin einfach froh, dass das Kinderkrankenhaus hier in der Nähe ist. Es ist außerdem wichtig, dass die Eltern bei ihren Kindern bleiben können“, sagte eine Mutter aus Sankt Augustin.

 

Bürgermeister Klaus Schumacher kündigte an, dass es am Dienstag ein Gespräch der Stadt Sankt Augustin mit dem zuständigen Staatssekretär und den Verantwortlichen von Asklepios geben soll. „Das, was sich drohend abzeichnet, darf auf keinen Fall passieren“, so Schumacher. Er habe gedacht, dass mit der Schließung der Geburtshilfe der Tiefpunkt erreicht gewesen sei. Der Bürgermeister fand deutliche Worte: „Man hat uns verschaukelt.“ Am Rande der Diskussion sagte eine ehemalige Ärztin, dass sie selbst nie aus Sankt Augustin weggegangen wäre, aber durch die Kreißsaal-Schließung dazu gezwungen wurde. Nicht die Bonner Unikliniken seien das Problem, sondern die Politik von Asklepios.

Trägerwechsel wird geprüft

Chefarzt Gerd Horneff sieht das anders. Wenn von 13 Ärzten der Kinderherzabteilung neun zur Uniklinik gingen, sei das eine „aggressive Abwerbung“. Er sprach am Samstag zu den Demonstranten und den zahlreich anwesenden Politikern und verwies darauf, dass die Kinderklinik in den vergangenen zehn Jahren 100 000 Kinder behandelt habe. „Das entspricht einer Großstadt.“ Es sei nun Aufgabe der Politik, die Versorgung der Kinder sicherzustellen. „Die Schuldfrage ist mir persönlich egal. Wir können nicht riskieren, dass durch eine schlechtere Versorgung Kindern Leid zugefügt wird“, so Horneff.

Ein Plakat mit dem Text „Wir sind mehr als ein Euro wert“ spielte auf das Verkaufsangebot an. In einem Telefonat mit Landrat Sebastian Schuster und am Rande der Kreistagssitzung war dieser Preis genannt worden, Asklepios-Pressesprecher Rune Hoffmann bestätigte dem GA lediglich, dass das Krankenhaus zum Verkauf stehe.

Ob ein Trägerwechsel die Kinderklinik retten kann, muss noch geprüft werden. Vize-Landrat Denis Waldästl kann sich eine Übernahme durch den Rhein-Sieg-Kreis oder die Bonner Unikliniken als eine Option durchaus vorstellen. Zum genannten Kaufpreis sagte er: „Schon das Gelände ist weit mehr als einen Euro wert. Wir müssen prüfen, welche weiteren Verpflichtungen für den Kreis dahinter stehen.“